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Rhein-Kreis Neuss: Erftverband steht unter Zeitdruck bei Umgestaltung der Erft

Konzept im Rhein-Kreis : Verband unter Zeitdruck bei Umgestaltung der Erft

Das 2005 erarbeitete Perspektivkonzept Erft, das eine naturnahe Umgestaltung der Erft bis 2045 in 23 Abschnitten ab Bergheim bis zur Mündung in den Rhein bei Neuss vorsieht, ist bezüglich der Zeitachse zur Makulatur geworden.

„Dieser Zeitrahmen gilt nicht mehr“, erklärte Vorstand Bernd Bucher bei einem Gespräch in der Zentrale des Erftverbands in Bergheim.

Das 870 Millionen Euro teure Projekt, von dem bisher vier Abschnitte verwirklicht wurden, muss aller Voraussicht nach bis 2030 umgesetzt werden. Grund dafür ist der vorgezogene Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. Dadurch muss bis 2030 die Voraussetzung geschaffen werden, dass die Erft naturnah auch ohne Zulieferungen von abgepumptem Grundwasser aus dem Tagebau Hambach fließen kann. „Mit dem geplanten Ende des Tagebaus Hambach 2029 wird die Wasserführung der Erft von heute acht bis zehn Kubikmeter pro Sekunden bis zum Ende des Jahrzehnts auf drei bis fünf Kubikmeter zurückgehen“, so Bucher. Für die Wasserwirtschaft habe das unmittelbare Auswirkungen. Zum einen sei nun der Zeitraum bis zum Ende der Tagebauaktivität klar definiert: Die naturnahe Umgestaltung der Erft muss in einem Zeitraum von knapp zehn Jahren erfolgen. Zuvor muss der Erftverband die Renaturierungsflächen und vergleichbares Tauschland erwerben. „Ohne das Beschleunigen von Genehmigungsverfahren und das Bereitstellen von zusätzlichen Fördermitteln wird die Umgestaltung der Erft in dieser kurzen Zeit kaum gelingen“, erklärt Bucher.

Zum anderen ist nach Buchers Aussage das derzeit zur Aufnahme der Sümpfungswasser aus den Braunkohletagebauen begradigte und stark ausgebaute Gewässerbett für die zukünftig deutlich geringeren Wassermengen viel zu groß dimensioniert. „Um die Erft leistungsfähig und das Ökosystem Gewässer in Funktion zu halten, muss der Erftverband den Fluss zwangsläufig naturnah umgestalten“, sagt der Vorstand. Dabei seien stets die Belange des Natur- und Artenschutzes, des Bodenschutzes sowie des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Bislang sei das an vier Abschnitten erfolgt. In Bergheim-Kerpen, Bedburg, Frimmesdorf und bei Neuss-Holzheim im Bereich der Museumsinsel Hombroich sei die Erft renaturiert worden. Derzeit ist die Planung für den Abschnitt bei Neuss-Gnadental in Arbeit. Mit dem Beginn der Arbeiten rechnet der Erftverband im Frühjahr 2021.

Insgesamt drängt Bucher die politischen Entscheidungsträger zur Eile. „Je länger die Politik wartet, um so kürzer ist die Zeit, die uns für die Arbeiten bleibt.“