2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen schlägt TV Emsdetten

Handball : Dieser Sieg kommt zur rechten Zeit

Dormagen schlägt Emsdetten mit 35:31, doch die Konkurrenz im Zweitliga-Abstiegskampf punktet auch.

Detlev Zenk, von Haus aus eher eine rheinische Frohnatur, schlüpfte am Samstagabend in die ungewohnte Rolle des Stimmungskillers. Mitten hinein in die Euphorie über den 35:31-Erfolg (Halbzeit 22:16) des TSV Bayer Dormagen über den TV Emsdetten verkündete der Pressesprecher des Handball-Zweitligisten die Resultate aus den anderen Hallen.

Und die machten auch denjenigen unter den 1036 Zuschauern, die keine Tabelle in der Hosentasche hatten, eines deutlich: Wie wichtig dieser verdiente, am Ende aber unnötig spannende Sieg für die Hausherren war. Denn durch die überraschenden doppelten Punktgewinne von Eintracht Hagen (22:20 in Hüttenberg), HSV Hamburg (29:22 in Nettelstedt) und Wilhelmshavener HV (29:27 über den Tabellenzweiten HSC Coburg) ist die Abstiegszone enger denn je zusammengerückt – den TV Hüttenberg auf Platz zehn trennen gerade mal sechs Punkte vom Wilhelmshavener HV auf Rang 18. Wetten, welche vier Teams neben den bereits als Absteiger feststehenden Rhein Vikings am Saisonende die Liga verlassen müssen, möchte derzeit keiner abschließen.

Die Dormagener könnten diese Abstiegszone längst verlassen haben, würden sie immer so spielen wie in den ersten 40 Minuten gegen den TV Emsdetten. Das Problem: Sie spielen nicht immer so. Das noch größere Problem: Sie spielen nicht 60 Minuten so. Doch Handballspiele dauern nun einmal genau so lange.

40 Minuten lang hatten die Dormagener den Gegner und das Spiel im Griff. Die Abwehr stand leidlich gut, „was gegen den zweitbesten Angriff der Liga gar nicht so einfach ist,“ stellte Trainer Dusko Bilanovic fest. Und die Offensive nutzte die Freiräume, die ihr die Gäste ließen, weidlich aus. 22 Tore im ersten Durchgang hatten die Bayer-Handballer in dieser Saison erst einmal erzielt – beim Hinspiel in Emsdetten. Drei Fehlversuche in dreißig Minuten bedeuteten eine fast beängstigend gute Bilanz – man ahnte schon, dass es so nicht bleiben würde bis zum Schluss.

Auch Dusko Bilanovic ahnte das. Er wechselte früh, holte mal Lukas Stutzke, mal Benjamin Richter, mal Eloy Morante Maldonado aus dem Rückraum für kurze Verschnaufpausen auf die Bank. Nur einer musste durchspielen: Ian Hüter, der als Rechtshänder auf der Problemposition im rechten Rückraum die von den dort üblicherweise tätigen Linkshändern schmerzlichen vermissten Akzente und Impulse setzte. Ihm war es zu verdanken, dass der Ball flüssig lief, ihm war es zu verdanken, dass Tim Wieling auf der rechten Außenbahn nicht wie üblich versauerte, sondern genügend Anspiele kam, die er am Ende zu 15/6 Treffern nutzte. „Nebenbei“ trug Ian Hüter auch noch sein Scherflein dazu bei, dass die Deckung den Emsdettener Rückraum um Merten Krings (1 Tor) und Janko Bozovic (2) zu Beinahe-Statisten degradierte.

Schwerstarbeit für den 21-Jährigen. Und als bei ihm – verständlicherweise – die Kräfte schwanden, schwand auch der zwischenzeitlich auf stolze elf Tore (27:16, 35.) angewachsene Vorsprung. „Dass die Konzentration irgendwann nachlässt, wusste ich,“ sagte Bilanovic, „dass diese Phase so lange dauert, wusste ich nicht. Acht Minuten, zwischen Wielings Siebenmetertor zum 30:20 (43.) und dem 31. Treffer durch Lukas Stutzke (51.) blieben die Hausherren ohne Torerfolg. Und weil die Emsdettener in dieser Phase sechs Mal trafen, war beim 31:26 plötzlich Zittern angesagt.

Und Zittern bekommt den Dormagenern überhaupt nicht. Plötzlich patzten auch die zuvor so treffsicheren Tim Wieling und Joshua Reuland gegen einen sich steigernden Konstantin Madert im Gästegehäuse. Plötzlich erinnerte alles an die (schließlich mit 21:27 verlorene) Partie gegen den HSC Coburg. Nur dass der TV Emsdetten nicht dessen Klasse besaß, die Unparteiischen sich diesmal nicht auf eine Seite schlugen und Sven Bartmann diesmal mit insgesamt 15 Paraden ein mehr als sicherer Rückhalt war. „Ich hoffe, die Schwächephase ist nach den letzten drei Spielen jetzt vorbei,“ sagte der 31-Jährige.

Bartmann sprach dabei von sich, könnte aber die gesamte Truppe gemeint haben. „Dormagen war gnadenlos und hat deshalb verdient gewonnen,“ stellte Gästetrainer Daniel Kubes fest. Und nur so lässt sich der Abstiegskampf überstehen.

Dormagen: Bartmann (29. - 30. Broy); Reuland (4), Pyszora (1), Thomas, Löfström, I. Hüter (3), Köster, Richter (1), P. Hüter (3), Morante Maldonado (3), Stutzke (5), Wieling (15/6)
Emsdetten: Madert (20.-30 Ferjan); Krings (1), Terhaer (3), Kolk (1), Dräger (4), Holzner (12/3), Smits (5), Weßeling (2), Kropp (1), Bozovic (2)
Schiedsrichter: Köppl / Regner
Zuschauer: 1036
Zeitstrafen: 4:10 Minuten
Siebenmeter: 6/6:3/3

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