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Rhein-Kreis Neuss vergibt zwei Stipendien an Abiturienten mit Migrationshintergrund

Auszeichnung : Rhein-Kreis vergibt zwei Hochschul-Stipendien an Abiturienten mit Migrationshintergrund

Yomna Mohamed und Ricardo Jordan heißen die beiden Abiturienten, die für ihr geplantes Studium das Stipendium für Migranten des Rhein-Kreises bekommen. Mit 300 Euro pro Monat werden die beiden unterstützt.

Yomna Mohamed (19) hat ihr Abitur am Quirinus-Gymnasium in Neuss mit der Note 1,5 abgeschlossen, Ricardo Jordan (20) sein Abitur am Leibniz-Gymnasium in Dormagen mit 1,7. Auf ihren sehr guten Abschluss können beide stolz sein – vor allem angesichts der Tatsache, dass sie vor wenigen Jahren noch kein Deutsch sprechen konnten. Yomna kam 2016 aus Ägypten nach Neuss, Ricardo 2017 aus Venezuela. Für das geplante Studium erhält jeder von ihnen künftig 300 Euro im Monat: Mit diesem Stipendium des Rhein-Kreises werden junge Menschen mit Migrations-Hintergrund unterstützt, die sich sozial engagieren und gute Noten haben.

„Unsere Stipendiaten sollen anderen jungen Migranten Mut machen und ihnen zeigen, dass man etwas erreichen kann, wenn man sich anstrengt“, sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Bewerben können sich Abiturienten, die im Alter von mindestens sechs Jahren ohne deutsche Staatsbürgerschaft nach Deutschland eingewandert sind und seit mindestens drei Jahren im Rhein-Kreis leben.

Yomna Mohamed freut sich sehr darüber, dass die Wahl der Jury auf sie gefallen ist. Mit 15 Jahren kam sie mit ihren Eltern, beide Ingenieure, aus Kairo nach Deutschland. Im Integrationskursus am Quirinus-Gymnasium lernte sie Deutsch und half dort später anderen jungen Neuankömmlingen: „Es ist wichtig, dass man zu Anfang viel Unterstützung bekommt“, erklärt sie. „Ich weiß ja, wie man sich fühlt, wenn man die Sprache noch nicht versteht.“ Ab dem Herbst möchte sie in Aachen Informatik studieren und hofft nun, einen Platz zu bekommen. Das Leben in Deutschland gefällt ihr gut – vor allem, „weil hier jeder seine Meinung frei äußern kann“. Auch Ricardo Jordan hat sich bestens eingelebt. Vor drei Jahren kam er ohne seine Eltern nach Deutschland: „Meine Schwester war damals als Au-Pair hier – und ihre Gastfamilie bot mir an, ebenfalls bei ihnen zu wohnen und das Abitur zu machen“, berichtet er. Inzwischen lebt er in einer anderen Gastfamilie – bei Familie Happ in Dormagen. Nach Venezuela zurückzukehren kann er sich nicht mehr vorstellen: „Ich habe hier viele Schutzengel und gute Freunde, und inzwischen leben auch meine Eltern in Deutschland.“ Schon als kleiner Junge wusste Ricardo, dass er einmal Arzt werden möchte. Leider reicht seine Abi-Note nicht aus, um direkt mit dem Medizinstudium starten zu können, und so muss er zunächst eine Warteschleife einlegen. Wie er die Zeit am sinnvollsten überbrücken wird, steht noch nicht ganz fest. An der deutschen Sprache, die er genauso wie Yomna inzwischen fließend beherrscht, mag Ricardo vor allem die Redewendungen, von denen er jede Menge beherrscht – von „aus dem Nähkästchen plaudern“ bis „Wir werden das Kind schon schaukeln.“

Bereits zum elften Mal vergibt der Kreis in diesem Jahr das Hochschul-Stipendium für Migranten. Eva Schmitt-Roth, Projektleiterin von Beginn an, freut sich besonders darüber, dass viele der bislang geförderten jungen Frauen in technischen Berufen Fuß fassen konnten.