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2. Handball-Bundesliga Bayer Dormagen dreht Spiel beim TV Hüttenberg

Tischtennis : Zur Pause mausetot, am Ende Triumphator

Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen dreht zwischenzeitlichen 12:19-Rückstand beim TV Hüttenberg noch in einen 27:26-Sieg.

Es war, wie so oft schon zwischen dem TSV Bayer Dormagen und dem TV Hüttenberg, ein Spiel für die Vereinsannalen. Zum dritten Mal in Folge verließen die Dormagener mit dem knappsten aller möglichen Siege das Parkett. Doch so eng, so dramatisch, so emotional und so packend wie am Samstagabend vor 1120 Zuschauern im Sportzentrum an der Hüttenberger Hauptstraße war es noch nie.

Zur Pause waren die Gäste mausetot. „Ehrlich gesagt habe ich da nicht mehr an einen Sieg geglaubt,“ bekannte Björn Barthel angesichts eines 11:17-Rückstandes, der drei Minuten nach Wiederbeginn sogar auf sieben Treffer (12:19, 33.) angewachsen war. Nicht nur der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer vermisste die Emotionen auf Seiten der Dormagener. „Wir waren in der ersten Halbzeit überhaupt nicht anwesend. Warum das so war, kann ich auch nicht erklären,“ sagte Mannschaftskapitän Patrick Hüter mit Blick auf eine Leistung, die stark an den peinlichen Auftritt bei der 26:30-Niederlage in Krefeld erinnerte.

Der Rest ist Jubel. Foto: TSV Bayer Dormagen

Doch anders als in der Glockenspitzhalle gelang es Dusko Bilanovic, seine Schützlinge in der Kabine aufzuwecken. Der Trainer brauchte dabei nicht einmal laut zu werden, denn das sie grottenschlecht gespielt hatten bis dahin, das wussten die Bayer-Handballer auch so. „Wir haben uns zusammengesetzt und besprochen, was wir anders machen können,“ berichtete Bilanovic, „wobei schnell klar war, dass das nur über die Deckung geht.“

Die hatte dreißig Minuten lang weder Hüttenbergs Regisseur Björn Zintel, der zehn seiner insgesamt elf Tore im ersten Durchgang erzielte, noch dessen wuchtigen Kreisläufer Moritz Zörb in den Griff bekommen. Bilanovic ließ nun etwas offensiver decken (ohne die 6:0-Formation aufzugeben) und erreichte damit, was er wollte: Ballverluste der Hausherren, die seinen Schützlingen ermöglichten, ihr Tempospiel aufzuziehen.

Und Bilanovic bewies mit seinen Einwechslungen das richtige Händchen: Janis Boieck hatte er bereits nach 28 Minuten zwischen die Torpfosten beordert – der 21-Jährige hielt wie schon eine Woche zuvor bei der Aufholjagd gegen Dresden nicht sehr viele, aber sehr wichtige Bälle. Am Ende auch gegen Junioren-Vizeweltmeister Merlin Fuß, der zuvor auf Rechtsaußen als einziger noch Torgefahr ausgestrahlt hatte, als dem Hüttenberger Rückraum nach und nach die Kräfte schwanden. Vorne brachte er Benjamin Richter, der mit seiner Beweglichkeit die 3-2-1-Deckung der Hausherren besser aushebelte als Ante Grbavac. Die mutigste Personalentscheidung war aber wohl, den keineswegs schwachen Joshua Reuland durch den gerade erst von einem Sehnenanriss im Wurfarm genesenen Pascal Noll zu ersetzen. „Passi bringt Emotionen ins Spiel“, sagt Björn Barthel über den Linksaußen, der seit seiner Rückkehr aus Saarlouis noch keine allzu glückliche Saison gespielt hat.

Der am Samstagabend aber eindeutig zu den Matchwinnern gehörte. „Wir hatten uns vorgenommen, Tor um Tor aufzuholen,“ sagte Bilanovic. Dass es so schnell ging, überraschte ihn dann selbst. Beim 21:21 durch Pascal Noll (44.) war der erste Gleichstand seit dem 10:10 (22.) geschafft, acht Minuten später gingen die Gäste, wiederum durch Pascal Noll, zum ersten Mal überhaupt an diesem Samstagabend in Führung (24:23, 52.).

Weil die Dormagener aber vergaßen, den Sack zuzumachen, blieb es nervenaufreibend bis in die Schlussminute. Patrick Hüter, der durch das Fehlen des kurzfristig erkrankten Carl Löfström Schwerstarbeit am eigenen und gegnerischen Wurfkreis zu leisten hatte, bringt Dormagen mit 25:24 nach vorn (55.) Nach dem Ausgleich durch einen Siebenmeter von Markus Stegefeld wirft Julian Köster den TSV wieder in Vorlage (26:25, 57.). Stegelfeld gleicht wieder per Strafwurf aus, und als Pascal Noll anderthalb Minuten vor Schluss aus extrem spitzem Winkel am Tor vorbeizielt, scheint sich der TSV selbst um die Früchte seiner Aufholjagd zu bringen.

Doch Hüttenberg ist stehend k.o., Routinier Tomas Sklenak setzt den letzten Angriff 33 Sekunden vor dem Abpfiff übers Tor. Bilanovic nimmt eine Auszeit, Eloy Morante Maldonado fast sich fünf Sekunden vor Ende ein Herz und erzielt wie gegen Dresden den entscheidenden Treffer. Hüttenberg bleibt nur noch ein direkter Freiwurf in der Schlusssekunde – den wirft Stegefelt übers Tor. Der Rest ist Jubel. Über einen Sieg, sagt Björn Barthel, „der nicht nur fürs Punktekonto eminent wichtig war, sondern auch für die Psyche.“