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2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen gegen VfL Gummersbach 22:28

Handball : Dieses Handball-Derby macht Lust auf mehr

Die beste Kulisse seit neun Jahren, dazu grandiose Stimmung – beim Mittelrhein-Derby der 2. Handball-Bundesliga zwischen TSV Bayer Dormagen und dem VfL Gummersbach störte aus Sicht der Gastgeber eigentlich nur das Endergebnis von 22:28.

Beim TSV Bayer haben sie lange auf diesen Tag warten müssen. Acht Jahre und fünf Monate, um genau zu sein. Am 27. Mai 2011 sahen 2487 Zuschauer das vorerst letzte Meisterschaftsspiel einer Dormagener Handballmannschaft in der Ersten Liga, das mit einem überraschenden 32:27-Sieg des schon längst als (Zwangs-)Absteiger feststehenden DHC Rheinland über den SC Magdeburg endete.

Seither haben nie wieder so viele Zuschauer das Sportcenter am Höhenberg besucht, zumindest nicht bei einem Handballspiel. Bis zum Donnerstagabend. Da sorgten 2419 Fans für eine erstliga-reife Kulisse – paradox genug: Sie sahen das erste von bisher 29 Mittelrhein-Derbys mit dem VfL Gummersbach, das in der Zweiten Liga ausgetragen wurde.

Das Rückspiel am 29. März könnte gleichzeitig das letzte sein. Denn die Gäste hinterließen sechzig Minuten lang nicht den Eindruck, als ob sie sich nach ihrem holprigen Saisonstart noch von ihrem Weg zurück in die Erstklassigkeit abbringen ließen. „Wir haben sicher in der ersten Halbzeit nicht unseren besten Handball gespielt. Aber man muss einfach anerkennen: Gummersbach war ganz klar besser,“ fasste Bayer-Kapitän Patrick Hüter das Geschehen in klaren Worten zusammen. Und Handball-Geschäftsführer Björn Barthel befand: „Wir sind noch nicht so weit, mit so einer erfahrenen Truppe mithalten zu können.“

Was für einen Klub, der in der Vorsaison erst spät den Ligaverbleib sicherstellte und in Lukas Stutzke und Tim Wieling seine Haupt-Torschützen verlor, auch vermessen wäre. „Aber die Kulisse, die Stimmung in der Halle und auch das Spiel haben gezeigt, dass Dormagen auf dem richtigen Weg ist,“ stellte VfL-Trainer Torge Greve in ehrlich gemeinter Anerkennung fest. In der Tat: Aus dem wegen seiner bescheidenen Mittel oftmals eher belächelten Underdog ist eine Mannschaft geworden, die sich Respekt verschafft hat.

Wie groß der inzwischen ist, machte Christoph Schindler deutlich: „Für uns war das ein richtungweisendes Spiel,“ sagte der Gummersbacher Sportdirektor, der dreieinhalb Jahre in Dormagen gespielt hat und angesichts des souveränen Auftritts sichtlich erleichtert wirkte: „Ich habe viele alte Bekannte wieder getrofffen, wir haben zwei Punkte geholt – für mich war das ein perfekter Abend.“

Den die Dormagener nur phasenweise störten, als sie mit einem 6:1-Lauf von 13:22 (45.) auf 19:23 (52.) die scheinbar schon entschiedene Partie fast noch zum Kippen gebracht hätten. „Ein Tor näher, und es wäre noch mal richtig spannend geworden,“ sagte Dusko Bilanovic. Und auch Walter Haase, die graue Eminenz im sportlichen Kompetenzteam, gestand: „Für einen Moment habe ich gedacht, wir können noch ein Unentschieden schaffen.“

Doch für solche Kraftakte sind Gegner wie der VfL Gummersbach einfach zu clever. Bei ihnen können Spieler wie der aus Wetzlar gekommene Alexander Hermann (9 Tore) und der schon 34 Jahre alte Janko Bozovic (5) eine Partie ganz alleine entscheiden. Dormagen kann nur übers Kollektiv kommen, und wenn aus dem vier Mann verletzt hinter der Bank sitzen, wird’s eng: „Wir hatten doch kaum Alternativen zum Wechseln,“ sagte Bilanovic. Vor allem Ian Hüter fehlte an allen Ecken. Denn ein Abwehrbollwerk wie das des VfL kann man nur aushebeln, wenn man dahin geht, wo es wehtut. Das tat aus dem Dormagener Rückraum an diesem Abend aber nur Eloy Morante Maldonado. „Die anderen sind auch nicht die Spielertypen dafür,“ sagt Bilanovic.

„Am Anfang hatten wir einfach zu viel Respekt,“ stellte Patrick Hüter fest. Ob vor dem Gegner oder vor der Kulisse, ließ der Mannschaftskapitän offen: „Von uns hat jedenfalls noch keiner zuhause vor so einer Kulisse gespielt.“ Was nicht ist, kann ja noch werden. Das Derby weckte jedenfalls Lust auf mehr. Vielleicht lassen sich die 2419 Zuschauer ja am 13. Dezember noch toppen. Dann kommt TuSEM Essen zum anderen „Handball-Klassiker“ ins Sportcenter. Bilanovic weiß, dass seine Jungs viel dazu beitragen können: „Bis dahin müssen wir so viele Punkte holen wie möglich,“ sagt der Trainer.