Rhein-Kreis Neuss: IHK appelliert an Kohlekommission

Strukturwandel betrifft die Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss: Ein Appell an die Kohlekommission

Die Chefs von drei Industrie- und Handelskammern haben mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und Unternehmensvertretern über die Arbeit der Kohlekommission diskutiert. Energieversorgung ein zentrales Thema.

Die Sorge ist groß. Die energieintensive Aluminiumindustrie zum Beispiel blickt gespannt darauf, welchen Plan zum Ausstieg aus der Kohleverstromung die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung („Kohlekommission“) bis zum Jahresende vorlegt. Erst kürzlich hatte Volker Backs, Geschäftsführer Hydro Aluminium Deutschland, bei einem Treffen mit Stefan Körzell, Mitglied der Kohlekommission, am Standort Neuss betont, dass die „industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland nicht weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren“ dürften. Das müsse die Kommission sicherstellen.

Jetzt haben sich die Präsidenten der Industrie- und Handelskammern im Rheinischen Revier mit einem Appell an die Kohlekommission gewandt. Tenor: Es müsse dafür gesorgt werden, dass auch künftig eine Versorgung der Unternehmen mit Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen gewährleistet werde. Elmar te Neues, Präsident der IHK Mittlerer Niederrhein, Werner Görg (IHK Köln) und Wolfgang Mainz (IHK Aachen) hatte gemeinsam mit Unternehmensvertretern und NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) in Düsseldorf über die Arbeit der Kommission diskutiert.

Die Wirtschaft ist alarmiert, da ungeklärt ist, wie – und zu welchen Kosten – die Stromversorgung nach dem Ende der Braunkohle sichergestellt werden soll. Zentrale Fragen seien offen. Die IHK Mittlerer Niederrhein listet einige davon in einer Mitteilung auf: Wann werden neue Stromleitungen für eine Versorgung der Region mit regenerativem Strom zur Verfügung stehen? Werden neue Gaskraftwerke in der Region gebaut? Können diese Bauprojekte durch vereinfache Planverfahren beschleunigt werden? Und: Wie kann der preistreibende Effekt durch diese Projekte gedämpft werden? „Die Klärung dieser Fragen ist für die gesamte Region essenziell, weil unsere Wirtschaft weitaus mehr als andere Regionen von einer sicheren Energieversorgung abhängig ist“, betont Elmar te Neues.

  • Klimaschutz : Kohlekommission ringt um Ausstiegsdatum

Laut eines von den drei Kammern im Juni vorgelegten Gutachtens liegt der Anteil der energieintensiven Industrien an der Wertschöpfungskette des verarbeitenden Gewerbes in der Region bei 29 Prozent. Das ist weit über dem NRW-Landesdurchschnitt (21 Prozent) und dem Bundesdurchschnitt (15 Prozent). Von den energieintensiven Unternehmen hängen laut Gutachten über vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen in der Region 125.200 Beschäftigte ab. Bundesweit seien es sogar 324.500 Beschäftigte.

Mit Blick auf diese Zahlen sei es wichtig, zunächst die energiepolitischen Bedingungen festzuzurren, unter denen ein Ausstieg aus der Kohle gelingen könne. „Für uns stehen diese Fragen im Zentrum der Diskussion um einen Strukturwandel“, erklärt te Neues.

Die Kohlekommission hat Ende Juni ihre Arbeit aufgenommen und soll bis zum Ende des Jahres einen Plan für den deutschen Ausstieg aus der Kohlestrom-Produktion und den Strukturwandel in den Kohlerevieren vorlegen. Die Runde setzt sich aus Vertretern von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Umweltverbänden zusammen. Ziel ist es, die Verpflichtungen des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen. Dazu soll der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid reduziert werden.

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