Rhein-Kreis Neuss: Strukturwandel braucht Ideen – und Tempo

Neusser Woche: Strukturwandel braucht Ideen – und Tempo

Strukturwandel ist ein Dauerthema seit Jahrzehnten – jetzt braucht es innovative Konzepte und mehr Entschlossenheit.

Eine neue Ansiedlungs- und Vermarktungsstrategie soll helfen, den drohenden Stellenabbau im Energiesektor des Rhein-Kreises auszugleichen. „Als ,ansiedlungs-mögliche’ Branchen werden Unternehmen aus folgenden Sparten genannt: Spezial-Logistik, Energietechnik, Umweltschutz, Umwelttechnologien und Recycling, Elektronik, Biotechnologie, Dienstleister aus der Datenverarbeitung, Maschinenbau, Baugewerbe und Autozulieferer“, Zitat Ende. Zu lesen war es im Januar 2002 in unserer Zeitung. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos hatte gerade ein entsprechendes Gutachten im Grevenbroicher Stadtrat vorgestellt. Was lernen wir daraus 6148 Tage später? Die Diskussion um den Strukturwandel, die jetzt in Erwartung der Ergebnisse der Kohle-Kommission in Berlin fast stündlich an Schärfe gewinnt, ist weder neu, noch haben sich die grundlegenden Lösungsansätze großartig verändert. Der Treffer aus dem NGZ-Archiv war übrigens ein Zufallsfund – mahnende Stimmen, die dazu raten, frühzeitig Alternativen zu Jobs in Bergbau und Kraftwerken zu schaffen, finden sich auch schon viel früher. Natürlich hat sich die Wirtschaftsstruktur in der Region in den vergangenen Jahrzehnten verändert, dafür steht schon der Boom der Logistik. Die Selbstheilungskräfte des Marktes allein werden aber nicht reichen, um Strukturbrüche zu verhindern. Das vom Rhein-Kreis angeschobene Projekt „ALU-Valley 4.0“ als Startschuss für eine dauerhafte Vernetzung von Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen im Bereich der Aluminium- und Metallindustrie ist insofern mit Sicherheit ein Musterbeispiel, das die Region – vorausgesetzt, das Projekt wird wirklich realisiert – nach vorn bringen könnte. Bitte mehr davon – und gern auch etwas schneller in der Umsetzung. Auch wenn es noch Jahre dauern wird, bis die Braunkohlebagger wirklich stillstehen: Die Zeit ist zu knapp für weitere jahrzehntelange Diskussionen.