Rhein-Kreis: Was den Polizeiberuf so attraktiv macht. Personalwerberin Claudia Behrendt berichtet.

Polizist im Rhein-Kreis Neuss : Ein Beruf, der nur im Team funktioniert

Claudia Behrendt ist Oberkommissarin und Personalwerberin für die Polizei im Rhein-Kreis. Sie spricht über die Ausbildung und erklärt, was auch für sie den Polizeiberuf so spannend und abwechslungsreich mache.

Wenn Claudia Behrendt heute noch einmal den Berufsweg zur Polizei einschlagen würde, würde dieser ganz anders aussehen als zu ihrer Zeit als Anfängerin. „Damals gab es noch den Mittleren Dienst“, erklärt die 45-Jährige. Für diesen konnte sich die gebürtige Mönchengladbacherin mit ihrem Realschulabschluss direkt bewerben. Inzwischen gibt es nur noch den Gehobenen und den Höheren Dienst. Der „gerade Weg“ dafür ist jeweils das Abitur oder Fachabitur plus einem einjährigem Praktikum oder Freiwilligem Sozialem Jahr (FSJ). „Dann gilt man als studierfähig für die Polizei.“

Wer mit dem Realschulabschluss von der Karriere in Uniform träumt, benötigt heute eine zweijährige Berufsausbildung mit erfolgreichem Abschluss und muss mindestens drei Jahre in diesem oder einem ähnlichen Beruf gearbeitet haben. „Dann kann man sich als sogenannter Berufswechsler bewerben, was durchaus häufig vorkommt“, sagt Claudia Behrendt. Dabei geht es nach erfolgreich abgeschlossenem Studium zunächst immer um den Bereich „Gefahrenabwehr und Einsatz“, also das, was früher Schutzpolizei hieß. Wer etwa vom Streifendienst zur Kripo wechseln möchte, muss sich bewerben. Freie Stellen werden ausgeschrieben.

Die Polizeioberkommissarin kennt sich bestens aus mit den Karrieremöglichkeiten. Seit rund vier Jahren ist sie Personalwerberin für die Polizei im Rhein-Kreis Neuss. In dieser Position ist sie unter anderem in Schulen und auf Jobmessen unterwegs, führt Schülerpraktika durch und betreut die Bewerber für den Dienst in NRW in ihrer Region. Rund 10.500 Bewerbungen zählten die Behörden an Rhein und Ruhr für das Jahr 2019, rund 70 Prozent waren Männer. 2500 Polizeischüler wurden letztlich zum 1. September eingestellt. „Diese Zahl ist auch für das kommende Jahr geplant“, sagt Behrendt. Wer seine Unterlagen zum Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten nach Münster schickt oder mailt, muss vieles beachten. Nur einige Beispiele: Das 37. Lebensjahr darf bei Einstellung noch nicht vollendet sein. Eine EU-Staatsbürgerschaft ist keine zwingende Voraussetzung, „Ausnahmen sind durchaus möglich“, betont die Personalwerberin. Die körperliche Leistungsfähigkeit muss nachgewiesen werden und zwar mindestens mit dem Deutschen Sportabzeichen in Bronze. Bis zum 1. Juli muss es in Münster vorliegen. Gefragt sind dabei Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Schwimmen muss noch einmal gesondert unter Beweis gestellt werden. Und mit „Seepferdchen“ kommt man nicht weit: „Entweder das Deutsche Schwimmabzeichen in Gold oder den DLRG-Rettungsschwimmer in Bronze“, zählt Claudia Behrendt auf. Weitere wichtige Punkte sind ein Führerschein Klasse B auf Schaltgetriebe – und natürlich eine „weiße Weste“. „Vorstrafen sollte man möglichst keine haben.“

Die Mindestgröße liegt bei 1,63 Meter, und zwar sowohl für Frauen als auch für Männer. Wie sieht es mit (sichtbaren) Tattoos bei der Polizei aus? Ein Thema, das es immer wieder in die Schlagzeilen schafft. „Jede Tätowierung ist eine Einzelfallentscheidung“, erklärt Claudia Behrendt. Seit einiger Zeit existiert dafür eine eigene „Körperschmuck-Kommission“, die letztlich das „Okay“ gibt oder aber den Daumen senkt. Ganz wichtig ist der Personalwerberin die Persönlichkeit. „Die Polizei braucht teamfähige Leute.“ Einzelgänger, gar „Rambos“, seien fehl am Platz.

Arbeiten, wenn andere feiern oder schlafen, brenzlige, ja lebensgefährliche Situationen und nicht zuletzt der mangelnde Respekt gegenüber Ordnungshütern, von dem immer wieder zu lesen und zu hören ist – warum tun Menschen sich das an? Am Geld allein kann es vermutlich nicht liegen, Berufseinsteiger bekommen etwas mehr als 30.000 brutto im Jahr.

„Es ist nach wie vor ein besonderer Beruf, der viele Menschen anspricht“, weiß Claudia Behrendt. Hinzu komme die Sicherheit des Beamtenstatus. An den Schichtdienst müsse man sich gewöhnen, gibt sie zu, aber „Familie und Privatleben sind mit dem Beruf dennoch kompatibel“. Sie selbst hat zwei Kinder großgezogen und leidenschaftlich Handball im Verein gespielt.

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