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Rhein-Kreis Neuss: Schützen-Uniform der Zukunft

Rhein-Kreis Neuss : Schützen-Uniform der Zukunft

Weil Schützen in ihren dicken Jacken oft schwitzen, hat Nawida Ariyan ihnen einen modischeren Look verpasst. Die Anregung dazu kam von Bezirksbundesmeister Horst Thoren. Auf Schloss Anholt stellte sie ihre Entwürfe vor.

Sie ist 25 Jahre alt und hat das rheinische Schützenwesen erst im Studium kennengelernt. Für ihre Bachelor-Arbeit an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach entwickelte Nawida Ariyan moderne Schützenuniformen, die man waschen kann, die nicht kratzen – und so leicht sind, dass der Schütze beim Parademarsch nicht das Gefühl hat, er marschiere durch einen Backofen.

Studentin Nawida Ariyan stellt Schützenuniformen der Zukunft vor, hier das Model "Military Line". Foto: Markus van Offern

Gerade das Schwitzen war es, unter dem viele Schützen litten. "Im Sommer hat man oft das Gefühl, man habe die Sauna gleich dabei", berichtete Horst Thoren, Vorsitzender des Ausschusses für Brauchtum und Geschichte im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften auf Schloss Anholt dem Hausherrn, Hochmeister Emanuel Prinz zu Salm Salm. Dort stellte die gebürtige Afghanin dem Hochmeister als oberstem Schützenbruder Deutschlands die "Uniform der Zukunft" vor. Dem traditionellen Gemisch aus Schurwolle und Polyester stellte Ariyan ein "Softshell"-Material gegenüber. "Softshell ist leicht, atmungsaktiv und elastisch", erläuterte Ariyan, "außerdem wasser- und schmutzabweisend". In Zusammenarbeit mit einem westfälischen Kleiderproduzenten brachte Ariyan die Teile nun zur Produktionsreife.

Damen-Modelle

Für vier Zielgruppen entwickelte sie neue Uniformen: die "Classic Line" als Auffrischung für traditionelle Schützen, die Linie "Stylish" für junge Schützen, die "Military Line" mit Elementen historischer Uniformen und die Linie "Tailcoat" für Frackträger. Das Besondere: Für alle Linien entwarf Ariyan gleich auch ein Damen-Modell. "Ein Drittel aller rheinischen Schützenvereine nimmt inzwischen auch Frauen auf", stellte Ariyan fest. Da es für Frauen aber bislang keine eigenen Uniformen gebe, sei es ihr wichtig gewesen, auch für sie passende Modelle zu entwickeln. So zeigte sie auf Schloss Anholt schwarze Uniformjacken, an denen grüne Ärmelaufschläge, silberfarbene Knopfreihen und Epauletten zwar den Stil der Uniform wahren, durch Material und Verarbeitung aber modern wirken. In der "Stylish"-Line fällt das Bolerojäckchen für die junge Schützenschwester auf.

Für die "Military"-Line verwendete Ariyan typische Elemente historischer Uniformen, die "Tailcoat"-Line wartet mit einem Cut für den Herrn und einem kürzeren Frack für die Dame auf. Die Kombinationen kamen bei Prinz Salm und den Mitgliedern des Ausschusses für Geschichte und Brauchtum bestens an.

Der Hochmeister lobte Passform und Material und freute sich besonders darüber, dass Nawida Ariyan mit ihren Entwürfen Tradition und modischen Chic zusammengebracht hat. Begeistert waren auch Horst Thoren und seine Brauchtumsexperten – die gleich wissen wollten, ob die Uniformen denn auch in anderen Farben zu haben wären. Thoren hofft nun, dass "sich der ein oder andere Traditionalist überlegt, mal was Neues auszuprobieren."

(NGZ)