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2. Handball-Bundesliga Doppelaufgabe für TSV Bayer Dormagen

Handball : TSV Bayer steckt in der Zwickmühle

Der Doppelspieltag der 2. Handball-Bundesliga beschert Dormagen erst die 1000 Kilometer lange Hin- und Rückreise zu Tabellenführer Balingen und am Sonntag das eminent wichtige Heimspiel gegen Mitaufsteiger TuS Ferndorf.

Ungewöhnliche Herausforderungen verlangen nach ungewöhnlichen Lösungen. Und so macht Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen an diesem Wochenende etwas, das es sonst höchstens im Europapokal gibt: Der Aufsteiger übernachtet vor und nach einem Auswärtsspiel in fremden Betten.

Schuld daran ist der letzte Doppelspieltag dieser Zweitliga-Saison, der dem TSV Bayer zunächst das Gastspiel beim knapp 500 Kilometer entfernten Tabellenführer HBW Balingen-Weilstetten (Freitag, 19.45 Uhr, Sparkassen-Arena Balingen) und am Sonntag (17 Uhr, Bayer-Sportcenter) das eminent wichtige Heimspiel gegen Mitauftsteiger TuS Ferndorf beschert.

Der Ablaufplan sieht folgendermaßen aus: Donnerstag 10 Uhr Abfahrt am heimischen Höhenberg. Donnerstag-Nachmittag Ankunft in Stuttgart mit Abschlusstraining am Donnerstagabend. Freitag 19.45 Uhr Spiel in Balingen, anschließend Rückfahrt nach Stuttgart mit Übernachtung. Samstag-Vormittag Training in Stuttgart, anschließend Weiterfahrt nach Dormagen. Sonntag 17 Uhr Spiel gegen Ferndorf.

„Wenn dabei vier Punkte herausspringen, haben wir alles richtig gemacht,“ witzelt Trainer Dusko Bilanovic. Nur um gleich klar zu stellen: „In Balingen sind wir natürlich Außenseiter.“ Deshalb wären „zwei Punkte aus diesem Wochenende die optimale Ausbeute, damit blieben wir auf Kurs Richtung Klassenerhalt,“ sagt der 47-Jährige. Aus seiner Priorität macht Bilanovic kein Hehl: „Unsere restlichen vier Heimspiele wollen wir gewinnen.“

Was aber nicht gleichbedeutend damit ist, dass er die Partie beim Tabellenführer im Schongang angeht. „Das kommt überhaupt nicht in Frage. Sollte Balingen schwächeln, wollen wir unsere Chance auf eine Überraschung nutzen.“ Und unverwundbar ist der Spitzenreiter keineswegs. Das zeigte sich an Gründonnerstag, als er überraschend mit 26:31 beim EHV Aue unterlag. „Wir waren nicht gut, haben verdient verloren. Uns hat weitestgehend die Aggressivität und Kampfbereitschaft in der Abwehr gefehlt,“ monierte Trainer Jens Bürkle hernach.

Das zeigte sich aber auch schon im Hinspiel, das die „Gallier von der Alb“ erst mit einem Kraftakt in der Schlussphase und der Wieder-Einwechslung von Nationalspieler Martin Strobel nach 24:25-Rückstand (57.) noch in einen 27:25-Sieg drehten. Von daher rührt wohl auch Bürkles Respekt vor den heutigen Gästen: „Dormagen ist ein ganz unangenehmer Gegner, welcher uns im Hinspiel alles abverlangt hat.“ Er hält den TSV für einen „unheimlich talentierten Gegner, der sich im Lauf der Saison gefunden hat.“ Trotzdem steht führ ihn fest: „Wenn wir oben bleiben wollen, müssen wir diese Gegner schlagen“ – am Sonntag sind die Balinger beim TV Hüttenberg zu Gast.

Genau diese Hüttenberger fordern heute Abend den TuS Ferndorf, der nach einer bärenstarken Hinrunde mächtig ins Trudeln geraten ist: Seit dem 16. Februar (26:22 über HSV Hamburg) haben die Siegerländer kein Spiel mehr gewonnen, seit dem 15. Dezember (29:26 beim TV Emsdetten) lautet ihre Bilanz 7:17 Punkte. Bilanovic überrascht das nicht: „Das geht Aufsteigern oft so, weil sich in der Rückrunde alle auf ihre Spielweise eingestellt haben.“ Das hofft er auch von seiner Mannschaft, die sich im Hinspiel äußerst unglücklich mit 25:26 geschlagen geben musste – Mattis Michel erzielte den Siegtreffer sieben Sekunden vor Schluss.

Und auch wenn TuS-Trainer Michael Lerscht zuletzt bei der 24:27-Niederlage in Nettelstedt „deutliche Fortschritte“ bei seinen Schützlingen sah, steht für seinen Dormagener Kollegen fest: „Die müssen wir schlagen.“ Helfen sollen dabei auch die Fans. Bilanovic wünscht sich „noch mal so eine tolle Kulisse und noch mal so eine tolle Stimmung wie gegen Hamburg,“ wohlwissend, dass Sonntag nicht unbedingt „Handballtag“ in Dormagen ist: „Aber Kaffee und Kuchen kann man auch vorher schon zu sich nehmen.“