Handball : TSV wirft Rettungsanker zur rechten Zeit

Im Fehlerfestival mit dem ASV Hamm bleibt Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen gestern Abend glücklicher 24:23-Sieger.

 Gäbe es einen Wettbewerb, wer in 60 Handball-Minuten die meisten Fehler macht, der TSV Bayer Dormagen und der ASV Hamm-Westfalen wären ernsthafte Anwärter auf einen Platz im Finale. Am Ende machten die Dormagener gestern Abend vor 1286 Zuschauern im heimischen Sportcenter ein paar Fehler weniger als die ehemals aufstiegs-ambitionierten Gäste und landeten so glücklich, aber nicht unverdient mit dem 24:23 (Halbzeit 14:11) den ersten Sieg nach voraufgegangenen sechs Niederlagen in Folge.

Ob es der Befreiungsschlag im Abstiegskampf war, wird sich in den kommenden Partien gegen die direkten Konkurrenten aus Dresden (23. November), Dessau (1. Dezember) und Rimpar (8. Dezember) zeigen. Auf jeden Fall warfen die Dormagener den Rettungsanker zum richtigen Zeitpunkt, denn bei einer erneuten Schlappe wäre der Abstand zum rettenden Ufer schon recht groß geworden – so beträgt er zum Wilhelmshavener HV auf dem „magischen“ 15. Tabellenplatz gerade mal zwei Punkte.

Ein Abstand zum ASV Hamm-Westfalen, der vor Saisonbeginn aus den eigenen Aufstiegsambitionen kein Hehl machte, mit der fünften Niederlage aber in die Grauzone der Liga auf den Plätzen sieben bis neun abrutschte, war gestern Abend nicht zu erkennen. Im Gegenteil, die Gastgeber waren über weite Strecken der ebenso spannenden wie niveauarmen Partie die bessere Mannschaft. Doch das waren die Dormagener in etlichen der voraufgegangenen Begegnungen auch gewesen und hatten am Ende doch verloren. Dass es diesmal anders kam, lag vor allem daran, „dass bei uns heute wenig zusammen gepasst hat,“ wie ASV-Trainer Kay Rothenpieler ehrlich eingestand. Allerdings spielt man bekanntlich nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Und die Bayer-Handballer ließen gestern nicht allzu viel zu, standen sie doch endlich einmal halbwegs kompakt und konzentriert in der Deckung, was sich prompt in elf Paraden von Sven Bartmann und einer verdienten 14:11-Pausenführung niederschlug. Die freilich bei konsequenterer Chancenverwertung durchaus höher hätte ausfallen können. Das schien sich nach der Pause zu rächen. Hamm packte nun seinerseits konsequenter zu, agierte im Angriff mit zwei Kreisläufern und schuf so die Lücken, um dem Spiel die vermeintliche Wende zu geben. So war sechs Minuten nach Wiederbeginn (15:15 durch Jan Brosch) der schöne Vorsprung viel zu schnell dahin, und die meisten  Bayer-Fans richteten sich schon auf ein Déjá-vu-Erlebnis ein.

Das blieb freilich aus, weil die Gäste zwar beim 20:19 durch Markus Fuchs (53.) erstmals während der gesamten Partie in Führung gingen, sich aber in der Folgezeit noch ungeschickter anstellten als die Dormagener. Und weil die Hausherren mutig und verbissen um jeden Ball  kämpften, den sie im Gegenzug dann allerdings allzu oft leichtfertig wieder abgaben. So entwickelte sich eine hochdramatische Endphase, in der Hamm freilich nur noch ein Mal vornelag – beim 22:21 durch Vyron Papadopoulos nach 56 Minuten. Der Linksaußen wurde dann aber zum tragischen Held aus Gästesicht: Zwei Mal scheitert er aus dem Spiel heraus an Bartmann, dann setzt er 80 Sekunden vor Schluss einen Siebenmeter neben das Tor. Die endgültige Entscheidung bringt dann eine Zeitstrafe gegen Jan Brosch 20 Sekunden vor dem Ende bei angezeigtem „Zeitspiel“ gegen Dormagen. Statt hektisch abzuschließen, kann der TSV die verbleibende Zeit ausspielen – und Eloy Morante Maldonado macht mit seinem Treffer fünf Sekunden vor Schluss Betreuer Axel Schönen das schönste Geschenk zum 44. Geburtstag.

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