2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen schlägt DJK Rimpar mit 28:16

Handball : TSV Bayer Dormagen hat Ziel dicht vor Augen

Nach dem 28:16 (Halbzeit 13:8) über die DJK Rimpar Wölfe, dem von der Tordifferenz her höchsten Sieg des TSV Bayer in der gesamten Saison, bestehen nur noch rechnerische Zweifel am Verbleib des Aufsteigers in der Zweiten Handball-Bundesliga. Hätten die Dormagener immer so diszipliniert und konzentriert gespielt wie am Freitagabend vor 1249 restlos begeisterten Zuschauern, wären sie schon lange beseitigt.

Vielleicht sollte Dusko Bilanovic öfter Erdbeeren pflücken gehen. Die Wartezeit auf das vielleicht entscheidende Saisonspiel gegen die DJK Rimpar Wölfe verbrachte der Trainer des TSV Bayer Dormagen nämlich in einem Erdbeerfeld bei Delhoven. Einen Teil seiner Beute ließ er sich selbst schmecken, den Rest verteilte er unter den Bewohnern des Sportinternats in Knechtsteden, in dem er übergangsweise wohnt.

Noch besser als die selbst gepflückten Beeren schmeckte dem 47-Jährigen allerdings der Auftritt seiner Handballer am Freitagabend. „Das war großes Tennis“, stellte der gebürtige Serbe mit breitem Grinsen fest. Am 28:16 (Halbzeit 13:8) gegen den Tabellenneunten, dem von der Tordifferenz höchsten Sieg der bisherigen Saison, hatte Bilanovic nur eines auszusetzen: „Dass wir es nicht schaffen, immer so konzentriert und diszipliniert zu spielen wie heute.“

Gelänge das seinen Schützlingen, wäre der rein rechnerisch immer noch leicht gefährdete Klassenerhalt längst in trockenen Tüchern. Sicher, die Gäste, genervt von der Anreise durch die für NRW-Bewohner alltägliche Staulandschaft rund um Köln, wirkten alles andere als furchteinflößend. „Wir waren nicht präsent, eigentlich gar nicht existent,“ sagte der scheidende Trainer Matthias Obinger über das Rimparer Schaulaufen vor den Augen seines Nachfolgers Ceven Klatt, der das Spiel gemeinsam mit dem gerade als Manager des ThSV Eisenach in die Zweite Liga aufgestiegenen Rene Witte von der Tribüne aus verfolgte. Nur um gleich anzufügen: „Das soll auf keinen Fall die Leistung der Dormagener schmälern.“

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Schließlich spielt man bekanntlich immer nur so gut wie es der Gegner zulässt. Und die Hausherren ließen in einer endlich mal wieder kompromisslos zupackenden Deckung sehr wenig zu. Das war sicher ein Verdienst des nach seiner Leistenoperation in den Kader zurückgekehrten Heider Thomas. Das war aber auch ein Verdienst des mit seinen gerade mal 19 Jahren in Angriff und Abwehr erstaunlich abgeklärten Julian Köster, dessen Auftritt die Frage, warum Lukas Stutzke nicht dabei war, erst gar nicht aufkommen ließ. Um sie zu beantworten: Der Junioren-Nationalspieler hatte sich im Training einen Muskelfaserriss zugezogen, für Bilanovic ein Indiz, „wie hart wir in dieser Woche die Deckung trainiert haben.“

Und wenn die stimmt, das wird der 47-Jährige seit seinem Amtsantritt Mitte Januar nicht müde zu predigen, dann stimmt auch vieles andere. Die Torhüterleistung des mit 16 Paraden glänzenden Sven Bartmann zum Beispiel. Und die Sicherheit im Angriffsspiel, wo sich die Dormagener ähnlich wie fünf Tage zuvor beim 36:29 in Dessau erstaunlich wenig Fehlwürfe und kaum technische Fehler leisteten. Ganz im Gegensatz zur DJK Rimpar, für die Matthias Obinger mit feiner Ironie konstatierte: „Das waren die einzigen Werte, bei denen wir heute Spitze waren.“

Selbst als der Gästetrainer auf eine offensive 4:2-Abwehr und zeitweise auf eine Ganzfeld-Manndeckung umstellte, blieben die Dormagener ruhig – was ihnen angesichts eines bis dahin schon herausgeworfenen Neun-Tore-Vorsprungs (17:8, 38.) auch vergleichsweise leicht fiel. Von einem „Endspiel“-Charakter war da nur noch wenig zu spüren, die 1249 Zuschauer, die ihre Handballer schon mit „standing ovations“ in die Halbzeitpause verabschiedet hatten, längst in Schunkelstimmung. Trotzdem blieben die Dormagener gnadenlos, auch als Bilanovic ein bisschen durchwechselte und sowohl Nuno Rebelo als auch dem zuletzt kaum noch berücksichtigten Lars Jagieniak die Gelegenheit gab, sich je zwei Mal in die Torschützenliste einzutragen.

Dass Lars Jagieniak, fünf Tage zuvor dank seines Zweitspielrechts mit der HSG Krefeld in die Zweite Liga aufgestiegen, den letzten Treffer mit einem kunstvollen Dreher erzielte, passte ins Bild eines Abends, an dem auf Dormagener Seite (fast) alles gelang. Zufrieden ist Dusko Bilanovic aber keineswegs: „Wir geben weiter Gas, auch im Training. Wir wollen noch so viele Punkte holen wie möglich,“ sagt der Trainer. Auf den, wenn die Mission Klassenerhalt erfüllt ist, eine weitere wartet: Endlich in Dormagen oder der näheren Umgebung eine Wohnung für sich und seine noch in Aurich lebende Frau zu finden. „Drei Zimmer und ein kleiner Garten“ stehen auf seiner Wunschliste. In dem kann er dann ja ein paar Erdbeeren pflanzen – für möglichst viele Spiele wie das von Freitagabend in der kommenden (Zweitliga-)Saison.

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