Rhein-Kreis Neuss: Grüne wollen 2020 zweitstärkste Kraft werden

Kommunalwahl im Rhein-Kreis Neuss : Grüne wollen 2020 zweitstärkste Kraft werden

Auf ihrer Kreismitgliederversammlung hat die Partei Christian Gaumitz zum Landrats-Kandidaten gewählt. Er formuliert klare Ziele.

Christian Gaumitz ist wild entschlossen, für seine Partei im Kreistag so viel wie möglich herauszuholen. Wenn man ihn und seine Vorstandskollegen bei der Kreismitgliederversammlung am Mittwochabend sieht und hört, scheint es, als müssten sich die anderen Parteien warm anziehen. Deutlich über 20 Prozent der Wählerstimmen sollen es laut dem Sprecher (40) der Partei bei der Kommunalwahl 2020 werden. Gaumitz geht als Landrats-kandidat seiner Partei ins Rennen. Und Grünen-Finanzchef Manfred Haag stellt schon mal klar: „Wenn wir bei der Wahl in die gestaltende Mehrheit kommen, wollen wir eine Menge Themen anpacken.“

Klimawandel, ein ausgewogenes Verhältnis von Ökonomie und Ökologie sowie der soziale Zusammenhalt bilden auch in Neuss die Agenda der Grünen. Bei lediglich acht Kreistagsabgeordneten wie bisher soll es im kommenden Jahr nicht bleiben. Der Trend in Bund und Land und jüngste Umfragen machen der Partei Mut – und sorgen für ehrgeizige Ziele. Christian Gaumitz betont: „Wir wollen bei der Kommunalwahl im Rhein-Kreis Neuss zweitstärkste Kraft werden.“ Selbstsicher bekundet der smarte Grüne: „Wir sind im Moment sehr gefragt.“

Da mag die Bundespolitik eine starke Rolle spielen, hinzu kommt das Bild, das die Große Koalition abgibt. Für Kreisgeschäftsführer Kolya Fussbahn ist jedenfalls klar, dass Bündnis 90/die Grünen bei der Wahl mit Themen punkten werde und kämpferischer Einsatz gefordert ist, um das Ziel, zweitstärkste Kraft im Kreis zu werden, zu erreichen. „Wir bekommen nichts geschenkt“, mahnt auch Manfred Haag. Eine Zusammenarbeit werde es mit allen Parteien geben. Ausdrücklich ausgeschlossen wird dabei die AfD.

In den Blick genommen werden von den Grünen unterschiedliche Politikfelder. Beispielsweise sollen die Mehreinnahmen der geplanten CO2-Steuer mit 100 Euro pro Person an die Bürger zurückgegeben werden. Auf Kreisebene soll wie überall sonst der Individualverkehr in den Städten zurückgedrängt werden. Und unter dem Stichwort Braunkohle, das gerade im Rhein-Kreis Neuss einen hohen Stellenwert hat und viele Arbeitsplätze betrifft, plädierte das Podium bei der Kreismitgliederversammlung der Grünen für den Ausbau der Industrie 4.0 in Verbindung mit einer digitalen Transformation.

Von den 270 Mitgliedern, Tendenz steigend, im Rhein-Kreis Neuss („Weitaus mehr, als wir bisher hatten“, freute sich Christian Gaumitz), war ein knappes Drittel auf der Versammlung vertreten. 74 von 84 gültigen Stimmen entschieden sich für ihn als Landrats-Kandidaten. Gaumitz nahm die Wahl an.Transparent und zügig ging es auch bei Vorstellung und Wahl der Reserveliste zu; bis zu Platz 14 wurde sie an diesem Abend mit den weiteren Aspiranten für den Kreistag besetzt. Eine Fortsetzung findet die Kandidatensuche bei den Rhein-Kreis-Grünen für die Kommunalwahl, die auf den 13. September 2020 terminiert ist, am 28. Januar, wenn die Direktkandidaten von Bündnis 90/die Grünen bestimmt werden.

Natürlich sind Parteiprogramme und Deklamationen auf der Mitgliederversammlung nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die Erwartung des anhaltenden Zuspruchs beim Wähler. Und der wird unter anderem von Stimmungen geleitet. Ein Zuviel an Klimaschutz, eine Überforderung beim Umweltschutz allgemein und ein Rückfall der Partei in Bevormundungen könnten die Stimmung umkehren lassen – und das wäre auch im Rhein-Kreis Neuss zu spüren.

Mehr von RP ONLINE