Landesweit auf Platz 5 Diskussion um Wohnungsmangel im Rhein-Kreis

Rhein-Kreis · Es ist ein Platz auf den vorderen Rängen, auf den der Rhein-Kreis Neuss nicht unbedingt stolz sein dürfte: Die Caritas hat jetzt auf aktuelle Zahlen aus der Sozialberichterstattung des Landes NRW aufmerksam gemacht.

 Landrat Hans-Jürgen Petrauschke entkräftet die Auswertung der Caritas etwas.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke entkräftet die Auswertung der Caritas etwas.

Foto: PSB/SVEN VUELLERS FOTOGRAFIE

(jasi) Daraus geht hervor: Mit 42 wohnungslosen Menschen pro 10.000 Einwohner liegt der Kreis landesweit auf Platz fünf und deutlich über dem NRW-Durchschnitt von 28 Wohnungslosen pro 10.000 Einwohner.

Nach Angaben der Caritas-Wohnungslosenhilfe fehlen vor allem kleine Wohnungen und Wohnungen für Familien ab vier Personen. „Die Vermieter haben hier die Qual der Wahl und Interessierte mit gar keinem oder geringem Einkommen, ziehen dann natürlich den Kürzeren“, sagt Kristina Teubler, kommissarische Fachbereichsleitung der Wohnungslosenhilfe. Für ihre Klienten sei es inzwischen fast unmöglich, eine Wohnung zu finden. Die Caritas verweist zudem auf eine Wohnungsbedarfsanalyse des Kreises aus 2021, dass bis 2040 im Rhein-Kreis mehr als 22.000 neue Wohnungen benötigt werden.

Dass Handlungsbedarf in dem Segment herrscht, bestreitet auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke nicht. Auf den eher unrühmlichen Platz 5 des Kreises in Bezug auf wohnungslose Menschen reagiert er jedoch entkräftend. „Ich stelle dabei einen statistischen Fehler fest“, sagt er.Die Zahlen seien mit Vorsicht zu genießen, weil einige Kommunen ihre Meldungen zu Wohnungslosenzahlen unterschiedlich handhaben – so würden in manchen Städten Personen, die in kommunalen Unterbringungseinrichtungen leben, als wohnungslos angesehen und entsprechend gemeldet – andernorts würden diese jedoch nicht dazugerechnet, was die Gesamtstatistik weniger aussagekräftig mache.

Dementsprechend spricht Petrauschke von „keiner Horrormeldung“, betont jedoch, dass es im sozialen Wohnungsbau weiterhin Potenziale zu erschließen gilt. „Vor allem dauerhafte, preiswerte Wohnungen gibt es zu wenig – das ist ein landesweites Problem“, so Petrauschke.