2. Handball-Bundesliga Trainerwechsel beim TSV Bayer Dormagen

Handball : Bilanovic übernimmt das Kommando

Der TSV Bayer Dormagen hat am Donnerstagabend seinen Trainer Ulli Kriebel beurlaubt. Der ohnehin als Nachfolger vorgesehene Dusko Bilanovic tritt seine Stelle beim Handball-Zweitligisten ein halbes Jahr früher als geplant an.

Eigentlich wollte sich Björn Barthel am Donnerstagabend in Ruhe das Eröffnungsspiel der Handball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Korea ansehen. Stattdessen bestellte der Geschäftsführer der TSV Bayer Dormagen Handball GmbH die Spieler des abstiegsgefährdeten Zweitligisten zum Gespräch.

Die hatten planmäßig noch bis Montag Urlaub. Doch wenn sie sich dann im Ausweichquartier in Leverkusen – das Bayer-Sportcenter wird in der kommenden Woche renoviert – treffen, wird ein neuer Mann das Kommando haben: Dusko Bilanovic übernimmt ab sofort das Traineramt von Ulli Kriebel. Der 40-Jährige, der kurz vor dem Jahreswechsel noch festgestellt hatte: „Wir haben unser Hinrundenziel erreicht,“ wurde mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

„Nach eingehender Analyse der Hinrunde und der derzeitigen sportlichen Situation haben wir uns für einen Trainerwechsel entschieden, um mit Dusko Bilanovic im Kampf um den Klassenerhalt den entscheidenden Impuls zu setzen,“ begründet Björn Barthel den Schritt.

Der nicht unbedingt überraschend kommt, steht Kriebel doch schon seit langem in der Kritik. Und das nicht nur wegen oftmals rätselhafter taktischer Entscheidungen, sondern auch wegen seines Auftretens in der Öffentlichkeit und einer offenbar gestörten Kommunikation mit der operativen Spitze von Verein und Spielbetriebs GmbH. Seine Äußerungen nach dem letzten Hinrundenspiel, das die Dormagener mit 31:23 beim Tabellenletzten Rhein Vikings gewannen, haben den Prozess seiner Beurlaubung offenbar beschleunigt. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, schließlich hat Ulli Kriebel unbestreitbar seine Verdienste, sowohl als Jugendtrainer als auch als derjenige, der uns in die Zweite Liga geführt hat,“ stellt Barthel klar. Der Handball-Geschäftsführer verhehlt allerdings auch nicht, „dass wir meines Erachtens nach durchaus ein paar Punkte mehr auf dem Konto haben könnten.“

15 sind es nach dem ersten Rückrundenspiel, bei dem Kriebels Taktik, den zuvor noch in keinem Zweitliga-Spiel eingesetzten Julian Köster (18) mit der Aufgabe der vorgezogenen „Speerspitze“ in einer 5:1-Deckung zu betrauen, erneut für Kopfschütteln sorgte. Offenbar auch bei denen, die im Dormagener Handball Verantwortung tragen. Björn Barthel möchte sich zu Details nicht äußern, sagt aber: „Wir haben die zurückliegenden Spiele alle eingehend analysiert.“

Wobei neben taktischen (Fehl-)Entscheidungen wohl auch das teilweise undisziplinierte Auftreten einzelner Spieler zur Kritik am bisherigen Trainer führte. Kriebel, der einen Teil der Mannschaft schon zu Jugendzeiten betreute, soll es da an einer „harten Hand“ gefehlt haben. Seine Entscheidung, den Bayer-Handballern bis Montag trainingsfrei zu geben, während die meisten Zweitliga-Konkurrenten längst wieder ins Training eingestiegen sind und teilweise bereits Testspiele absolviert haben, passt da ins Bild. Sein Nachfolger hat nun vier Wochen Zeit, seine neuen Schützlinge auf die verbleibenden 19 Begegnungen bis zum Finale am 8. Juni gegen die Rhein Vikings vorzubereiten, die mit zwei Heimspielen (9. Februar gegen EHV Aue, 15. Februar gegen TV Hüttenberg) starten.

Sein Auftrag ist klar: Mit dem Trainerwechsel „erwarten wir die absolute Fokussierung aller auf das Ziel Klassenerhalt,“ sagt Barthel. Der aber gleich klarstellt, dass Dusko Bilanovic auch im Falle eines Abstiegs auf der Dormagener Kommandobrücke bleiben würde. „Wir werden alles dafür tun, um drin zu bleiben. Aber wenn wir absteigen, bricht deshalb hier ja nicht alles zusammen, dann werden wir unser Konzept eben eine Klasse tiefer weiter verfolgen,“ sagt der Geschäftsführer.

Der die Mannschaft in der jetzigen Zusammenstellung für stark genug hält, dieses Ziel zu erreichen. „Natürlich wird es einige Zeit dauern, bis sich Trainer und Spieler aneinander gewöhnt haben,“ sagt Björn Barthel, „aber irgendwelche Ausreden gibt es keine mehr.“

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