Rhein-Kreis: Rinkert mit 82 Prozent zum Chef der Kreis-SPD wiedergewählt

Kreisparteitag der SPD in Grevenbroich : 82 Prozent für Rinkert als SPD-Chef im Kreis

Beim Kreisparteitag wurde der 31-jährige Daniel Rinkert in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Gastredner war Thomas Kutschaty, der sich jedoch nicht eindeutig zu seiner Bereitschaft, SPD-Bundesvorsitzender zu werden, äußerte.

Alter und neuer Chef der Kreis-SPD ist und bleibt Daniel Rinkert. Das ergab die Wahl Samstag in der Zehntscheune. 82 der 100 Deligierten stimmten für den 31-jährigen Grevenbroicher.

Vor den Wahlgängen erlebten SPD-Mitglieder und Gäste eine abwechslungsreiche Versammlung mit inspirierenden Redebeiträgen. Insbesondere das Grußwort von Thomas Kutschaty, Ex-NRW-Justizminister und jetziger Fraktionsvorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, war gespannt erwartet worden. Würde er sein Interesse an dem nicht gerade begehrten, nach dem Rücktritt von Andrea Nahles verwaisten Vorsitz der Bundes-SPD erklären? Doch hielt sich Kutschaty bedeckt, wenngleich er sich mit massiver Kritik an den sechs Stellvertretern von Nahles übte und über den Bundesvorsitz urteilte: „Das ist kein Job, um den man sich unbedingt reißen muss. Aber es ist nicht gut zu sagen: Ich mache es auf keinen Fall. Das ist nicht motivierend. Und wenn alle sechs Stellvertreter sagen, ‚Ich mache es nicht‘, dann suchen wir in der SPD eher einen Insolvenzverwalter und nicht einen Vorsitzenden“, sagte er. Er sieht durchaus eine Zukunft für die SPD, „wenn wir uns nicht mit taktischen Fragen, sondern mit inhaltlichen beschäftigen.“ Dazu gehören für ihn eine sinnvolle Arbeitsmarktpolitik, ein gestärkter Sozialstaat, vernünftige Auskömmlichkeit im Alter und ein gerechtes Steuersystem.

Konkreter als Kutschaty wurde später der designierte SPD-Landratskandidat Andreas Behncke. Er sprach die Wohnungsnot im Rhein-Kreis Neuss an, bis 2030 fehlen etwa 5.000 Wohnungen. Verantwortungslos schiebe der amtierende Landrat das Problem auf die lange Bank. Das Thema Strukturwandel stellte Grevenbroichers Bürgermeister Klaus Krützen in seinem Beitrag in den Fokus. „Er kommt nicht in den nächsten 20 Jahren, sondern in den nächsten drei“, mahnte er. Es gehe darum, den Verlust hochwertiger Arbeitsplätze zu kompensieren, wenn der Ausstieg aus der Braunkohle in Fahrt komme. Seine Überzeugung: „An jedem RWE-Arbeitsplatz hängen zwei bis drei andere, deren Verlust uns Sorgen bereitet.“

Wie seine Vorredner regte Rinkert an, trotz aller Schlappen und Klatschen bei der jüngsten Wahlen den Blick nach vorne zu richten, auch wenn er sich eine Bemerkung zu den letzten innerparteilichen Querelen nach den Rücktritten altgedienter Genossen nicht verkneifen konnte. „Aber statt dann unsere sozialdemokratische Familie in diesen ohnehin schon unruhigen Zeiten zu verlassen, unterstützt man mit seiner Erfahrung die neuen Familienmitglieder. Das nennt man Solidarität.“

Die SPD im Rhein-Kreis Neuss, mit ihren Ortsvereinen, Stadtverbänden, Arbeitsgemeinschaften, Fraktionen und vier Bürgermeistern gehöre zu den aktivste Kreisverbänden in NRW. „Mit unseren innovativen Aktionen und Konzepten sind wir Vorbild für andere Kreisverbände und Unterbezirke.“ Jeder habe die Verantwortung, dass die Zukunft der SPD wieder erfolgreich werde, fuhr Rinkert fort. „Wir kommen dahin, wo die Menschen sind. Das stärkt und festigt unseren Ansatz, die Kümmererpartei zu sein.“ Der neue Kreisvorstand wird noch mehr denn je das Gespräch mit Institutionen im Rhein-Kreis Neuss suchen. Lange Linien heiße das Konzept. „Das heißt, wir denken über den Tag hinaus. Das heißt, wir sind immer präsent, immer ansprechbar und wir setzen die Themen.“ Die SPD werde sich auf wenige Themen fokussieren, auf Themen, die sich um die Soziale Gerechtigkeit drehen. „Dieses Thema ist unser Markenkern.“

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