Rhein-Kreis: Landwirt aus Bösinghoven sagt Glyphosat den Kampf an

Landwirt in Bösinghoven sucht nach Glyphosat-Alternativen : Weniger Chemie, mehr Physik fürs Feld

Ein Landwirt aus Bösinghoven hackt das Unkraut auf den Feldern mit großen Maschinen aus dem Boden, statt Glyphosat zu spritzen. Die Kreisbauernschaft setzt derweil weiter auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel.

Zu sagen, dass Glyphosat in Deutschland ein Imageproblem hat, wäre vermutlich stark untertrieben. Das Unkrautvernichtungsmittel, bekannt durch ein Produkt der Bayer-Tochter Monsanto, hat hierzulande bei vielen einen extrem schlechten Ruf. Inzwischen reagieren Städte mit Verboten. In Neuss macht die Verwaltung Landwirten, die städtische Flächen gepachtet haben, den Verzicht auf Glyphosat zur Auflage. Das bedeutet, dass Flächen öfter manuell bearbeitet werden müssen.

Genau das spielt André Dülks aus Bösinghoven und seinem Startup Dulks (aufgrund der internationalen Ausrichtung bewusst ohne Umlaut) in die Karten. Die GmbH hat eine „abrasive Hacke“ entwickelt, um Unkraut auf dem Feld ohne Chemie zu Leibe zu rücken. Für seine „Abrah“ erhielt das Unternehmen den ersten Preis in einem Gründerwettbewerb (die NGZ berichtete). Anfragen kommen inzwischen aus vielen europäischen Ländern. Die Methode „hacken statt spritzen“ kommt offenbar sehr gut an. „Die Nachfrage hat sich in den vergangenen Jahren extrem verschoben“, berichtet der 32 Jahre alte Unternehmensgründer. Wären in der Anfangszeit fast ausschließlich Bio-Bauern an der neuen Maschine interessiert gewesen, meldeten sich heute vor allem konventionelle Betriebe. Die Umsatzkurze zeigt nach oben. „Das hängt unmittelbar mit den wachsenden Vorbehalten gegen Glyphosat zusammen“, ist sich Dülks sicher.

Ein Verbot ist nach seiner Aussage „ein großer Einschnitt für die Bauern“. Denn das Herbizid funktioniere nachweislich gut und sei verhältnismäßig preisgünstig. „Ohne Glypphosat werden einige Bauern auf andere chemische Pflanzenschutzmittel ausweichen, die oftmals teurer sind und nicht so wirksam“, so André Dülks. „Das ist auf der einen Seite unwirtschaftlich und bedeutet auf der anderen Seite, dass vielleicht sogar noch mehr Chemie aufs Feld aufgebracht wird.“ Wenig überraschend, wirbt der Unternehmer daher für eine Umstellung auf mechanische Unkrautbekämpfung.

Im Gegensatz zu André Dülks ist Wolfgang Wappenschmidt mit der Entwicklung bei Glyphosat überhaupt nicht zufrieden. Man vertrete eine „grundsätzlich andere Position“, sagt der Korschenbroicher, der als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss/Mönchengladbach auch für viele Kollegen spricht. Der Landwirt verweist auf wissenschaftliche Studien. Zudem komme Glyphosat ausschließlich auf Brachflächen  vor dem Anbau zum Einsatz und werde nicht über wachsenden Kulturen versprüht.

Und die Insekten? „Glyphosat ist ein Herbizid. Es vernichtet also ausschließlich Unkraut und ist daher ungefährlich für Bienen und Co.“, sagt Wappenschmidt. Gegner des Herbizids würden in ihrem „Kampf gegen Pflanzenschutzmittel“ die Argumentation in teils unlauterer Weise verkürzen. Damit meint der Landwirt vor allem die unbestreitbare Tatsache, dass weniger Wildwuchs weniger Lebensraum und Nahrungsquellen für Insekten bedeuten. „Doch denselben Effekt, und das wird oft verschwiegen, hat man auch bei einer mechanischen Bekämpfung.“ Er halte die Diskussion für übertrieben. Mehr noch: Glyphosat sei für manche Agrar-Bereiche unverzichtbar. „Das Mittel ist nach wie vor zugelassen. Daher verstehen wir nicht, warum es auf städtischen Flächen nicht zum Einsatz kommen darf.“