2. Handball-Bundesliga Ceven Klatt gastiert nit DJK Rimpar in Dormagen

Handball in Dormagen : „Die Gegend hat schon andere Lebensqualität“

Erstmals seit seinem Rausschmiss bei den Rhein Vikings kommt Ceven Klatt als Trainer zurück in seine Heimatregion: Mit der DJK Rimpar gastiert der 36-Jährige am Samstag im Duell der Tabellennachbarn beim TSV Bayer Dormagen.

So ein kleines bisschen hängt Ceven Klatt doch am Rheinland. Sogar die Telefonnummer der NGZ-Sportredaktion hat er noch in seinem Handy gespeichert – und das, obwohl der letzte berufliche Kontakt schon ein paar Jahre her ist. Ansonsten ist der 36-Jährige aber voll und ganz in seiner neuen Wahlheimat angekommen, beruflich, sportlich und privat.

„Die Gegend hat schon eine andere Lebensqualität,“ stellt Ceven Klatt mit Blick aufs Mainfränkische fest, wo er seit knapp acht Monaten wohnt. Genauer gesagt in Kitzingen, einer Stadt mit 90.000 Einwohnern, durch die der Main mitten hindurch fließt. Ringsum verteilt sind die legendären Bocksbeutel-Gemeinden Iphofen, Sommerhausen und Volkach, die bei Weinkennern höchste Wertschätzung genießen.

„Inmitten von Weinbergen, direkt am Fluss, das hat schon was“, sagt Klatt. „Nicht so laut, nicht so überfüllt, nicht so hektisch“ sei es da. 15 Kilometer sind es bis nach Würzburg, wo sein neuer Arbeitgeber, die DJK Rimpar, ihre Heimspiele in der s.Oliver-Arena austrägt. Ebenso weit ist es nach Rimpar, einer knapp 8000 Einwohner zählenden Kleinstadt, wo der 1400 Mitglieder starke Gesamtverein zu Hause ist die „Wölfe“ trainieren. Sein Sohn ist im Spätsommer in Kitzingen eingeschult worden, seine Tochter folgt in wenigen Monaten, seine Frau hat im Nachbarort eine Arbeitsstelle gefunden.

Scheint so, als hätte Ceven Klatt alles richtig gemacht, als er vor einem Dreivierteljahr das Angebot von Wölfe-Geschäftsführer Roland Sauer annahm und einen Dreijahresvertrag beim Handball-Zweitligisten unterschrieb. Ein Vorgang, der durchaus von Skepsis begleitet war, weil mancher einem recht jungen und eher unerfahrenen Trainer nicht zutraute, die Nachfolge von „Handball-Professor“ Matthias Obinger anzutreten, der vier Jahre auf der Bank der Wölfe saß und sie zu ihrem bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte, Platz vier in der Abschlusstabelle der Saison 2016/17, führte.

Die aktuelle Tabelle stellt seinem Nachfolger ein gutes Zeugnis aus: Rimpar liegt auf Rang acht, mit 22:18 Zählern punktgleich mit dem TSV Bayer Dormagen. „Wir sind zufrieden mit der momentanen Situation,“ sagt Ceven Klatt, „und wir treffen am Samstag auf einen Gegner, für den, denke ich, das gleiche gilt.“ Beim Tabellenstand hören für ihn aber die Gemeinsamkeiten auf: „Vom Spielsystem her treffen da zwei ganz unterschiedliche Mannschaften aufeinander.“ Seine Wölfe bevorzugen das, was man heutzutage „Systemhandball“ nennt: „Ich war immer ein Freund einer starken Abwehr, und das habe ich auch mit nach Rimpar genommen,“ sagt Klatt. Mit 482 Gegentreffern stellt die DJK die drittbeste Defensive der Liga hinter dem VfL Gummersbach und dem TuS N-Lübbecke (beide 469).

Dormagen hingegen lebe vor allem vom „individuellen Können“ seiner Spieler, „da merkt man die gute Grundausbildung.“ Dass die Bayer-Handballer derzeit „die eigenen Erwartungen übertroffen“ hätten, sei Folge eines Entwicklungsprozesses: „Die jungen Spieler lernen dazu und entwickeln sich weiter.“ Das beste Beispiel sei Julian Köster, aber auch Joshua Reuland habe „verglichen mit der Zeit, als ich sein Trainer war, einen Riesensprung“ gemacht. Der Linksaußen ist nicht der einzige Dormagener, den er aus seiner Zeit beim Neusser HV kennt. Mit Heider Thomas, mit dem er schon beim TuS Ferndorf zusammen spielte, hat er in dieser Woche bereits telefoniert. „Aber wir haben nicht über das Spiel gesprochen,“ sagt Klatt. Sondern darüber, „wo wir in Dormagen am besten Pizza für die Rückfahrt bestellen können. Heider weiß sowas.“

Neben der Pizza würde er naturgemäß auch gerne Punkte aus Dormagen mitnehmen. „Aber das wird nicht einfach,“ sagt Klatt, der nicht nur aufgrund der Tabellensituation ein „Spiel auf Augenhöhe“ erwartet: „Das war das Hinspiel auch.“ In dem setzten sich die Wölfe mit 24:23 durch, „da hat uns der Heimvorteil geholfen,“ gibt der Trainer zu, „und Dormagen ist genauso heimstark wie wir.“ Auch da geben ihm die Zahlen Recht: Rimpar hat sieben Heimsiege, ein Unentschieden und drei Niederlagen auf seinem Konto, beim TSV Bayer sind es sieben Siege und zwei Niederlagen.

Zusätzliche Motivation zieht er aus der vergangenen Saison. Da war der 36-Jährige zwar noch nicht Trainer der Wölfe, aber trotzdem Augenzeuge, wie sie im Bayer-Sportcenter mit 16:28 untergingen. „Und so ein Spiel möchte keiner noch mal erleben,“ sagt Klatt. Schließlich sind solche Klatschen der Lebensqualität nicht unbedingt förderlich, auch nicht in Mainfranken.