1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis

Rhein-Kreis Neuss: Handwerk fordert Steuer-Erleichterung wegen Corona-Lage

Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss : Handwerk fordert Steuer-Erleichterung wegen Corona-Lage

Spitzen von Fachverbänden und Innungen an Rhein und Ruhr drängen auf schnelle Erstattung infektionsbedingter Kosten und mehr Infektionsschutz im öffentlichen Raum.

(NGZ) Die Pandemie und der erneut verschärfte Lockdown spitzen auch im Handwerk die Lage weiter zu: Jeder vierte Spitzenrepräsentant einer Innung oder eines Fachverbands aus dem Wirtschaftsbereich beurteilt die Geschäftslage in seinem Handwerksberuf aktuell mit den Schulnoten „4“ oder „5“. „Es war im Herbst offensichtlich falsch, nur einen kurzen Lockdown anzukündigen und dann dem Infektionsgeschehen durch Verlängerungen und Verschärfungen hinterherzulaufen. Die Politik muss reinen Wein einschenken und darf keine falschen Erwartungen wecken“, kommentiert der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf, Andreas Ehlert, das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der HWK nach Weihnachten unter 240 Innungsobermeistern aus ihrem Bezirk und den Spitzen weiterer 35 Landesfachverbänden des Wirtschaftsbereichs in NRW; 68 Repräsentanten haben teilgenommen; ihre Verbände vertreten zusammengenommen rund 4200 Betriebe mit circa 25.000 Beschäftigten.

Wirksame Abhilfe versprechen sich die Branchenvertreter ausweislich der Umfragedaten vor allem von Steuererleichterungen. Aber auch niedrigere Antragshürden und eine schnellere Auszahlung der Förderhilfen machen viele Spitzenrepräsentanten aus dem bedeutendsten mittelständischen Wirtschaftssektor des Landes geltend. Für jeden zweiten Verbandschef (46 Prozent) ist außerdem eine gesicherte Betreuung der Kinder der Firmenmitarbeiter von vitalem Interesse, um die Unternehmen am Laufen zu halten.

Vor allem die Fixkosten drücken die klein- und mittelbetrieblich strukturierten Firmen des Handwerkssektors in Zeiten geschmälerter Erlöse besonders heftig. Konkret sprachen sich 62 Prozent der Handwerksvertreter für eine Entlastung bei den steuerlichen Verlustrückträgen aus; 25 Prozent für bessere Möglichkeiten zur Tilgungsaussetzung bei Krediten.

Mit längerfristigem Blick auf eine wirtschaftliche Erholung – gezielt wurde nach Instrumenten gefragt, die eine Neuausrichtung von Geschäftsmodellen erleichtern würden –, mahnten die Landesinnungs- und Obermeister mit Abstand am häufigsten eine belastungsmindernde Reform der Unternehmensbesteuerung (61 Prozent) an. Ferner votiert jeder zweite Verbandssprecher für eine vollständige Absenkung des Solidaritätszuschlags. Je 36 Prozent befürworten eine dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer und eine Verkürzung der Abschreibungsfristen. Die Rückäußerungen der Obermeister verweisen außerdem darauf, wie wichtig es ist, dass staatliche Hilfe zeitnah zur Verfügung steht. 36 Prozent plädieren für niedrigere Antragshürden bei den verfügbaren Krisenprogrammen; 28 Prozent für eine beschleunigte Verfügbarkeit der Hilfsgelder.

Auch zahlreiche Einzelhinweise und politische Handlungsimpulse gaben die Befragten mit auf den Weg; sie betreffen Verbesserungen bei der Besteuerung nicht entnommener Gewinne, die Forderung nach schnelleren Baugenehmigungen und einfacheren Vergabeverfahren sowie Unklarheiten und Kommunikationsdefizite bei Quarantänefällen im Betrieb und in der Berufsschule. Ein eigenes Kapitel der Untersuchung betraf den Gesundheitsschutz in den Betrieben. 70 Prozent der Handwerksrepräsentanten drängen auf eine schnellere und unbürokratische Erstattung von infektions- und quarantänebedingten Kosten. 63 Prozent sehen es überdies als wichtig an, dass der Infektionsschutz im ÖPNV beim Weg zur Arbeit oder zum Berufskolleg verbessert wird.

(NGZ)