Handball : Reichen die Kräfte zum nächsten Coup?

Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen erwartet drei Tage nach Sensationssieg in Emsdetten den Tabellenzweiten TuSEM Essen.

Das schönste Kompliment kam vom Gegner: „Euer Spiel war phänomenal,“ stellte Daniel Kubes am Dienstagabend nach der 29:37-Heimniederlage des TV Emsdetten gegen den TSV Bayer Dormagen fest. Der frühere tschechische Nationalspieler, als Aktiver unter anderem beim THW Kiel eine Stütze der Abwehr und seit vier Jahren bei den Emsländern in der Verantwortung als Trainer, hatte schon den 12:22-Pausenstand als „schlimmsten Albtraum“ erlebt. Am Ende schickte er den Neuling mit einem großen Lob auf die Heimfahrt: „Wir haben heute gegen eine diszipliniert spielende Mannschaft komplett den Kopf verloren.“

Doch das ist in der schnelllebigen Zweiten Handball-Bundesliga Schnee von gestern. Schon am heutigen Freitagabend (19.30 Uhr, TSV-Bayer-Sportcenter) wartet die nächste Aufgabe auf den Neuling, die dritte innerhalb von sieben Tagen. Und die hat es in sich, kommt doch der Tabellenzweite TuSEM Essen, der bislang nur eine Niederlage (29:35 am zweiten Spieltag beim Dessau-Rosslauer HV) auf seinem Konto hat. „Bei allem Respekt vor Emsdetten und vor allem vor der Leistung unserer Mannschaft dort, aber das ist doch ein anderes Kaliber,“ sagt Dormagens Handball-Geschäftsführer Björn Barthel. Und verweist auf die Rückrunde der vergangenen Saison, die die Essener als Tabellenzweiter hinter dem schließlich aufgestiegenen Bergischen HC abschloss – in der Gesamtbilanz belegten die Schützlinge von Jaron Siewert, mit 24 Jahren jüngster Zweitliga-Trainer aller Zeiten, Platz neun mit 40:36 Punkten.

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„Und die sind eingespielt, weil sie ihre Mannschaft weitgehend zusammengehalten haben,“ zeigt Barthel einen weiteren Pluspunkt der Gäste auf. Zu dem sich noch ein weiterer gesellt: Weil sie ihr Heimspiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen um eine Woche vorverlegten (und mit 36:27 für sich entschieden), kommen die Essener verhältnismäßig ausgeruht ins Bayer-Sportcenter: Ihr letzter Auftritt war der 29:24-Sieg am vergangenen Freitag bei den Rhein Vikings.

Zum Vergleich: Die Dormagener spielten im gleichen Zeitraum 32:32 gegen den TV Großwallstadt und gewannen 37:29 in Emsdetten. Eine Partie, die durch die letztlich siegbringende offensive Deckungsweise viel Kraft kostete, auch wenn Trainer Ulli Kriebel in den Schlussminuten den A-Jugendlichen Nick Braun und Sven Eberlein (erzielte sein erstes Zweitliga-Tor) sowie Philipp Krefting aus der ansonsten in der Oberliga spielenden Reserve Einsatzzeiten gab. „Wenn die Kräfte reichen, sind wir nicht von vorneherein chancenlos,“ sagt Kriebel und setzt dabei auch auf den Heimvorteil: „Unsere tolle Mannschaft hat jede Unterstützung verdient. Bringt Freunde und Nachbarn mit in die Halle,“ sagt Kriebel.

Partien gegen Essen waren schon immer Publikumsrenner, die alte „Schweinehalle“ stieß dabei regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen. Legendär ist jenes Spiel, in dem 1750 Fans die eigentlich nur für 1400 Besucher zugelassene Halle an der Konrad-Adenauer-Straße beinahe zum bersten brachten. Das letzte Aufeinandertreffen am 16. April 2016 sahen (im Sportcenter) immerhin 1486 Zuschauer – es war der letzte Sieg eines Dormagener Zweitligateams überhaupt vor dem Wiederaufstieg. Insgesamt spricht die Bilanz aber eindeutig für den TuSEM: Von 32 Begegnungen in Erster und Zweiter Liga entschieden die Essener 18 für sich. Zehn gingen an den TSV Bayer, vier endeten Unentschieden. Vielleicht ein gutes Omen: Vor fast auf den Tag genau 31 Jahren, am 10. Oktober 1987, gewannen die Dormagener mit 18:16 – es war damals ihr erster Sieg überhaupt nach dem Aufstieg in die Erste Liga.