Kampf gegen Betrugsmaschen Polizei-Kampagne mit Promifaktor

Rhein-Kreis · Reisende Dachdecker, Mitleidsbetrug oder Enkeltrick – diese Betrugsmaschen haben eins gemeinsam: Sie richten sich alle gegen ältere Menschen. Um den Betrügern zuvorzukommen, stellte die Polizei eine neue Präventionskampagne vor. Unterstützung gibt es dafür von Prominenten.

 Am Mittwoch präsentierten Initiatoren, Unterstützer und Prominente gemeinsam die neue Kampagne

Am Mittwoch präsentierten Initiatoren, Unterstützer und Prominente gemeinsam die neue Kampagne

Foto: Dieter Staniek

Er hat es selbst erlebt: „Hallo, hier spricht die Polizei. Ihre Tochter hatte einen Verkehrsunfall. Sie hat eine schwangere Frau überfahren. Sowohl die Dame als auch ihr ungeborenes Kind sind verstorben.“ Mit ihrer gemeinsamen Tochter könnten sie nicht sprechen; sie säße in Untersuchungshaft und könne nur gegen Zahlung einer Kaution entlassen werden. So ähnlich sei das Telefonat im Februar letzten Jahres verlaufen, erzählt der betroffene Herr. Das Ehepaar hat daraufhin eine Summe im höheren fünfstelligen Bereich an die Betrüger gezahlt, die sich am Telefon als ihre gemeinsame Tochter ausgegeben hatten. Als das Paar bemerkte, Opfer einer perfiden Betrugsmasche geworden zu sein, erstatteten sie Anzeige bei der Polizei.

„Doch dann ist es meistens schon zu spät“, berichtet Christian Kampa, Leiter der Direktion Kriminalität. Besonders ältere Menschen hätten noch immer großes Bargeldvermögen zu Hause. Wenn sie Opfer eines solchen Betrugs werden, gingen häufig große Beträge für die eigene Altersvorsorge oder Unterstützung für die eigenen Kinder und Enkel verloren. Folge sei dann häufig große Scham, berichtet Kampa. Viele Betroffene wollten Familie und Angehörigen gar nicht von dem Vorfall erzählen; die Polizei vermutet daher auch eine große Dunkelziffer.

Prävention sei in diesen Fällen wichtig. Die Polizei im Rhein-Kreis hat die gestiegenen Fallzahlen der Straftaten zum Nachteil von Senioren daher zum Anlass genommen, eine Präventionskampagne zu entwickeln. Vorgestellt wurden die Kampagne und ihre Botschafter am Mittwoch.

Mit dabei: Nici Kempermann von Kempes Finest und die Karnevalsband „Räuber“. Frontmann Sven West zeigt sich stolz, die Kampagne durch die Unterstützung der Band voranzutreiben: „Wir erreichen auf unseren Social-Media-Kanälen eine Followerschaft im sechsstelligen Bereich.“ Außerdem wisse er um die Relevanz der Kampagne: „Bei meinen Großeltern gab es vor Jahren einen ähnlichen Fall. Solche Geschichten passieren.“

Unterstützt wird die Kampagne auch von anderen Prominenten: Fernsehkoch Horst Lichter, Rita Süssmuth, ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages, Handballer Sören Steinhaus und Fernsehmoderator Wolfram Kons leihen der Kampagne ihr Gesicht. Die Polizei des Rhein-Kreises plant auch eine Verbreitung über andere Wege: „Überall, wo wir ältere Menschen erreichen. Ob Vereinszeitung, Kirchenjournal oder Brötchentüten. Wenn Sie irgendwo Platz für uns finden, denken Sie an uns“, bittet Kampa.

Besonders zu schaffen mache der Polizei die „perfekte Logistik“ am anderen Ende der Leitung, erklärt Kampa. Die Täter säßen häufig im osteuropäischen Ausland und steuern Fahrer und Boten vor Ort. Sie seien außerdem sehr erfinderisch, in der Entwicklung ihrer Maschen. In dem Moment, in dem ein System zu erkennen ist und die Polizei die Bevölkerung warnen kann, ist die Masche schon wieder Schnee von gestern.

Näher dran an den Senioren und Seniorinnen seien ihre Kinder und Enkelkinder. Die Polizei bittet daher um Mithilfe: die Bevölkerung solle das Gespräch mit Senioren suchen und Aufklärungsarbeit leisten. Die wichtigste Botschaft sei laut Stephanie Pampel von der Polizei im Rhein-Kreis daher: „Wenn jemand versucht, Sie am Telefon unter Druck zu setzen, legen Sie erst mal auf.“ Im Zweifelsfall sollen Betroffene dann versuchen, den vermeintlichen Angehörigen unter der ihnen bekannten Nummer zu erreichen. Denn: das wichtigste sei den Tätern, die telefonische Verbindung zu ihren Opfern aufrechtzuerhalten. Sie üben häufig enormen Druck auf ihre Opfer aus. Das gelingt ihnen beispielsweise, indem sie sich als Polizist, Staatsanwalt oder Richter ausgäben, erklärt Kampa. Viele Betrugsfälle ließen sich verhindern, indem die Opfer die betreffenden Angehörigen anrufen würden. Denn dann wird klar: Es gab keinen Autounfall und es ist auch keine Zahlung einer Kaution nötig. Außerdem betont Claudia Suthor, Sprecherin der Polizei: „Die Polizei ruft nicht unter der 110 an.“