Handball : Zehn Minuten Blackout sind zu viel

Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen kassiert in Lübeck 27:31-Niederlage.

Fünfzig Minuten lang waren Neuling TSV Bayer Dormagen und der mit Aufstiegsambitionen in die Zweitliga-Saison gegangene VfL Lübeck-Schwartau durchaus gleichwertig. Weil sich die Gäste aber in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit eine Leistung erlaubten, mit der sie wohl nicht mal in der Regionalliga Nordrhein bestehen könnten, traten sie am Ende die 476 Kilometer lange Heimfahrt mit leeren Händen an.

„Wenn wir in entscheidenden Phasen solche Fehler machen, dann können wir ein Auswärtsspiel natürlich nicht gewinnen,“ kommentierte Trainer Ulli Kriebel die 27:31-Niederlage (Halbzeit 14:19), mit der seine Schützlinge erneut „big points“ im Kampf um den Klassenerhalt liegen ließen. Denn für das Lob von Lübecks Trainer Torge Greve: „Die haben frech und erfrischend aufgespielt“, erhält auch ein Neuling keine Zähler.

Zumindest einer davon wäre möglich gewesen, hätten die Dormagener über 60 Minuten so gespielt wie bis zum 13:13 (20.) oder wie phasenweise im zweiten Durchgang, als sie einen Fünf-Tore-Rückstand bis auf einen Treffer (25:26, 51.) verkürzten. Was dazwischen und danach passierte vor 1815 Zuschauern in der Hansehalle, offenbarte schonungslos die Defizite der jungen Mannschaft, der es nicht zum ersten Mal in entscheidenden Situationen an Ordnung und Disziplin fehlte. Vor allem die zehn Minuten vor der Pause lesen sich wie ein Protokoll des Grauens: Sechs technische Fehler und fünf Fehlwürfe machen es den dabei nicht einmal überzeugenden Lübeckern leicht, von 13:13 auf 19:14 weg zu ziehen. Dass sich Lukas Stutzke nach einem gegen ihn gepfiffenen Stürmerfoul so lange und so heftig aufregt, bis ihn die Unparteiischen Schaban/Westphal wegen Meckerns vom Feld schicken, spricht auch nicht gerade für Abgeklärtheit. Die Hausherren nutzen diese zweiminütige Überzahl, um sich von 15:13 auf 18:13 abzusetzen – auch, weil sie gleich zwei Mal ins leere Dormagener Tor treffen.

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Anders als beim Debakel in Coburg ergaben sich die Bayer-Handballer am Samstagabend aber nicht in ihr Schicksal. Auch, weil sich der nach 19 Minuten für den erneut schwachen Gergö Rozsalvölgyi eingewechselte Sven Bartmann im dritten Einsatz nach seinem schweren Motorradunfall zu elf Paraden aufschwang, mit denen er tatsächlich an frühere Glanzform anzuknüpfen scheint. So stand es neun Minuten vor dem Ende plötzlich nur noch 25:26 aus Sicht der Gäste. Die sich danach jedoch erneut ein paar technische Fehler und Fehlwürfe zu viel leisteten, um das Spiel noch zu drehen.

Fazit: Beim VfL Lübeck-Schwartau, der auch im fünften Heimspiel ungeschlagen blieb, muss ein Aufsteiger nicht unbedingt punkten. Doch wenn sich die ungenutzten Möglichkeiten dazu häufen, kann sich das in der Endabrechnung bitter auswirken.

TSV Bayer: Rozsalvölgyi (ab 19. Bartmann); Reuland (4), Eggert, Löfström (5), I. Hüter, Richter (3/1), P. Hüter, Morante Maldonado (1), Stutzke (7), Wieling (7/3).

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