2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen besiegt Rhein Vikings

Handball : Dormagen macht es gnädig mit den Vikings

Mit einem starken Schlussspurt und vier Spielen ohne Niederlage in Serie hat sich Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen in seiner Aufstiegssaison noch den 13. Tabellenplatz gesichert. Beim Saisonfinle sahen 1335 Zuschauer einen locker herausgespielten 36:28-Sieg (Halbzeit 20:13) über tapfer sich wehrende, letztlich aber überforderte Rhein Vikings.

Am Ende einer strapazenreichen Saison waren alle zufrieden: Der TSV Bayer Dormagen, weil er mit dem 36:28-Sieg (Halbzeit 20:13) über Tabellenschlusslicht HC Rhein Vikings das vierte Spiel in Folge ohne Niederlage beendete und damit in der Abschlusstabelle der Zweiten Handball-Bundesliga noch auf den 13. Tabellenplatz kletterte. Björn Barthel, weil die 1335 Zuschauer mehr waren, als der Handball-Geschäftsführer des Aufsteigers angesichts des Pfingstfestes und der sportlichen Bedeutungslosigkeit der Partie erwartet hatte. Die Zuschauer, weil sie zwar wenig Spannung und kaum Kampf, dafür aber einiges an Unterhaltung (und nach dem Schlusspfiff Freibier) geboten ekamen. Und die mal wieder nur mit acht Feldspielern angetretenen Vikings, weil sie nicht so unter die Räder kamen, wie sie es vielleicht befürchtet hatten.

Dass das Endergebnis mit acht Treffern Differenz moderat ausfiel, hatten die Gäste zwei Faktoren zu verdanken: Zum einen dem nie erlahmenden eigenen Kampfgeist, vor dem ihr Trainer Jörg Bohrmann einmal mehr verbal seinen Hut zog: „Andere Teams in unserer Situation hätten sich aufgegeben.“ Zum anderen dem TV Emsdetten, der einen anfänglichen Drei-Tore-Rückstand gegen den HC Elbflorenz in einen 37:28-Sieg umwandelte, der die Dormagener auch ohne eigene Torejagd in der Tabelle noch an den Dresdnern vorbeiziehen ließ und Dusko Bilanovic nach 40 Minuten veranlasste, seine Marschroute zu ändern.

Bis dahin hatte der Taktikfuchs auf der Bayer-Bank nämlich das Ziel verfolgt, die punktgleichen Dresdner durch einen möglichst hohen Sieg im um zehn Treffer besseren Torverhältnis zu überflügeln. Was angesichts eines 27:16-Zwischenstandes – Heider Thomas hatte gerade zum wiederholten Male ins verwaiste Tor seiner früheren Teamkollegen getroffen – durchaus möglich schien. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte Bilanovic Freund und Feind damit überrascht, vom ersten Angriff an auf den siebten Feldspieler zu setzen, um so die bewährte Taktik seines Kollegen, der gerne mit einer 3:3-Deckung operieren lässt, auszuhebeln. „Ich wollte nicht, dass sich meine Jungs im letzten Saisonspiel die Lunge aus dem Leib laufen müssen und sich dabei womöglich noch einer verletzt,“ erklärte der 48-Jährige mit verschmitztem Lächeln, warum er eine Spielart ausgewählt hatte, „die mir eigentlich gar nicht gefällt.“

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Als im Verlaufe der zweiten Halbzeit die Zwischenstände aus Emsdetten an sein Ohr drangen, änderte Bilanovic Marschroute und Ziel. Das neue lautete jetzt: „Möglichst allen Spielanteile geben.“ Was Jörg Bohrmann zwangsweise schon nach zehn Minuten umsetzen musste, löste sein Kollege spätestens mit der Einwechslung von Lars Jagieniak sieben Minuten vor dem Schlusspfiff ein. Und weil der nach Leichlingen abwandernde Kreisläufer ebenso traf wie Nuno Rebelo und Nachwuchs-Linksaußen Nick Braun, standen am Ende alle Namen (bis auf Torhüter Sven Bartmann) in der Torschützenliste verzeichnet.

Zwei Mal sogar der des nach 19 Minuten zwischen die Pfosten gerückten von Matthias Broy, der ausgerechnet gegen seine künftigen Teamkollegen sein bestes Saisonspiel (11 Paraden) machte. „Das hat echt Spaß gemacht,“ bekannte der 27-Jährige, der noch nicht so recht weiß, was ihn bei den Vikings erwartet: „Ich wollte einfach mehr Spielzeit haben,“ sagt er über die Beweggründe für seinen Wechsel, „ob ich nächste Saison die Nummer eins bin, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass noch ein weiterer Torhüter kommen soll. Und“, fügt er noch kurzer Pause hinzu, „hoffentlich auch noch ein paar Spieler.“

Diese Hoffnung teilt er mit seinem künftigen Trainer. „Wir werden schon noch ein paar Spieler finden,“ sagt Jörg Bohrmann, „und wenn nicht, spiele ich eben mit den Jugendlichen.“ Was vielleicht nicht das Schlechteste wäre nach dem bösen Absturz der hochfliegenden Vikings-Pläne: „Ich hoffe, dass die gelernt haben und nicht wieder zu schnell zu viel wollen, sondern bescheiden bleiben,“ sagt der nach Luxemburg wechselnde Torhüter und Publikumsliebling Mikkel Moldrup mit Bick auf die Vikings-“Macher“, von denen bis auf Geschäftsführer Daniel Pankofer niemand gekommen war, um das vorerst letzte Zweitliga-Spiel der kurzen Vereinsgeschichte mit zu erleben.

Den Dormagenern, die vor zwei Jahren die großen Verlierer im heimischen Handball-Verteilungskampf schienen, sind solche Sorgen fremd. „Dass wir schon vor dem letzten Saisonspiel den neuen Kader komplett haben, macht mich schon ein bisschen stolz,“ bekannte Björn Barthel. Einen Kader, von dem Dusko Bilanovic überzeugt ist, „dass wir damit eine noch bessere Rolle spielen werden als in dieser Saison.“ Was fast schon vermessen klingt. „Wenn mir vor dem Saisonstart einer versprochen hätte, dass wir 13. werden, hätte ich sofort eingeschlagen,“ gab Mittelmann Benjamin Richter zu. Pascal Noll jedenfalls, dessen Rückkehr „von den Fans auf Facebook frenetisch gefeiert wurde“ (Björn Barthel), ist überzeugt: „Mit diesem Team können wir eine Menge erreichen.“ Am 8. Jui geht es mit dem ersten Training wieder los.

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