2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen schlägt VfL Lübeck-Schwartau

Handball : TSV Bayer setzt nächstes Ausrufezeichen

Standing Ovations in den letzten drei Spielminuten, Sprechchöre für den Trainer – 1358 Zuschauer im Bayer-Sportcenter waren am Samstagabend völlig aus dem Häuschen. Kein Wunder, gelangen dem TSV Bayer Dormagen mit dem auch in dieser Höhe verdienten 31:23 (Halbzeit 16:11) über VfL Lübeck-Schwartau erstmals in dieser Saison drei Siege in Folge, mit denen sich der Aufsteiger ein wenig von der Abstiegszone der 2. Handball-Bundesliga entfernte.

Zugegeben, es gibt stärkere Gegner in dieser 2. Handball-Bundesliga als den VfL Lübeck-Schwartau in der Verfassung von Samstagabend. Doch man muss einen Kontrahenten ja erst einmal dahin bringen, dass er irgendwann aufhört, Widerstand zu leisten. Und das tat der TSV Bayer Dormagen in diesem Fall mit einer Deckungsleistung, zu deren Beschreibung Trainer Dusko Bilanovic nur vier Worte benötigte: „Das war großes Kino.“

Im Gespräch ging der 47-Jährige etwas mehr ins Detail: „Wir haben gestanden wie eine Mauer,“ sagte er mit Blick auf seinen Innenblock, in dem ein an diesem Abend überragender Heider Thomas, Lukas Stutzke, Patrick und Ian Hüter den mit einer Serie von sechs Siegen in Folge angereisten Gästen kaum Luft zum Atmen ließen. Geschweige denn zum Handballspielen. Anspiele an den Kreis, beim voraufgegangenen 24:17-Sieg über die HSG Nordhorn-Lingen noch die stärkste Angriffswaffe des VfL, gelangen so gut wie gar nicht, Distanzwürfe fanden selten ihr Ziel. Und Co-Trainer Jörg Engelhardt hatte am Ende 15 technische Fehler auf seinem Statistikzettel stehen.

Fehler, zu denen die Dormagener ihre Gäste zwangen, weil sie nicht nur im Deckungsblock standen. Sondern sich im Verbund bewegten, immer wieder ein, zwei Schritte vortraten und dann auch zupackten. Aktionen, gegen die den Lübeckern mit zunehmender Spieldauer immer weniger einfiel. „Wir haben viel zu viele Eins-gegen-Eins-Situationen verloren,“ bemängelte Interimstrainer Gerrit Claasen, für den es die erste Niederlage im dritten Spiel unter seiner Regie war, „das war keine spielerische Herausforderung, sondern eine kämpferische. Und die hat Dormagen besser gemeistert.“

Doch es war nicht bloß Kampf, den der Aufsteiger in die Waagschale zu werfen hatte. „Großes Kino“ waren auch die Anspiele an den eigenen Wurfkreis, die Carl Löfström (5) und Patrick Hüter zu sieben Treffern gegen die Mannschaft mit den wenigsten Gegentoren der Zweiten Liga nutzten. Das Kreisläufer-Duo ist zur Zeit lebender Beweis für Bilanovics These: „Wer hinten sicher steht, hat auch vorne Sicherheit.“

Vielleicht hatte sich die Deckung der Gäste auch allzu sehr auf ein weiteres Torfestival von Tim Wieling eingestellt. Den zuletzt 29 Mal in zwei Spielen erfolgreichen Rechtsaußen, dem diesmal nur ein Feldtor gelang, hatten die Lübecker gut im Griff. Doch dadurch entstanden Lücken, die Ian Hüter und Benjamin Richter immer wieder zu eigenen Vorstößen – oder zu Anspielen an den Kreis (siehe oben) nutzten.

Rechtshänder Hüter dürfte für den Rest der Saison seinen „Stammplatz“ im rechten Rückraum sicher haben. Denn das Experiment, ihn durch Linkshänder Nuno Rebelo zu ersetzen, beendete Bilanovic nach drei Minuten und ebenso vielen Gegentoren wieder. Da war das Spiel angesichts einer 26:16-Führung  (48.) freilich längst entschieden. Was Bilanovic freute, war, dass seine Schützlinge trotzdem konsequent weiter spielten und Lübeck die zweithöchste Saisonniederlage nach dem 17:27 in Ferndorf (2. Spieltag) beibrachten. 31 Gegentreffer hatten die Gäste überhaupt noch nicht kassiert in dieser Spielzeit.

„Wir waren konzentriert, zielstrebig und haben über 60 Minuten unsere Linie gehalten,“ zählte Bilanovic Eigenschaften auf, die die Dormagener noch nicht allzu oft in dieser Kombination gezeigt haben seit dem Zweitliga-Aufstieg. Wo diese Mannschaft in der Tabelle stehen könnte, hätte der gebürtige Serbe sie nicht erst im Januar übernommen, ist eine müßige Frage. Entscheidender ist, wo sie zum Saisonende stehen wird – ob über oder unter dem Strich, der hinter Tabellenplatz 15 die Abstiegszone markiert. „Wir müssen weiter so hart arbeiten, dann haben wir es selbst in der Hand, wo wir am Ende stehen,“ sagt Bilanovic. Es muss ja nicht in jedem Spiel „großes Kino“ sein.

Mehr von RP ONLINE