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2. Handball-Bundesliga HC Rhein Vikings TSV Bayer Dormagen

Handball : Vor dem Derby herrscht Tristesse pur

Analyse Der HC Rhein Vikings und der TSV Bayer Dormagen sind bis jetzt die großen Enttäuschungen der 2. Handball-Bundesliga. Ausgerechnet am letzten Spieltag der Hinrunde stehen sich beide Teams am Freitagabend zum Lokalduell der Frustrierten gegenüber.

 Wenn sich die Rhein Vikings und der TSV Bayer Dormagen am Freitagabend im Düsseldorfer Castello zum Lokalduell der 2. Handball-Bundesliga gegenüberstehen, besitzt die Partie zumindest für einen der Beteiligten historischen Charakter: Verlieren die Gastgeber auch das 15. Spiel in Folge, gehen die Vikings als Klub mit der schlechtesten Hinrundenbilanz überhaupt seit Bestehen der eingleisigen Zweiten Liga (Saison 2011/12) in die Geschichtsbücher ein.

Gewinnen sie, darf sich die Neuss-Düsseldorfer Spielgemeinschaft diese zweifelhafte Ehre mit dem GSV Eintracht Baunatal teilen, der die erste Hälfte der Spielzeit 2014/15 mit fünf Punkten abschloss, hernach den Rückzug ankündigte und am Saisonende mit sieben Zählern der bislang (punkt-)schlechteste Absteiger aller Zeiten war.

Eins eint die beiden Kontrahenten, deren Hallen gerade mal 21 Kilometer auseinander liegen, auf jeden Fall: Beide gehören zu den größten Enttäuschungen der Zweitliga-Saison 2018/19. Die sollte für die Vikings eigentlich ein „stepping stone“ auf dem Weg nach ganz oben werden. Vom „Projekt“ Bundesliga ist inzwischen keine Rede mehr in der „Sportstadt Düsseldorf“, zumal der zumindest zu diesem frühen Zeitpunkt überraschende Trainerwechsel auf den Ex-Dormagener Jörg Bohrmann nichts fruchtete: Holte der zum Liga-Rivalen DJK Rimpar wechselnde Ceven Klatt wenigstens drei Zähler aus sechs Partien, ging sein Nachfolger gänzlich leer aus. Da wäre es nicht ohne Pikanterie, wenn dem 50-Jährigen der erste Sieg ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Klub gelänge, für den er insgesamt zehn Jahre lang tätig war.

Unwahrscheinlich ist das nicht. Denn auch die Dormagener laufen den (eigenen) Erwartungen und Ansprüchen meilenweit hinterher. Zwar befindet sich der TSV Bayer in guter Gesellschaft, sind die Mitaufsteiger TV Großwallstadt (punktgleich) und HSV Hamburg (ein Punkt besser) doch in ähnlich prekärer Lage. Den Handballern vom Höhenberg bescheinigen Experten (auch aus anderen Klubs) jedoch ein viel größeres Potenzial, als auf einem Abstiegsplatz zu überwintern. Das Problem: Sie rufen es viel zu selten ab. Und das vor allem in den mit Blick auf die Zuschauer so wichtigen Heimspielen. Von neun gewannen die Dormagener nur drei, spielten ein Mal (gegen Mitaufsteiger Großwallstadt) Unentschieden. Das bedeutet den vorletzten Platz in der „Heimtabelle“ – schlechter sind nur die Vikings. Und das bedeutet Unmut bei den eigentlich Kummer gewöhnten Fans. „Selbst hartgesottene jahrzehntelange Begleiter auf den Rängen nähern sich dem Ende ihrer Leidensfähigkeit,“ schreibt Johannes Kinna in einem Brief an die Redaktion und schlussfolgert: „Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim Projekt Handballstadt immer weiter auseinander.“

Mit dieser Ansicht steht der langjährige Fan keineswegs allein. Von Aufbruchstimmung, wie sie im Sommer vermittelt wurde, ist wenig zu spüren am Höhenberg, eher herrscht Tristesse. Das liegt nicht nur, aber zu einem großen Teil an der misslichen Situation auf der Trainerbank. Das Duo Kriebel/Pütz offenbart eine Etage höher noch stärker jene Schwächen, die ihm Kritiker schon zu Drittliga-Zeiten vorwarfen – es wirkt in vielen Bereichen, vor allem was Taktik und Disziplin innerhalb der Mannschaft anbelangt, schlicht überfordert. Das mag auch daran liegen, dass der Cheftrainer weiterhin seinem Hauptberuf als Ingenieur nachgeht. „Handball auf diesem Niveau lässt sich nicht als Feierabendjob erledigen“, sagt einer, der es wissen muss – ein Trainer mit langjähriger Erfahrung in Erster, Zweiter und Dritter Liga. Und er sagt auch: „Ich kann das Training nicht delegieren, das muss aus einer Hand kommen.“ Kriebel hingegen vertraut die Vormittagseinheiten seinem Co-Trainer an, ja überließ diesem sogar zwei wichtige Wochen der Vorbereitung.

Genau so spielen die Dormagener auch: unausgegoren, ohne klar erkennbaren Matchplan. Und wenn einer da ist, geht er spätestens dann (wie zuletzt gegen Nordhorn, aber auch schon in wichtigen Drittliga-Spielen) über Bord, sobald der Gegner eine taktische Umstellung vornimmt. Beim TSV Bayer scheinen sie diese Schwächen erkannt zu haben, sonst hätten sie nicht schon vor dem achten Spieltag Anfang Oktober die Trennung von Kriebel zum Saisonende verkündet und kurz darauf in Dusko Bilanovic einen Nachfolger präsentiert, der künftig hauptamtlich arbeiten soll. Der sitzt, da derzeit ohne handballerisches Engagement, im heimischen Aurich quasi auf gepackten Koffern. Verlieren die Dormagener am Freitag auch beim abgeschlagenen Tabellenletzten, kann er sich schon mal auf eine Saison in der Dritten Liga vorbereiten.