"Fetzer" im Globe am 15. Mai: "Schräger Heimatabend mit Lokalpatriotismus"

"Fetzer" im Globe am 15. Mai : "Schräger Heimatabend mit Lokalpatriotismus"

Robin Hood ist ein echter Volksheld. Kaum jemand würde den flinken Bogenschützen als Meuchelmörder oder Wegelagerer bezeichnen. Die Briten verehren den Gesetzlosen vielmehr als Symbol der Auflehnung und Rächer der Armen. Ina Hertel ist fasziniert von diesen Legenden der wilden Räuberhauptmänner und hat sich in Neuss auf die Suche nach einem vergleichbaren Stoff gemacht - mit Erfolg.

Mathias Weber, genannt der Fetzer, hat gute Chancen in die Rolle des ehrbaren Räubers zu schlüpfen. Fetzer hielt die Stadt in Atem. Von 1778 bis 1802 verbreitet er Angst und Schrecken und sorgte mit seinen Diebstählen für Furore. "Ich habe nach einer herausragenden Persönlichkeit der Neusser Stadtgeschichte gesucht. Und die Geschichte des Fetzer ist genau das, was ich gesucht habe", erklärt Ina Hertel, die aus der kurzen Lebensgeschichte das Theaterstück "Fetzer" schrieb.

Fetzer residierte mit seiner Räuberbande an der Neusser Furth und trieb sein Unheil in unnachahmlicher Art. So überfiel er das Neusser Rathaus und stahl die Statue des heiligen Quirinus. Doch die Gendarmen waren ihm auf der Spur und verhafteten den umtriebigen Räuber. Der Mühlenturm galt damals als Tower der Stadt Neuss, aber Fetzer entkam und nahm dem Turm seinen Ruf.

An dieser Stelle beginnt das Bühnenstück und begleitet das weitere Wirken Fetzers in 14 Episoden. "Wir versprechen einen schrägen Heimatabend mit viel Selbstironie und Lokalpatriotismus", sagt Regisseur Sewan Latchinian. Er räumt der Person Fetzer eine enorme Bedeutung für das Selbstbewusstsein der Neusser ein, da "sie eine Identifikationsfigur werden kann, die wichtig für den Blickwinkel auf die eigene Stadt ist".

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Fetzer habe durch seine Aktionen gegen die oftmals korrupten Stadtväter und Kirchenmänner für viel Zustimmung unter der Bevölkerung gesorgt. Der Wiedererkennungsgehalt im Stückes ist zumindest garantiert. Zahlreiche bekannte Gebäude und Straßen finden sich im Bühnenbild wieder. "Ich habe bewusst die historischen Fakten außer Acht gelassen, um noch mehr Authentizität zu erreichen", erklärt Ina Hertel.

So gehört das "Schwatte Päd" ebenso zu den Schauplätzen der Fetzergeschichte wie etwa das Neusser Schützenfest. "Die Zuschauer können sich auf einige Überraschungen freuen", versichert Latchinian. Fetzer fand übrigens ein standesgemäßes Ende: Er fiel der Guillotine zum Opfer, und das machte den Neusser Räuberhauptmann zur Legende. bött

(NGZ)
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