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Rhein-Kreis Neuss: Kreishandwerkerschaft verabschiedet Paul Neukirchen

Hauptgeschäftsführer mit Wurzeln im Rhein-Kreis Neuss : Paul Neukirchen geht in Ruhestand

Am 31. Januar endet eine Ära bei der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Dann hat Hauptgeschäftsführer Paul Neukirchen seinen letzten Arbeitstag. 1980 trat der gebürtige Kaarster in die Fußstapfen seines Vaters Josef.

Zum Ende seiner Amtszeit gibt es für Paul Neukirchen noch einmal eine kleine Baustelle. Ein Wasserschaden muss in der Krefelder Verwaltung der Kreishandwerkerschaft Niederrhein behoben werden, draußen auf den Gängen in der vierten Etage des Gebäudes surren Raumentfeuchter. Einige Mitarbeiter mussten daher vorübergehend aus ihren Büros ausziehen, Neukirchen konnte sie anderweitig unterbringen. In seinem Büro hingegen scheint alles beim Alten – fast. Nur ein kleiner Karton auf dem Boden verrät, dass bald eine Ära endet. Ende des Monats geht Paul Neukirchen in Ruhestand, die ersten Sachen hat er schon gepackt. An seinen Nachfolger Marc Peters übergibt Neukirchen ein gut bestelltes Feld. Und eines hat er von seinem Vater gelernt: loslassen.

1980 wurde Paul Neukirchen mit gerade mal 26 Jahren Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Neuss. Der gebürtige Kaarster war damals der jüngste Geschäftsführer einer Kreishandwerkerschaft in Deutschland. Er hatte ein BWL-Studium als Diplom-Betriebswirt abgeschlossen und schloss gerade ein Jura-Studium an, nun kam der Beruf dazu. „Anfangs bin ich noch zwischen Büro und Universität gependelt“, sagt Paul Neukirchen. „Aber irgendwann musste ich eine Entscheidung fällen, und ich habe mich für den Beruf entschieden.“ Rückblickend fügt er hinzu: „Es war eine gute Entscheidung.“

Die Haare etwas länger, das Lächeln ist geblieben: So sah Paul Neukirchen Anfang der 1980er Jahre aus. Foto: Neukirchen

Paul Neukirchen, der heute mit seiner Frau in Hülchrath lebt und drei Söhne hat, hat die Geschicke der Kreishandwerkerschaft fast vier Jahrzehnte lang mitgestaltet und dafür gesorgt, dass deren Geschichte über einen noch längeren Zeitraum eng mit dem Namen seiner Familie verknüpft ist. Er trat damals die Nachfolge seines Vaters Josef an. „Das gibt es im Bereich der Handwerkskammern beziehungsweise Kreishandwerkerschaften immer mal wieder“, sagt Paul Neukirchen. In die Ferne schweifen braucht man für ein Beispiel nicht, ein Blick nach Düsseldorf reicht: Dort folgte Wolfgang Schulhoff 2003 auf seinen Vater Georg Schulhoff als Präsident der Handwerkskammer.

Paul Neukirchen war in seiner Amtszeit an wichtigen Entscheidungen beteiligt. 2009 fusionierten die Kreishandwerkerschaften Neuss, Krefeld und Viersen. Die Kreishandwerkerschaft Niederrhein entstand mit Paul Neukirchen als Hauptgeschäftfsührer. Der neue Zusammenschluss vertritt heute rund 14.500 Mitgliedsbetriebe mit mehr als 50.000 Beschäftigten. Insgesamt sind es 41 Innungen, der Jahresumsatz der Mitgliedsbetriebe betrug zuletzt 5,6 Milliarden Euro. „Die Fusion war damals die richtige Entscheidung, um für die Zukunft fit zu sein“, sagt Neukirchen.

Noch erinnern die beiden Geschäftsstellen in Krefeld und Neuss an die einst eigenständigen Kreishandwerkerschaften. Das wird sich jedoch bald ändern. In Krefeld-Fichtenhain soll eine neue Zentrale entstehen, entsprechende Absichtserklärungen sind gefasst. Es wird die erste große Baustelle für Neukirchens Nachfolger Marc Peters sein. Das Gebäude in Neuss will die Kreishandwerkerschaft halten, unklar ist allerdings noch, was dort geschieht. Das Bildungszentrum wird in Neuss bleiben.

Am 31. Januar hat Paul Neukirchen seinen letzten Arbeitstag. Für den Ruhestand hat er bereits Pläne. Mit seiner Frau hat er eine Mittelamerika-Kreuzfahrt gebucht, weitere Reisen sollen folgen. Zudem möchte er wieder Schlagzeug spielen. „Jazz und Beat“, sagt der 64-Jährige. „Und ein ambitionierter Handwerker bin ich auch.“