Rhein-Kreis: Integrationsprojekt "CareMigration" bringt Migranten und Deutsche zusammen

Integration im Rhein-Kreis : Als „Tandem“ Neues entdecken

Das Integrationsprojekt „CareMigration“ bringt Migranten und Deutsche zusammen. Nach einem sogenannten interkulturellen Training bilden sich Tandems, die ihre Freizeit miteinander verbringen und so voneinander lernen.

Heike Frank erfreut sich jeden Tag an dem Teppich, den sie bei Shahrzad Pourpanaki gekauft hat. Doch das ist nur ein kleiner Nebenschauplatz, der die beiden Frauen verbindet. Denn die 42 Jahre alte Iranerin, die seit 15 Jahren in Neuss lebt, und die 58-jährige Neusserin verbindet viel mehr. Sie sind längst Freundinnen, unternehmen regelmäßig etwas miteinander und haben innerhalb der vergangenen drei Jahre viel von der anderen gelernt – vom Lebensstil, von der anderen Kultur. Und natürlich konnte Shahrzad durch den Kontakt ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Die beiden haben sich vor drei Jahren aber nicht zufällig getroffen, sondern an dem Integrationsprojekt CareMigration teilgenommen, das die Sozialpädagogin Despina Kosmidou ins Leben gerufen hat. Heike und Shahrzad bilden seitdem ein „Tandem“. Vorausgegangen ist dem ein sogenanntes interkulturelles Training. „Ich habe daran teilgenommen, weil ich Neusser kennenlernen wollte“, sagt die gebürtige Iranerin. „Und ich habe eine Freundin, die das Training bereits gemacht hatte und sehr begeistert war“, erzählt Heike Franz, die neugierig geworden war.

Despina Kosmidou lacht die beiden an, sie ist glücklich, wenn sich „zwei finden“, weiß als gebürtige Griechin selbst, wie schwer es für Migranten ist, Kontakte zu Menschen in der neuen Heimat zu finden. „Nach den Deutschkursen stehen die meisten da und haben niemanden, mit dem sie regelmäßig Deutsch sprechen können“, sagt sie. Mit ihrem Projekt wird das nicht dem Zufall überlassen.

Das interkulturelle Training umfasst sieben Termine, die für alle Beteiligten kostenlos sind. „Die ersten drei Termine sind für die Deutschen und die Migranten getrennt“, erklärt Kosmidou. So erfahren die deutschen Teilnehmer, was es bedeutet, als Flüchtling in ein fremdes Land zu kommen, dessen Sprache man nicht beherrscht, erfahren viel über die kulturellen Hintergründe. Die Migranten, was es heißt, jetzt in Deutschland zu leben, wie sie es schaffen, sich dort zurecht zu finden. Erst nachdem alle in der Theorie voneinander gelernt haben, kommt es zu gemeinsamen Treffen, bei denen sich die Frauen und Männer kennenlernen. „Jeder kann dann drei Namen angeben, mit wem er sich vorstellen könnte, ein Tandem zu bilden“, sagt Kosmidou. Sie ist es, die dann entscheidet, wo es passen könnte. Bei Heike Frank und Shahrzad Pourpanaki war es ein Volltreffer. Ihr erstes Treffen hatten sie im Rosengarten, haben dort stundenlang geredet. Sie waren irgendwann gemeinsam Glühwein trinken. Das hatte Shahrzad zuvor noch nie gemacht. Heike brachte ihr die deutschen Feste und Festtage näher, sie selbst feierte mit Shahrzad und ihrer Familie das Norouz-Fest. So wird in ihrer Heimat das Frühlingsfest zum neuen Jahr genannt. Was Shahrzad an Heike besonders schätzt, ist „ihre Pünktlichkeit“, sagt sie und beide lachen. Und dass sie sehr aktiv sei, immer unterwegs – und an vielem lässt sie ihre Freundin teilhaben.

Wann, wo und wie oft sich die Tandems treffen, bleibt ganz ihnen überlassen. Einmal pro Monat besteht auch die Möglichkeit, an interkulturellen Gruppentreffen teilzunehmen. Gemeinsame Feiern und Ausflüge gehören zum Programm. Mittlerweile, sagt Kosmidou, gebe es 35 Tandems, doch es könnten mehr sein, sagt sie.

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