2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen gastiert bei der HSG Krefeld

Handball : „Die Freundschaft ruht für sechzig Minuten“

Ohne den am Mittwoch an einem Sehnenabriss am Finger operierten Ian Hüter muss Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen am Freitag im Nachbarschaftsduell bei der noch punktlosen HSG Krefeld auskommen. „Wir wollen nicht die ersten sein, gegen den die gewinnen,“ sagt Trainer Dusko Bilanovic vor der Partie bei seinem Ex-Klub.

Als der TSV Bayer Dormagen und die HSG Krefeld zuletzt am 7. Februar 2018 in einem Punktspiel aufeinander trafen, saß Dusko Bilanovic auf der Trainerbank der Krefelder. Am Freitagabend, wenn sich die beiden Teams erstmals zu einem Duell in der Zweiten Handball-Bundesliga gegenüberstehen (20 Uhr, Glockenspitzhalle), sitzt der 48-Jährige auf der anderen Seite.

Bilanovic hat damit kein Problem. „Natürlich kenne ich die meisten Spieler, denn der Kern der Mannschaft ist noch der, den ich damals trainiert habe,“ sagt der gebürtige Serbe. Natürlich sei er auch Vorstand und Management der Krefelder immer noch freundschaftlich verbunden. Doch „die Freundschaft ruht für sechzig Minuten“, stellt er kategorisch klar, „für mich spielt das am Freitag keine Rolle.“ In Emsdetten, sagt er, sei das vor anderthalb Wochen ähnlich gewesen, „da war ich vier Jahre lang, bin vor dem Anpfiff freundlich empfangen worden – und wir haben trotzdem gewonnen.“

Bilanovic hätte nichts dagegen, wenn das am Freitag genau so abliefe. Denn: „Wir wollen nicht die ersten sein, gegen den die gewinnen,“ sagt er mit Blick auf den Aufsteiger, der nach sieben Spieltagen in der neuen Umgebung noch auf die ersten Punkte wartet. „Aber die waren schon öfter nah dran, vor allem zu Hause,“ warnt er davor, die Krefelder auf die leichte Schulter zu nehmen, „deren Abwehr ist richtig gut.“ 183 Gegentore, drei weniger als die Dormagener bislang kassiert haben, verleihen dem Neuling durchaus das Prädikat „konkurrenzfähig“.

Vorne hapert es dagegen beim Team von Trainer Stefan Arnar Gunnarsson, wie 144 erzielte Treffer – der mit Abstand niedrigste Wert aller Zweitligisten, Bayer hat genau 60 mehr auf seinem Konto – eindeutig belegen. Der 37 Jahre alte Isländer übernahm die HSG nach dem überraschenden Rücktritt von Aufstiegscoach Ronny Rogawska erst kurz vor Saisonbeginn, vielleicht auch ein Grund, warum Bilanovic sagt: „Die finden jetzt langsam zu ihrem Spiel.“

Mit kurzfristigen Trainerwechseln haben die Schwarz-Gelben Erfahrung. Zumindest in jüngster Zeit. Fast ein Jahrzehnt war Olaf Mast in Krefeld eine Institution, trainierte Adler Königshof, Bayer Uerdingen und nach deren Zusammengehen zur Handball-Spielgemeinschaft dann auch die HSG. Bis die im Herbst 2017 die Verpflichtung des da noch beim TV Korschenbroich unter Vertrag stehenden Ronny Rogawska zur Spielzeit 2018/19 bekannt gab – und Mast aus Verärgerung die Brocken hinwarf. Der damals auf ein Engagement wartende Dusko Bilanovic sprang in die Bresche, wohlwissend, dass sein Engagement nur befristet war, und machte aus Krefeld das beste Rückrundenteam der 3. Liga West.

Dazu trug auch das 30:30-Unentschieden am 7. Februar 2018 in Dormagen bei. „Da haben wir sogar lange geführt und am Ende noch den Ausgleich kassiert,“ erinnert sich Bilanovic. Ähnliches möchte er am Freitagabend vermeiden: „Wir sind der Favorit und wir nehmen diese Rolle auch an. Aber um zu gewinnen, müssen wir Krefeld ordentlich unter Druck setzen,“ sagt er. Dass das ohne den allround verwendbaren Ian Hüter, der sich im Spiel gegen Coburg einen Sehnanabriss am Ringfinger der rechten Hand zuzog und am Mittwoch operiert wurde, nicht einfacher wird, weiß er. „Jetzt müssen die anderen ein bisschen mehr Gas geben,“ lautet seine Forderung, „wir spielen auch für Ian.“ Für Freundschaften ist da wirklich kein Platz – zumindest sechzig Minuten lang.