2. Handball-Bundesliga TSV Bayer Dormagen besiegt EHV Aue mit 35:25

Handball : Bayer stürmt mit Endspurt an Tabellenspitze

Vierzig Minuten war es, was man ein Spiel auf Augenhöhe nennt. Dann spielte sich der TSV Bayer Dormagen in einen Rausch und mit dem 35:25-Sieg (Halbzeit 14:14) über den EHV Aue erstmals seit dem 3. Mai 2008 an die Tabellenspitze der 2. Handball-Bundesliga.

Sicher, nach dem ersten Spieltag besitzt eine Tabelle wenig Aussagekraft, ist nicht mehr als eine kurze Momentaufnahme. Doch die darf der TSV Bayer Dormagen genießen – schließlich ist es mehr als elf Jahre her, als er zum letzten Mal die Tabellenspitze der 2. Handball-Bundesliga zierte.

Das war am 3. Mai 2008, dem letzten Spieltag der Saison 2007/08, die den Dormagenern den Aufstieg in die Handball-Bundesliga bescherte. Jetzt stehen sie wieder da oben, und auch wenn die Saison 2019/20 erst einen Spieltag alt ist, haben sie mit dem 35:25 (Halbzeit 14:14) über den EHV Aue und der Art und Weise, wie sie diesen Sieg mit einem fulminanten Schlussspurt herausspielten, ein Ausrufezeichen gesetzt.

Mehr aber auch nicht. Das weiß auch Dusko Bilanovic. „Wir stehen an der Spitze, bleiben aber auf dem Boden,“ sagte der Dormagener Trainer nach einem Saisonauftakt, wie ihn die Bayer-Handballer lange nicht mehr aufs Parkett des mit 1052 Zuschauern nur mäßig gefüllten Sportcenters hingelegt hatten. Damit schätzt Bilanovic die Lage realistisch ein. Denn auch ihm dürfte nicht verborgen geblieben sein, dass seine Schützlinge keineswegs sechzig Minuten lang souverän auftraten, sondern bestenfalls eine Halbzeit lang. Und nicht jeder Gegner wird ihnen den Gefallen tun, am Ende „völlig auseinander zu brechen“, wie EHV-Trainer Stephan Swat die Tatsache kommentierte, dass die Gäste in den letzten zwanzig Spielminuten fast genau so viele Gegentreffer kassierten wie in den voraufgegangenen vierzig.

In denen der Erzgebirgische Handballverein sogar leichte Vorteile besaß. Zum einen, weil die Hausherren ihre eigene Abwehr, eigentlich das Herzstück in Bilanovic’ Handballphilosophie, nicht dicht bekamen gegen die flinken und kombinationsfreudigen Gäste. Zum anderen, weil ihnen deren Deckungsvariante, in Ante Grbavac den Dormagener Rückraumschützen Nummer eins der Vorbereitungsspiele an die kurze Leine zu nehmen, mehr Probleme bereitete als ihnen lieb war. Bilanovic reagierte, schickte schon nach 13 Minuten den vor dem Anpfiff für seine Silbermedaille bei der Junioren-WM geehrten Julian Köster aufs Parkett. Und auch wenn der 19-Jährige bei seinen eigenen, oftmals nicht aus zwingenden Situationen abgeschlossenen Wurfversuchen eher glücklos blieb, beschäftigte er die Auer Defensive doch so sehr, dass seine Nebenleute plötzlich mehr Platz und mehr Freiheiten hatten.

Und auch in die eigenen Verteidigungsreihen brachte der zum „besten Abwehrspieler der WM“ Gewählte deutlich mehr Stabilität. Trotzdem blieb es in einer temporeichen und mit Blick auf den frühen Saisonzeitpunkt durchaus niveauvollen und erstaunlich fehlerarmen Partie eng. „Zur Pause wäre ich schon froh gewesen, wenn wir das Ding nicht verloren hätten,“ gab Björn Barthel zu.

Mit zunehmender Spieldauer stellte Bayers Handball-Geschäftsführer dann fest, „dass Aue immer höheren Aufwand betreiben musste, um zum Erfolg zu kommen.“ Und so etwas kostet Kraft – Kraft, die den Gästen in der sauna-artigen Atmosphäre in der Schlussphase fehlte. „Ich habe schon vorher gesagt, dass solche Spiele erst in der letzten Viertelstunde entschieden werden,“ sagte Bilanovic, wunderte sich dann aber doch ein bisschen, wie leicht dieses Vorhaben seinen Schützlingen am Ende fiel, die die letzten 16 Spielminuten mit 15:7 (!) für sich entschieden. „Das war um ein paar Tore zu hoch,“ bekannte der Dormagener Trainer.

Genau jene Tore aber bescherten dem TSV Bayer Dormagen die erste Tabellenführung der noch jungen Saison. Was nicht nur dran lag, „dass in den letzten 20 Minuten unsere Abwehr quasi nicht mehr vorhanden war“, wie Aues Manager Rüdiger Jurke konstatierte. Sondern auch daran, dass das am vergangenen Pokalwochenende wenig überzeugende Torhüterduo Sven Bartmann (8 Paraden) und Janis Boieck (3 Paraden in sieben Minuten) eine deutliche Leistungssteigerung erkennen ließ. Ebenso wie Joshua Reuland, der mit sieben Toren aus sieben Versuchen seine bisher beste Vorstellung im Bayer-Trikot gab. Und was Carl Löfström am Kreis zaubert, ist schon eines Spitzenteams würdig – und das nicht nur nach dem ersten Spieltag.

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