1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen unterliegt DJK Rimpar

Handball : Cleverness ist besser als Kopflosigkeit

Der TSV Bayer Dormagen hat seine dritte Heimniederlage kassiert: In einem erschreckend schwachen Duell mit Tabellennachbar DJK Rimpar musste sich der Handball-Zweitligist mit 20:21 (Halbzeit 9:7) geschlagen geben. Jetzt droht das Abrutschen in die Abstiegszone.

Die Tormaschine der Zweiten Handball-Bundesliga ist außer Betrieb. 29 Treffer hatte der TSV Bayer Dormagen bis vor einer Woche durchschnittlich in einem Meisterschaftsspiel erzielt. In Eisenach kam er nicht über 24 hinaus, im heimischen Duell mit dem Tabellennachbarn DJK Rimpar vor der enttäuschenden Kulisse von 1034 Zuschauern waren es sogar nur 20.

Zwei vermeidbare Niederlagen (24:28, 20:21) waren die Folge, die nicht bloß den bislang mit Stolz vorgezeigten einstelligen Tabellenplatz in Gefahr bringen. Bei einer weiteren Niederlage am Samstag beim wiedererstarkten TuS N-Lübbecke droht gar das Abrutschen in die Zone der abstiegsgefährdeten Teams. Und ob die Dormagener da mit einer jungen, in prekären Spielsituationen überfordert wirkenden Mannschaft bestehen können, ist eine Frage, die sich am Höhenberg bislang kaum einer gestellt hat in der Euphorie über das zwischenzeitliche Vordringen bis auf den sechsten Tabellenplatz.

Die Antwort ist einfach: So wie in Eisenach und vor allem so wie gegen Rimpar sicher nicht. Doch die Dormagener werden damit leben müssen, dass sich immer mehr Gegner, vor allem solche, die sich gegen den Abstieg stemmen, nicht mehr darauf einlassen, dem Tempo-Handball Marke Bayer auf Augenhöhe zu begegnen, sondern ihn nach Möglichkeit zu (zer-)stören. So wie die Rimparer Wölfe. „Hätten wir uns auf das Dormagener Tempospiel eingelassen, wären wir hier untergegangen,“ sagte Ceven Klatt. Stattdessen verlegte sich der Gästetrainer auf eine Taktik, von der er selbst sagt: „Einen Schönheitspreis kannst du damit nicht gewinnen. Aber für Schönheitspreise gibt es keine Punkte.“ Für Cleverness schon. Also verschleppten die Wölfe das Tempo, als würden sie in Zeitlupe agieren, also packten sie in der Deckung rustikal zu. Beides behagt den Dormagenern, noch dazu im verletzten Heider Thomas ihres routiniertesten Feldspielers beraubt, gar nicht.

Sie brauchen den Rausch der Geschwindigkeit, um zum Erfolg zu kommen. So wie im voraufgegangenen Heimspiel gegen den HSV Hamburg, als sie zur Halbzeitpause bereits 18 Tore erzielt hatten. Am Samstag waren es im gleichen Zeitraum neun, davon vier in den ersten zehn Minuten, als die Dormagener wie schon in Eisenach mit 4:0 führten, ohne daraus nennenswertes Kapital schlagen zu können. Weil sie zu Hause spielten, dauerte es gegen Rimpar etwas länger als eine Woche zuvor, ehe sie in Rückstand gerieten. Beim 13:12 (39.) warf Benedikt Brielmeier die Wölfe, die trotz des Fehlstarts Ruhe bewahrten, erstmals in Front.

Und weil sie ihre Gäste nicht müde gelaufen hatten, konnten die Dormagener in der Schlussphase auch keine – tatsächliche oder vermeintliche – konditionelle Überlegenheit in die Waagschale werfen, die ihnen schon mehrfach in dieser Saison trotz Rückständen noch einen doppelten Punktgewinn beschert hatte.Trotz allem wäre wenigstens ein Zähler möglich gewesen. Doch 70 Sekunden vor Schluss, als ein von Sven Bartmann abgewehrter Strafwurf (von Benjamin Herth) und ein Tor von Benni Richter die Hausherren wieder auf 20:21 herangebracht hatten, donnert der viel zu selten am Kreis angespielte Carl Löfström den Ball an die Querlatte. Und als auf der Gegenseite die Wölfe das Spielgerät tatsächlich mal aus der Hand geben, hat Bayers zweite Welle erneut die Chance zum Ausgleich. Doch der Pass von Ian Hüter landet statt bei Ante Grbavac in den Händen von Lukas Siegler...

„Kopflos“ habe seine Mannschaft agiert, stellt Dusko Bilanovic im Nachhinein fest – womit der Trainer indirekt jenen Analysten des Dormagener Handballs Recht gibt, die sagen, dem Team fehle der Führungsspieler. 21 Fehlwürfe hatte er auf seinem Statistikbogen notiert – einen mehr, als seinen Schützlingen an diesem Abend Tore gelangen.

Alleine 14 Mal scheiterten sie an Max Brustmann, den sie mit 20 Paraden schon im mit 23:24 verlorenen Hinspiel zum Helden gemacht hatten. Diesmal benötigte der 37-Jährige, der sich am Saisonende aufs sportliche Altenteil zurück zieht, dafür nicht mal eine überragende Form – zu schwach, zu unplatziert, zu überhastet und viel zu oft dahin gezielt, wo Brustmann besonders stark ist (im halbhohen bis Bodenbereich), kamen die Dormagener Würfe auf sein Gehäuse. Eine Sache der (mangelnden) Konzentration, befand Bilanovic. Das Bedenkliche: Stecken die Bayer-Handballer erst einmal im Abstiegskampf, dürfte die kaum besser werden.