Handball : Kriebel bleibt nur bis zum Saisonende

Unabhängig vom Ausgang der Saison wird Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen den auslaufenden Vertrag mit Trainer Ulli Kriebel nicht verlängern. Ein dann hauptamtlich tätiger Nachfolger soll schon bald präsentiert werden.

Er hat den TSV Bayer Dormagen in die Zweite Handball-Bundesliga geführt. Und mit sieben Punkten aus den ersten sieben Spielen dort auch ein ordentliches Zwischenzeugnis abgelegt. Trotzdem wird das Engagement von Trainer Ulli Kriebel bei den Chemiestädtern am 8. Juni 2019 auslaufen, egal ob die erste Saison nach dem Wiederaufstieg dann mit dem Klassenerhalt endet oder nicht.

Das bestätigte  Björn Barthel auf Anfrage unserer Redaktion. Mehr möchte der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer im Moment nicht zu dieser Personalie sagen. „Wir hatten in dieser englischen Woche mit den drei Spielen gegen Großwallstadt, Emsdetten und Essen innerhalb von sieben Tagen noch keine Zeit, alle Beteiligten, insbesondere die Mannschaft, zu informieren,“ erklärt Barthel. Er hätte gerne noch etwas damit gewartet, doch in der Handball-Szene lassen sich „Geheimnisse“ nur selten lange geheim halten.

Das war auch Björn Barthel klar, als er Kriebel vor einigen Tagen darüber in Kenntnis setzte. In seinen Augen ist es „ein ganz normaler Vorgang, wenn ein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird.“ Den relativ frühen Zeitpunkt habe der Verein bewusst gewählt: „Das ist ein Akt der Fairness gegenüber dem Betroffenen.“ Ob Ulli Kriebel das auch so sieht, bleibt offen – vor dem Spiel gegen den Tabellenzweiten TuSEM Essen am gestrigen Freitagabend wollte keiner der Beteiligten das Thema weiter kommentieren, was durchaus verständlich erscheint.

Nach Informationen unserer Redaktion sollen weniger sportliche Gründe gegen eine Weiterbeschäftigung Kriebels gesprochen haben als vor allem die eingeschränkte zeitliche Verfügbarkeit des 40-Jährigen. Der zweifache Familienvater ist als Entwicklungsingenieur bei einem mittelständischen Maschinenbau-Unternehmen in seiner Heimatstadt Solingen beschäftigt, das auf Entwicklung und Produktion von Vakuumpumpen, Verdichtern und Luftversorgungssystemen spezialisiert ist. Als er vor Jahresfrist vom Trainer der Dormagener A-Jugend zum Chefcoach des (damaligen) Drittliga-Teams aufstieg, hatte Kriebel mit seinem Arbeitgeber eine gewisse Reduzierung seiner Arbeitszeit vereinbart.

Deshalb ist zu erwarten,  dass der nächste Dormagener Trainer ein „Hauptamtler“ sein wird, so wie die meisten in der Zweiten Liga tätigen Übungsleiter auch. Die Gespräche mit einem Nachfolger sollen weit gediehen sein, möglicherweise wird er bereits in der kommenden Woche vorgestellt.

Bleibt die spannende Frage, ob mit der frühzeitigen Bekanntgabe der Nicht-Verlängerung seines Vertrages ein schleichender Autoritätsverlust des aktuellen Trainers einher geht. Eine „lame duck“ auf der Bank kann sich jedenfalls kein Klub im knallharten Abstiegskampf leisten.

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