1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen schlägt HSV Hamburg mit 32:23

Handball : Das Bayer-Sportcenter in Festtagsstimmung

Dormagen im Handballrausch: Erst Vertragsverlängerung mit dem Hauptsponsor, dann 32:23-Sieg über den HSV Hamburg.

Wer in der Schlussphase eines Handballspiels neun Minuten und zehn Sekunden ohne Torerfolg bleibt, geht selten als Sieger vom Platz. Wie überlegen der TSV Bayer Dormagen am Sonntagabend die erste Partie nach dem Neustart der 2. Handball-Bundesliga gegen den HSV Hamburg gestaltete, zeigt die Tatsache, dass die Hausherren zwischen der 45. und 54. Minute ohne eigenen Treffer blieben – und trotzdem einen auch in der Höhe vollauf verdienten 32:23-Sieg (Halbzeit 18:11) über den bisherigen Tabellennachbarn feierten.

Dormagen im Handballrausch: 2122 Zuschauer sorgten für die zweitbeste Kulisse dieser Saison. Sie freuten sich schon vor dem Anpfiff, als Christoph Buchbender, Vorstandsmitglied der RheinLand Versicherungen, übers Hallenmikrofon kundtat, dass der Hauptsponsor seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat – und im Erfolgsfall sogar noch ein Schüppchen auf die nicht genannte Summe drauflegen will.

Dormagen im Handballrausch: Spielen die Schützlinge von Dusko Bilanovic weiter so wie über weite Strecken der gestrigen Partie, wird Buchbender wohl dem Tresorraum der Versicherungszentrale am Neusser RheinLandplatz noch einen Besuch abstatten müssen. Denn die letzte Viertelstunde vor der Pause, als sich die Hausherren von 7:7 auf den 18:11-Halbzeitstand absetzten, war vielleicht das Beste, was eine Dormagener Handballmannschaft seit der Ära Kai Wandschneider abgeliefert hat.

Bis dahin war die Begegnung genau so verlaufen, wie von Bilanovic erwartet: als ein „Duell auf Augenhöhe.“ Beide Teams gingen hohes Tempo, beide Teams machten anfangs erstaunlich wenig Fehler, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es für beide das erste Punktspiel nach fünfwöchiger EM-Pause war.

Schon da war klar: Wer den anderen zu mehr Fehlern zwingen würde, würde als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervorgehen. Es war die Dormagener Deckung, der dies gelang. Und es war kein Zufall, dass sich diese Entwicklung anbahnte, als sie erstmals seit Anfang Oktober wieder in „Bestbesetzung“ auf der Platte stand. Denn nach 20 Minuten schickte Bilanovic Ian Hüter zum ersten Einsatz nach seiner Finger-OP aufs Feld – und gegen den Block, den der 22-Jährige neben seinem älteren Bruder Patrick und einem (weil offensichtlich mal beschwerdefrei) ganz starken Heider Thomas bildete, fiel den Hamburger nicht mehr allzu viel Kreatives ein. Den Rest erledigte Sven Bartmann, der mit jeder seiner am Ende 13 Paraden gewichtige Argumente für seine laufenden Vertragsverhandlungen auf seine Seite brachte.

Die Folge: Bayer zog von 8:8 auf 18:11 weg und gab diesen Vorsprung nicht mehr her, selbst als sich im zweiten Durchgang leichte Konzentrationsmängel einschlichen. „Weil bei uns die nötige Grundaggressivität fehlte,“ wie Torsten Jansen feststellte. Der 2007-er-Weltmeister auf der Hamburger Bank wirkte sichtlich konsterniert, denn „so etwas wie heute habe ich lange nicht mehr erlebt.“ Freilich fielen ihm auch nicht allzu viele taktische Mittel ein, um den Dormagenern beizukommen. Und spätestens, als sich Sven Bartmann auf die anfangs stärkste Hamburger Waffe, die Würfe von Rechtsaußen Thies Bergemann, eingestellt hatte, war die Messe gelesen.

„Die Abwehr im Verbund mit einem starken Torhüter“ hatte Dusko Bilanovic denn auch schnell als Sieggaranten ausgemacht. „Und dank des Comebacks von Ian Hüter hatten wir auch mehr Alternativen.“ Da fiel kaum ins Gewicht, dass die Dormagener nach dem Ausfall von André Meuser (Bänderverletzung am Sprunggelenk) und dem Verkauf von Nuno Rebelo ohne Linkshänder im rechten Rückraum aufliefen. Hat sich der hinten stark, vorne unglücklich agierende Julian Köster erst an diese ungewohnte Position gewöhnt und Ian Hüter sich besser eingespielt, dürfte vom Dormagener Angriff noch mehr zu erwarten sein.

Bilanovic schickte jedenfalls schon mal eine Kampfansage Richtung ThSV Eisenach, bei dem der TSV Bayer am Samstag (19.30 Uhr) gastiert: „Um uns zu schlagen, müssen die auf jeden Fall besser spielen als wir.“ Was gemessen am gestrigen Handballrausch sicher nicht einfach sein dürfte.