2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen HC Rhein Vikings

Handball: Existenzkampf geht in entscheidende Runde

Mit dem zweiten Spieltag der Rückrunde nimmt die Zweite Handball-Bundesliga nach der WM-Pause an diesem Wochenende wieder Fahrt auf. Die Hälfte der 20 Klubs kämpft dabei gegen den Abstieg, mitten drin der TSV Bayer Dormagen, der am Samstag um 19.30 Uhr mit einem Heimspiel gegen Mitkonkurrent EHV Aue startet.

Die Weltmeisterschaft, die in Deutschland neue Handball-Begeisterung entfachte, ist nicht spurlos an der Zweiten Bundesliga vorbei gegangen. Zumindest nicht an Tabellenführer HBW Balingen-Weilstetten, denn der muss im Kampf um den Wiederaufstieg in die „stärkste Liga der Welt“ bis zum Saisonende auf seinen Spielmacher Martin Strobel verzichten. Der 32-Jährige zog sich im Hauptrundenspiel gegen Kroatien einen Riss des Innen- und Kreuzbandes im linken Knie zu und fällt bis zu acht Monate aus.

„Wir sondieren den Markt“, sagt sein älterer Bruder Wolfgang Strobel, beim Spitzenreiter fürs Management zuständig, mit Blick auf einen möglichen Ersatz. Den zu verpflichten, hätten die „Gallier von der Alb“ noch eine Woche Zeit, denn am 15. Februar schließt der Transfermarkt im Handball seine Pforten.

Auf dem es während der siebenwöchigen Pause – die letzten Meisterschaftsspiele standen am Zweiten Weihnachtstag auf dem Programm – vergleichsweise ruhig blieb. Etliche Klubs nahmen zwar schon Weichenstellungen für die neue Saison vor – VfL Lübeck-Schwartau (Piotr Przybecki für Torge Grewe) und TuS N-Lübbecke (der bisher beim TV Hüttenberg tätige Emir Kurtagic für Aaron Ziercke) präsentierten ihre künftigen Trainer, andere (Dessau-Roßlauer HV mit Uwe Jungandreas, TuS Ferndorf mit Michael Lerscht) einigten sich mit ihren bisherigen Übungsleitern auf eine weitere Zusammenarbeit.

Doch die ansonsten oft hektische Betriebsamkeit gerade der abstiegsgefährdeten Klubs in Sachen Nachverpflichtungen blieb weitgehend aus. Einzige Ausnahmen: Der HC Elbflorenz verpflichtete drei Tage vor seinem ersten Spiel (am Samstag beim VfL Eintracht Hagen) den 2,07 Meter großen tschechischen Nationalspieler Michal Kasal vom slowakischen Champions League-Teilnehmer Tatran Presov für den linken Rückraum. Der HSV Hamburg reaktivierte wie schon mal in der Hinrunde Ex-Nationalspieler Stefan Schröder (37, der Rechtsaußen Thies Bergemann vertreten soll, solange der an einem Bänderriss laboriert. Und der Wilhelmshavener HV lotste Miladin Kozlina, bislang Abwehrchef des in finanzielle Schieflage geratenen Schlusslichts HC Rhein Vikings (verlor außerdem Torhüter Vladimir Bozic an die HBW Balingen-Weilstetten und Linkshänder Srjan Predragovic an den Schweizer Erstligisten HC Luzern), in die Nordfrost-Arena. Ansonsten ergänzten nur noch der VfL Lübeck-Schwartau (Jonas Oftsen vom Drittligisten TSV Altenholz) und der Tabellenzweite HSC Coburg (Patrick Weber vom Erstliga-Neuling SG BBM Bietigheim) ihren Kader für die anstehenden 18 Spiele bis zum „Finale“ am 8. Juni.

Die relative Ruhe dürfte ein Indiz dafür sein, dass die meisten Klubs in der Liga „wirtschaftlich auf knapper Naht nähen“, sagt Björn Barthel, Geschäftsführer der TSV Bayer Dormagen Handball GmbH. Seinen eigenen Verein nimmt er von dieser Beurteilung nicht aus. Weil der Neuling sich entschloss, den eigentlich erst zum Saisonende geplanten Wechsel auf der Trainerbank (Dusko Bilanovic für Ulli Kriebel) um ein halbes Jahr vorzuziehen, fehlt das Geld für eine Spielerverpflichtung. Daran ändert auch die Schulter-Operation von Junioren-Nationaltorhüter Janis Boieck nichts, der mindestens bis Mai ausfällt.

„Wir haben keinen Gesellschafter, der mal eben ein paar Euro nachschießt,“ sagt Barthel mit Blick auf die Konstellation, dass der Gesamtverein TSV Bayer Dormagen alleiniger Gesellschafter der Handball GmbH ist. Und Schulden, versichert Barthel, dürfen am Höhenberg keine gemacht werden – da ist der TSV aus der Ära seines früheren  Hauptgeschäftsführers (und gleichzeitigen Handballmanagers) Uli Derad ein gebranntes Kind.

Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass viele Klubs sich das Abenteuer „stärkste Zweite Liga der Welt“ nur auf Pump leisten können. Nicht zuletzt mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit hat die Handball-Bundesliga (HBL) deshalb beschlossen, das Unterhaus von 20 auf 18 Klubs zu verschlanken. Weil es künftig nur noch zwei direkte Absteiger gibt (der Drittletzte spielt eine Relegation mit den Drittliga-Meistern), soll, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, verhindert werden, dass die Hälfte der Liga bis zum letzten Spieltag in den Abstiegskampf verstrickt ist.

Genau das ist freilich in der laufenden Spielzeit der Fall, in der am Ende auch der Tabellensechzehnte noch in die Dritte Liga muss. „Alle Teams ab Platz zehn sind direkte Konkurrenten,“ sagt deshalb Dormagens neuer Trainer Dusko Bilanovic über eine Liga, „in der abgesehen von den beiden Erstplatzierten Balingen und Coburg jeder jeden schlagen“ könne. In der Tat trennen die Dormagener auf Rang 17 gerade mal fünf Punkte vom TV Hüttenberg auf Platz neun. Und zwischen den zehntplatzierten Wölfen der DJK Rimpar und dem Tabellenvorletzten Wilhelmshavener HV liegen auch nur sieben Zähler Differenz.

Bilanovic möchte daher „so früh wie möglich die nötigen Punkte holen“, weiß aber auch, dass der Existenzkampf durchaus bis zum letzten Spieltag dauern kann. Dann gastieren die Rhein Vikings im Bayer-Sportcenter, die nach der schlechtesten Hinrunde, die jemals ein Klub seit Einführung der eingleisigen 2. Liga gespielt hat (3 Punkte), schon frühzeitig Planungssicherheit haben – zumindest, was die künftige Ligenzugehörigkeit angeht.

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