RWE bildet im Rheinischen Revier in 16 Berufen aus

Serie „Menschen im Revier“ : RWE bildet in Grevenbroich nicht nur für den Tagebau aus

Die NGZ stellt in einer Serie Menschen vor, die von und mit dem Tagebau leben. In der ersten Folge stehen die RWE-Azubis im Fokus.

Eine Standardfrage muss Ralf Conzen als Ausbildungsleiter bei RWE für das Rheinische Revier immer wieder beantworten: „Wie lange bildet RWE denn überhaupt noch aus, wenn sich der Kohletagebau doch seinem Ende zuneigt?“ Conzen entgegnet: „Wir bilden weiter aus und passen unsere Ausbildung auch jetzt schon den neu hinzu kommenden Inhalten, beispielsweise in der Digitalisierung, an.“

Denn RWE bilde keineswegs nur für den Tagebau aus, räumt er mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf. Im Gegenteil: Alle 16 Ausbildungsberufe, die der Konzern aktuell anbietet, entsprechen laut Ralf Conzen den Anforderungsprofilen des dualen Ausbildungssystems. Deshalb hätten die Absolventen auch keine Probleme, in den freien Arbeitsmarkt zu wechseln, obwohl RWE im Rheinischen Revier bis 2019 etwa 360 weitere unbefristete Einstellungen zusichert. „Diese Stellen wollen wir zum allergrößten Teil mit eigenen Auszubildenden besetzen“, betont der Ausbildungschef.

Es gibt zudem schon konkrete Pläne dafür, dass mit dem Tagebau auch das Ausbildungszentrum in Grevenbroich in der Nachbarschaft der Kohlekraftwerke keineswegs schließen muss. Denn es ist als einer der Bausteine für die geplante Entwicklung des Rheinischen Reviers zu einem Modellstandort Bildung bereits von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) benannt worden.

Zu den insgesamt vier überbetrieblichen Ausbildungszentren im Rheinischen Revier gehört auch das Zentrum in Grevenbroich-Gustorf, in dem fünf technische Berufsfelder angeboten werden. Zuständig ist dort Metallberufe-Ausbilder Jan Spennrath aktuell für 38 Lehrlinge. „Im Vorjahr hatten wir auch Mädchen in den Metallberufen, in diesem Jahr zwar nicht, aber wir begrüßen es sehr, wenn sich Frauen bei uns bewerben“, betonen Conzen und Spennrath. Am Standort Grevenbroich-Neurath wird außerdem die Ausbildung zur Fachkraft in der Lagerlogistik angeboten.

Zu den Ausbildungsberufen bei RWE gehören sogar medizinische Fachangestellte, neuerdings auch wieder Industriekaufleute, aber auch Land- oder Forstwirte. Neu ab 2019 kommt die Ausbildung zu Technischen Produktdesignern hinzu. Zudem werden Bauzeichner, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Kfz-Mechatroniker, Vermessungstechniker, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker, Elektrotechniker und Fachkräfte für Metalltechnik ausgebildet.

Die Zahl der Bewerber auf die Ausbildungsstellen hat laut Conzen nach einem Rückgang im Jahr 2017 auf 1115 junge Menschen in diesem Jahr wieder angezogen: 1421 Bewerber hatten sich für das nächste Ausbildungsjahr beworben. Die Bewerber durchlaufen ein vierstufiges Auswahlverfahren, indem sie zunächst mit einem selbst verfassten Anschreiben ihr Zeugnis vorlegen.

„Wir schauen nicht nur auf die Noten, sondern vor allem auch auf die Fehlzeiten. Die sagen viel über die Zuverlässigkeit aus“, weiß der Ausbildungschef. In einer zweiten Stufe werden die Bewerber zu einem Online-Test nach Niederaußem eingeladen. Wer den besteht, bekommt einen Termin zur persönlichen Vorstellung, „zum Interview“, wie es Conzen nennt. Zum Schluss folgen dann eine medizinische Untersuchung der Kandidaten und, wenn alle Hürden genommen sind, die Abschlüsse der Ausbildungsverträge. Und je nach dem künftigen Berufsfeld kann es auch sein, dass die jungen Leute eine Zeitlang in die RWE-Stützpunkte etwa in Essen und nach Gudremmingen in Bayern geschickt werden.

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