Rhein-Kreis Neuss: Creditreform erwartet mehr Unternehmensinsolvenzen

Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss : Mehr Firmenpleiten erwartet als 2018

Im ersten Halbjahr 2019 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zwar auf den tiefsten Wert seit 2007 gesunken. Aber die Konjunktur hat sich eingetrübt. Die Creditreform erwartet eine leichte Zunahme von Firmeninsolvenzen.

Die Creditreform Düsseldorf-Neuss hat aktuelle Zahlen zur Unternehmensinsolvenz-Entwicklung im Rhein-Kreis vorgelegt. Im Blick stehen dabei das erste Halbjahr 2019 und eine Prognose für die zweite Jahreshälfte. Zwar waren die Unternehmensinsolvenzen in den ersten sechs Monaten im Kreis leicht rückläufig. Es wurden fünf Fälle weniger verzeichnet als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das entspricht nicht nur einem Rückgang um fünf Prozent, sondern bedeutet auch den niedrigsten Wert für ein erstes Halbjahr seit 2007. Aber: Die Creditreform geht davon aus, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Rhein-Kreis im Jahresverlauf leicht auf 198 zunimmt. Das wären zwei Insolvenzen mehr als 2018 (plus ein Prozent).

Bis Ende des Jahres werden 198 Unternehmensinsolvenzen für den Rhein-Kreis Neuss prognostiziert. Grafik: Creditreform. Foto: Creditreform Düsseldorf-Neuss

Zur Einordnung: Nur vier Mal seit dem Jahr 2000 gab es weniger Firmenpleiten im Kreis. Trotz zuletzt vier Mal in Folge laut von Creditreform, Sparkasse Neuss und Rhein-Kreis publiziertem „Mittelstandsbarometer“ verzeichneter regionaler Geschäftsklima-Bestwerte nimmt der konjunkturelle Gegenwind allerdings seit geraumer Zeit zu. Dies gilt generell für die bundesdeutsche Wirtschaft. Laut Creditreform kann sich „dieser Abwärtsdruck auch in der gesamten Breite der Wirtschaft verstärken“. Die bereits im Vorjahr befürchtete Trendwende hin zu einer konjunkturellen Eintrübung werfe offensichtlich ihre Schatten.

Wie weit diese in der Region reichen, muss sich noch zeigen. Unter anderem soll das neue „Mittelstandsbarometer“, das am 18. September veröffentlicht wird, darüber Aufschluss geben. Die Frage sei, so die Creditreform, ob aus der „Konjunkturdelle“ eine „anhaltende Schwächephase“ werde. Der Optimismus der vergangenen Jahre scheint zumindest vorerst verflogen. Edgar Roumen, Geschäftsführer der Creditreform Düsseldorf-Neuss, zeigt sich daher für den weiteren Jahresverlauf eher pessimistisch: „Noch ist die Lage beim regionalen Insolvenzgeschehen vergleichsweise ruhig. Dennoch sind die Krisenzeichen nicht mehr zu übersehen.“

Auch Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, hatte erst kürzlich von einem „Alarmsignal“ gesprochen und die Politik vor Ort mit Blick auf die Kommunalwahl 2020 in die Pflicht genommen, die Weichen zu stellen, dass der Wirtschaftsstandort auch in Zukunft erfolgreich sein kann. Um den Bedarf der Wirtschaft abzuklären, startet die IHK im September eine Umfrage unter ihren 78.000 Mitgliedsunternehmen am Mittleren Niederrhein. Darunter sind 27.500 Unternehmen aus dem Rhein-Kreis. Daraus soll ein Anforderungskatalog abgeleitet werden.

Wachstum und Stabilität sind auch deshalb wichtig, weil die Wirtschaft im Rhein-Kreis auch von einer starken Regionalkonjunktur beflügelt wird. Wie die jetzt von der Creditreform vorgelegten Zahlen zur Insolvenzentwicklung zeigen, wird er von der unruhigen Weltwirtschaft bislang weniger in Mitleidenschaft gezogen als der internationale Handelsstandort Düsseldorf. Dort hat die Zahl der Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 16 zugenommen (plus zehn Prozent). Laut Prognose werden bis Ende des Jahres 364 Unternehmensinsolvenzen erwartet. 2018 waren es 330.

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