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Rhein-Kreis Neuss: Solarfirmen vor Auftragsflaute

Rhein-Kreis Neuss : Solarfirmen vor Auftragsflaute

Die Nachfrage nach Solarstrom steigt – doch die Fördergelder werden immer weiter gekürzt, zuletzt am 1. Januar. Das hat Auswirkungen auf die Solarunternehmen im Rhein-Kreis. Sie stellen sich auf eine Auftragsflaute ein.

Die Nachfrage nach Solarstrom steigt — doch die Fördergelder werden immer weiter gekürzt, zuletzt am 1. Januar. Das hat Auswirkungen auf die Solarunternehmen im Rhein-Kreis. Sie stellen sich auf eine Auftragsflaute ein.

Die Neusser Stadtwerke haben es auf den letzten Drücker geschafft: Noch vor der Kürzung der Solarstromförderung gingen sie im Gewerbegebiet Taubental ans Netz — "damit wir die vollen Fördergelder erhalten", so Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer.

So haben es im Rhein-Kreis viele Firmen und Hausbesitzer gemacht: "Vor dem Jahreswechsel hatten wir einen richtigen Boom", berichtet Hartwig Mostert, Geschäftsführer der Kaarster Firma Atvita Solar. Das bestätigen auch andere Solarunternehmer aus dem Rhein-Kreis, etwa Armin Hilt, Chef bei SunSell Solar Consult in Dormagen: "Im vierten Quartal 2011 haben wir 50 Prozent unseres Jahresumsatzes eingefahren", sagt Hilt, dessen Firma mit Solarkomponenten handelt.

Nun sind die Aufträge eingebrochen. Auf den Boom folgt die Flaute, wie Firmen im Rhein-Kreis unserer Zeitung bestätigen. Diese Entwicklung ist ist für die Unternehmen nicht neu. Denn die Bundesregierung hat die Solarstromförderung in den vergangenen Jahren sukzessiv gekürzt. "Mittlerweile führen wir unseren Betrieb wie eine Eisdiele", kommentiert Hartwig Mostert diese politische Praxis.

"Monatelang verkaufen wir nichts", sagt der Solarexperte, der die Personaldecke in seiner Firma entsprechend dünn hält: Vier Festangestellte planen Solarvorhaben bei Atvita Solar, in der Ausführung von Bauvorhaben kooperieren sie mit lokalen Handwerksbetrieben, um Kosten gering zu halten. "Der Markt ist preissensibel", sagt Mostert.

Dennoch steigt die Zahl der Solaranlagen im Kreisgebiet rasant: Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahren von 629 auf 1223 Photovoltaikanlagen mehr als verdoppelt, wie der Energieversorger RWE auf Anfrage mitteilt. Die Menge der jährlich eingespeisten Solarenergie beläuft sich für den Rhein-Kreis Neuss mittlerweile auf 14 Millionen Kilowattstunden.

Auf diese Nachfrage setzen die Vertriebsfirmen vor Ort, etwa Armin Hiller, Geschäftsführer der Neusser Firma Mister Solar. Die Kunden kann er mit zwei Argumenten überzeugen: Einerseits gibt es bei den Solarstrom-Anlagen einen enormen Preisverfall — innerhalb von nur vier Jahren haben sich die Anschaffungskosten mehr als halbiert — andererseits lohnt sich die Anschaffung einer eigenen Anlage angesichts steigender Strompreise, weswegen Hiller zu Eigenverbrauch statt Einspeisung rät. Der Einspeisebonus des Staates spiele dann gerade bei kleinere Anlagen eine geringere Rolle, so Hilt.

Bei großen Bauvorhaben fallen die Kürzungen dagegen stark ins Gewicht. "Es wird immer schwieriger, bei Großprojekten mit Solarstrom in die Gewinnzone zu kommen", sagt Thomas Bell, Mitgesellschafter der Grevenbroicher Firma Blumsolar, die Großflächen ab vier Hektar aufwärts an Investoren vermittelt. Die Firma ist mittlerweile umgestiegen: Sie vermittelt zwar weiter Flächen — setzt dabei aber vermehrt auf Windkraftanlagen.

(NGZ/rl)