Rhein-Kreis plant lokales Bündnis für Pflegeausbildung

Pflegepersonal-Mangel : Kreis plant lokales Bündnis für Pflegeausbildung

Im Rhein-Kreis soll ein lokales Bündnis für Pflegeausbildung geschaffen werden. Dazu hatte Kreisdirektor Dirk Brügge zum ersten „Runden Tisch Pflegeausbildung“ eingeladen.

Über 50 Vertreter von Pflegeheimen, Tagespflegen, ambulanten Pflegediensten, Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Krankenhäusern, der beiden im Kreis ansässigen Ausbildungsinstitute sowie der Bundesagentur für Arbeit und des Jobcenters waren ins Grevenbroicher Kreishaus gekommen.

Brügge sagte, dass der Mangel an Pflegepersonal ein bundesweites Problem darstelle: „Das werden wir im Rhein-Kreis Neuss nicht allein lösen, aber wir wollen alle Kräfte vor Ort noch einmal bündeln, um zu versuchen, die Situation lokal zu verbessern.“

„Der öffentlichen Vorstellung einer angeblich schlechten Bezahlung von Pflegekräften müssen wir entgegenwirken“, erklärte Paul Neuhäuser, Vorsitzender der Geschäftsführung der St.-Augustinus-Gruppe“. Ausbildungskräfte in der Pflege verdienten schließlich bereits ab dem ersten Ausbildungsjahr bis zu 1200 Euro. Viele der Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen aus dem Kreisgebiet forderten den Blick nach vorn auf die sogenannte generalistische Ausbildung im Pflegebereich, die ab 2020 bundesweit startet. Diskutiert wurde auch über die Rahmenbedingungen in der Pflege und über die Notwendigkeit flankierender Maßnahmen während der Zeit der Berufsausbildung.

So wurde im gemeinsamen Austausch deutlich, dass etliche Auszubildende die bereits begonnene Lehre abbrechen, weil es an der erforderlichen Kinderbetreuung fehlt. Zu dieser Thematik wollen sich die Kreisverwaltung, die Bundesagentur für Arbeit und das Jobcenter, vertreten durch Ulrich Hartz, in den nächsten Monaten austauschen. Johannes Knacke von der Zentrale der Alloheim-Senioren-Residenzen wies auf die langwierigen und bürokratischen Abläufe bei der Anerkennung ausländischer Pfleger hin. Diese gelten in Deutschland so lange als Hilfskräfte, bis über die zuständige Bezirksregierung eine entsprechende Anerkennung der im Ausland erworbenen Ausbildung erfolgt ist. Dort besteht einvernehmlich Verbesserungsbedarf.

Bis zum Sommer will Brügge die wesentlichen Aspekte aufgreifen und in kleinen Arbeitsgruppen vertiefen, um dann zu einem zweiten Runden Tisch einzuladen. Für Mittwoch, 17. April, hat das Pro-Pflege-Selbsthilfenetzwerk zum Pflegetreff in den Kontakt Erfttal an der Bedburger Straße 57 in Neuss-Erfttal eingeladen. Von 15 bis 17 Uhr ist eine Podiumsdiskussion zum Thema „Pflegenotstand auflösen und Unterstützung der ambulanten Versorgung durch Quartiershilfen gestalten – jetzt!“ geplant, die von Heinz Sahnen, Werner Schell und Karsten Mankowsky moderiert wird. Auf dem Podium sitzen an diesem Nachmittag Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege, Tanja Segmüller, Professorin für Alterswissenschaften, Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre und Marcus Jogerst-Ratzka, Heimleiter und Leiter eines Pflegedienstes. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke wird ein Grußwort sprechen. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Info-Stände sind ab 14 Uhr geöffnet.

(NGZ)
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