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2. Handball-Bundesliga auch für TSV Bayer Dormagen noch härter

2. Handball-Bundesliga : Auf die härteste Saison folgt auch für Dormagen eine noch härtere

Nach einer kurzen Pause von nur drei Wochen starten viele Handball-Zweitligisten schon wieder in die Vorbereitung. Die neue Saison verspricht schließlich noch fordernder zu werden als die zurückliegende.

Vielleicht war es ganz gut, dass der TSV Bayer Dormagen vor einer Woche sein letztes Saisonspiel gegen den HC Elbflorenz verloren hat. Denn so gehen Spieler und Verantwortliche des Handball-Zweitligisten eher mit ein wenig Frust in die kurze Pause bis zum Start der Saisonvorbereitung am 19. Juli als mit jenem Anflug von Selbstzufriedenheit, der sich in den finalen Saisonwochen am Höhenberg breitmachte. Denn Selbstzufriedenheit wäre fatal vor einer Saison, die noch härter zu werden verspricht als die gerade abgelaufene – und die war, den speziellen Corona-Bedingungen geschuldet, schon hart genug.

Selbst wenn die neue Spielzeit pünktlich Anfang September starten, selbst wenn es – wie alle hoffen – keine Corona-Fälle in den Teams und damit einhergehende Quarantänen und Spielverlegungen geben sollte: Eine Liga mit 20 Mannschaften verspricht ein hammerhartes Programm. Das bedeutet noch zwei Spiele und eine Auswärtsfahrt mehr. Dafür dürfen sich die Fans, wenn sie denn auch bei Auswärtsspielen zugelassen werden, dank des Aufstiegs des VfL Eintracht Hagen und des Bundesliga-Abstiegs von TuSEM Essen auf ein paar Lokalduelle mehr freuen – und die sind bekanntlich das Salz in der Handball-Suppe.

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Langweilig wird es aber ohnehin nicht, im Gegenteil. Zwar gab es schon früher Spielzeiten mit 20 Klubs, doch die „stärkste Zweite Liga der Welt“ dürfte in der kommenden Saison noch ausgeglichener sein als in der vergangenen. Und die war schon ausgeglichen genug: Den TSV Bayer Dormagen auf Rang sieben trennen in der Abschlusstabelle nur sieben Punkte vom Dessau-Roßlauer HV auf Platz 15. Und die Rimparer Wölfe auf Rang zwölf haben nur sechs Zähler mehr auf ihrem Konto als die HSG Konstanz – und die muss absteigen.

Passieren nicht noch spektakuläre Dinge auf dem Transfermarkt, ist ein klarer Titelanwärter für die Saison 2021/22 ebenso wenig in Sicht wie ein so genannter „sicherer“ Kandidat für den Abstieg. Und das in einer Spielzeit, an deren Ende gleich vier Klubs den Gang in die Dritte Liga antreten müssen. Da zeichnet sich ein Hauen und Stechen ab – und für das muss man nicht nur physisch und konditionell, sondern vor allem mental gerüstet sein. Ob letzteres für den TSV Bayer Dormagen zutrifft, da sind leise Zweifel erlaubt: Zu wenig konstant präsentierte sich das Team, dem während der gesamten Saison nie mehr als drei Siege in Serie gelangen. Noch bedenklicher: 15 seiner 34 Minuspunkte gab der TSV gegen die Mannschaften auf den letzten neun Tabellenplätzen ab, also jene, die mehr oder weniger bis kurz vor Saisonende gegen den Abstieg kämpften. Andersherum gerechnet: Von 36 möglichen Zählern gegen diese Teams holten die Dormagener nur 21.

Solche Lässlichkeiten, wie die Heimniederlagen gegen Dessau, Hüttenberg, Ferndorf und Wilhelmshaven oder das Unentschieden gegen den TV Emsdetten, bei dem die Dormagener in den letzten fünf Minuten eine Fünf-Tore-Führung verspielten, können in der kommenden Spielzeit tödlich sein. Denn in der werden (mindestens) zwölf der 20 Klubs vom ersten bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen. Machen wir mal die Hochrechnung auf: Von den vier Erstliga-Absteigern wollen wenigstens drei auf direktem Wege in die „stärkste Liga der Welt“ zurück. HSG Nordhorn-Lingen und TuSEM Essen ist das am ehesten zuzutrauen. Bei den Eulen Ludwigshafen bleibt abzuwarten, wie die den Wechsel auf der Trainerbank von Benjamin Matschke, schon zu aktiven Zeiten ein Vereinsheros in Ludwigshafen, auf den im Aufstiegskampf unerfahrenen Ex-Neusser Ceven Klatt verkraften. Der HSC Coburg dürfte es angesichts von sechs zum Teil hochkarätigen Abgängen am schwersten haben aus diesem Quartett.

Gleich dahinter (oder davor) kommt Altmeister VfL Gummersbach, der sich schwerlich eine dritte Saison im Unterhaus leisten kann und deshalb entsprechend auf dem Transfermarkt aktiv war. Allerdings müssen die Oberbergischen künftig auf Matthias Puhle, in vielen Spielen ihre Lebensversicherung zwischen den Torpfosten, verzichten, der zum Regionalligisten OSC Rheinhausen wechselt. Der HC Elbflorenz hat nicht zuletzt mit seinem Sieg in Dormagen bewiesen, dass das ambitionierte Projekt in Dresden jetzt da ist, wo es von Anfang an hinwollte: auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen – was die Verpflichtung zweier Erstliga-erfahrener Akteure (Christian Neuhold/Coburg, Rene Zobel/Balingen) noch unterstreicht. Und die SG Bietigheim und der ASV Hamm werden nicht noch einmal eine solche Saison erleben wollen, in der sie den eigenen Ansprüchen von Beginn an hinterherliefen und bis weit in die zweite Saisonhälfte hinein gegen den Abstieg kämpften. Hamm holte dafür gleich vier Spieler mit Erstliga-Erfahrung, darunter in Tim Wieling (Ex-Rechtsaußen des TSV Bayer Dormagen) und Vladimir Bozic (Ex-Torhüter der Rhein Vikings) zwei hierzulande bestens bekannte Akteure. Bietigheim lotste die spanische Handball-Legende Iker Romero aus Hannover, wo er seinem inzwischen zum FC Barcelona abgewanderten Landsmann Carlos Ortega als Co-Trainer assistierte, sicher nicht ins Schwäbische, um noch mal Achter zu werden. Freilich: Die Verpflichtung „fertiger“ Spieler oder prominenter Namen auf der Trainerbank sind noch lange keine Garantie für Erfolg – schon gar nicht in der Zweiten Liga.

In Stein gemeißelt ist diese Reihenfolge natürlich nicht, die Grenzen zwischen Tabellenspitze, Mittelfeld und Abstiegszone waren schon in der vergangenen Spielzeit fließend. Dennoch dürfte es für ein Dutzend Zweitligisten, angefangen beim Tabellenfünften (!) EHV Aue bis zum erst am letzten Spieltag geretteten TV Emsdetten, um nichts anderes gehen als ums (sportliche) Überleben. Und die beiden Neulinge VfL Eintracht Hagen und HC Empor Rostock bringen so viel Qualität und Erfahrung mit, dass sie nicht zwangsläufig „hinten“ einsortiert werden müssen – eher scheinen sie für einen steilen Höhenflug wie den des TV Großwallstadt gut, der als Aufsteiger auf Rang sechs und damit noch vor dem TSV Bayer Dormagen landete.

Um vorherzusagen, dass es höllisch eng wird, muss man kein Prophet sein. Schon in der vergangenen Saison fehlte es selbst den Spitzenteams an jener Souveränität, die sie gemeinhin auszeichnet - sogar die Aufsteiger HSV Hamburg und TuS N-Lübbecke ließen gewaltig Federn bei Kellerkindern. Dass 16 Minuspunkte noch zum Aufstieg reichen, ist in der Zweiten Liga eher eine Seltenheit, ein Zeichen, wie eng es zuging in den 342 Spielen zwischen dem 2. Oktober 2020 und dem 26. Juni 2021. Nur 33 von ihnen endeten mit einer zweistelligen Tordifferenz, auf der anderen Seite entschied in 55 Partien nur ein Tor zugunsten des Siegers. Und 34 Unentschieden dürften auch über dem statistischen Saisondurchschnitt liegen. Inwieweit diese Ergebnisse und die vielen ungewöhnlichen Spielverläufe, viele von ihnen mit ständig wechselnden Führungen, den besonderen Umständen geschuldet waren, vor allem der Tatsache, dass der größte Teil der Partien ohne Zuschauer ablief, wird sich zeigen – falls die kommende Saison zumindest in dieser Hinsicht als „normal“ bezeichnet werden kann.