Rhein-Kreis Neuss: IG Metall fordert mehr Qualifizierungsmaßnahmen

Digitaler Wandel im Rhein-Kreis Neuss : IG Metall: Mitarbeiter besser qualifizieren

Die Gewerkschaft sieht angesichts der Herausforderungen von Digitalisierung, Energie- und Mobilitätswende starken Nachbesserungsbedarf bei Unternehmen. IHK und Unternehmerschaft Niederrhein helfen, den Wandel zu gestalten.

Die Industriebetriebe in Neuss und Düsseldorf bereiten sich und ihre Beschäftigten nicht ausreichend auf die Herausforderungen von Digitalisierung, Energie- und Mobilitätswende vor. Zu diesem Schluss kommt die IG Metall auf Basis einer Umfrage, an der sich in Neuss und Düsseldorf Betriebsräte von 20 Unternehmen mit insgesamt 22.327 Beschäftigten aus der Metall- und Elektroindustrie, dem Stahl sowie der Textil- und Holzwirtschaft beteiligt haben. Gefragt wurde, wie die Veränderungen der Arbeitswelt eingeschätzt werden. Als Ergebnis steht eine Warnung, die IG-Metall-Geschäftsführer Karsten Kaus formuliert: „Die Unternehmen müssen dringend handeln, um den Anschluss an die technologische Entwicklung nicht zu verlieren.“

Laut Umfrage steigen in 90 Prozent der befragten Betriebe die Anforderungen an die Qualifizierung der Beschäftigten. Aber nur in fünf Prozent wird der Qualifizierungsbedarf systematisch ermittelt, in weiteren 50 Prozent immerhin teilweise. „Das ist eine große Lücke, die dringend geschlossen werden muss“, erklärt Kaus. Er bemängelt, dass die Unternehmen nicht genügend in die Weiterbildung und auch nicht genügend in die Personalplanung investieren würden. „Das wird angesichts der Wucht der Veränderungen in der Arbeitswelt dringend erforderlich.“ Politik, Arbeitsagentur und Unternehmen müssten die Veränderungen offensiv angehen.

Auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein ist der Weg in die digitale Arbeitswelt ein großes Thema. „Die Bereitschaft für den digitalen Wandel ist da, aber die Umsetzung fällt insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen teilweise nicht leicht“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Handlungsbedarf bestehe auf vielen Gebieten, zum Beispiel bei der Optimierung und Digitalisierung von Prozessen, aber auch bei der Kommunikation, der Mentalität und Einstellung der Mitarbeiter. „Es geht auch darum, eine positive und aufgeschlossene Haltung neuen Technologien gegenüber zu fördern“, betont Steinmetz. „Das ist als Prozess zu verstehen, benötigt Zeit und Investitionen und gelingt nicht immer von heute auf morgen.“

Die Basis, sich den Herausforderungen zu stellen, ist vorhanden. Laut einer Untersuchung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags sehen 67 Prozent der Unternehmen Chancen durch neue digitale Geschäftsmodelle. Die IHK unterstützt sie mit einem vielseitigen Angebot. Dazu zählen Informationsveranstaltungen, Exkursionen und Workshops zu neuen Arbeitsmethoden, unter anderem wurden gemeinsam mit Unternehmen aus der Region wie dem 3D-Druck-Experten Solidteq oder Kawasaki Robotics Best-Practice-Beispiele vorgestellt. Die IHK setzt bei ihren Angeboten auf enge Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Digital in NRW und den Innovationspartnern Niederrhein. „Unsere Angebote sind stark nachgefragt“, erklärt Steinmetz.

Auch neue Wege werden beschritten. So wurde in Zusammenarbeit mit der Rheinischen Fachhochschule (RFH) in Neuss der Zertifikatslehrgang „Digital Transformation Manager“ im integrierten Master-Studiengang „Digital Transformation Management“ aus der Taufe gehoben, um die Fachkräfteentwicklung in der Region voranzutreiben.

Auch die Unternehmerschaft Niederrhein unterstützt Firmen dabei, den Wandel zu gestalten. „Die Ziele, Ausgangslagen und Rahmenbedingungen der Unternehmen sind aber sehr unterschiedlich“, erklärt Astrid Holzhausen, Sprecherin der Unternehmerschaft Niederrhein. Die Gestaltung der Transformationsprozesse sei daher sehr individuell. „Wir als Arbeitgeberverband unterstützen die Unternehmen zum Beispiel mit Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsangeboten.“

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