2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen

Handball: Ein Hauch von Heim-WM am Höhenberg

Vor zwei Wochen feierte Martin Strobel sein Comeback in der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass er in deren Rückraum auch bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land Regie führt, ist groß. Heute Abend gastiert der 32-Jährige mit Zweitligist HBW Balingen-Weilstetten beim TSV Bayer Dormagen.

Das Lob kam aus berufenem Munde: „Martin hat viel Schwung und Kreativität auf die Position Rückraum Mitte gebracht. So konnten wir uns viele Chancen über den Kreis erarbeiten. Das hat uns bei der EM 2018 in Kroatien gefehlt,“ sagte Christian Prokop nach den beiden EM-Qualifikationsspielen der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Israel (37:21) und den Kosovo (30:14) vor zwei Wochen mit Blick auf Martin Strobel.

Der Bundestrainer hatte den 32-Jährigen vor diesen beiden Partien aus dem selbstverordneten Ruhestand geholt und damit für Aufsehen gesorgt. Schließlich spielt Strobel, der sich vor zwei Jahren nach 135 Länderspielen mit dem Gewinn des EM-Titels und der olympischen Bronzemedaille aus der Nationalmannschaft verabschiedet hatte, „nur“ in der Zweiten Liga. Mit der HBW Balingen-Weilstetten, dessen Trikot er von 2005 bis 2008 und wieder seit 2013 trägt, ist er heute – Anwurf um 19.30 Uhr – beim TSV Bayer Dormagen zu Gast.

Strobel kommt mit doppeltem Rückenwind. Zum gelungenen Nationalmannschafts-Comeback gesellt sich der Höhenflug der Balinger, die nach mäßigem Saisonstart in den vergangenen acht Spielen nur zwei Punkte abgaben – beim 27:33 bei Erstliga-Absteiger TuS N-Lübbecke. Damit haben sie sich mit jetzt 15:7 Punkten auf Tabellenplatz vier bis auf zwei Zähler an die Aufstiegsplätze herangerobbt. „Eine gute Ausgangsposition,“ sagt Trainer Jens Bürkle, warnt aber vor dem „schwierigen Doppelspieltag“ mit den Aufgaben in Dormagen und am Sonntag gegen den TV Hüttenberg. Wobei seine Schützlinge zuletzt angesichts klarer Führungen oftmals ein wenig die Zügel schleifen ließen. „Ich hatte in manchen Szenen schon ein wenig den Eindruck, dass nicht alle die Aufgabe zu 100 Prozent ernstgenommen haben,“ sagt Wolfgang Strobel nach dem 34:26-Heimsieg über den EHV Aue – der ältere der beiden Strobel-Brüder ist seit drei Jahren Geschäftsführer beim Klub von der Alb, der von 2006 an zehn Jahre in der Ersten Liga spielte und schnellstmöglich dahin zurück möchte.

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Und das auch dank der Fähigkeiten von Martin Strobel. Er „besitzt eine sehr gute taktische Auffassungsgabe, ist mannschaftsdienlich und hat einen starken Charakter,“ sagt der Bundestrainer über den 32-Jährigen. Dessen Chancen, bei der Heim-WM dabei zu sein, die am 10. Januar in Berlin mit der Partie gegen Korea beginnt, nach den beiden Qualifikationsspielen und dem Ausfall etlicher Leistungsträger (unter anderem Julius Kühn) nicht schlecht stehen. „Die Chance, eine Weltmeisterschaft vor eigenem Publikum zu spielen, ist unglaublich. So etwas passiert dir als Sportler vielleicht nur einmal in deiner Karriere. Daher wäre es eine Riesensache, wenn ich dabei sein könnte – dabei sein dürfte,“ sagte Strobel im Interview mit der „Handballwoche“.

Dass somit heute Abend ein Hauch von WM-Atmosphäre durchs Bayer-Sportcenter weht, dürfte den Gastgebern herzlich egal sein. Nach vier Niederlagen in Folge geht es für den TSV Bayer Dormagen darum, nicht den Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze der Zweiten Liga zu verlieren. Die sind zwar nur zwei Punkte entfernt – doch wenn es ganz schlecht läuft, könnten sich die Dormagener am Sonntag nach der zweiten Partie des Wochenendes (16 Uhr beim Mitaufsteiger TuS Ferndorf) auf dem vorletzten Tabellenplatz wiederfinden.