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Rhein-Kreis: Festival Alte Musik Knechtsteden mit krisensicherem Programm

Alte Musik im Rhein-Kreis : Alte Musik unter Corana-Bedingungen

Planungen mussten im Wochentakt umgedacht, Besetzungsgrößen und Vokalprogramme einer Machbarkeitsprüfung unterzogen werden. Nun aber hat das Festival Alte Musik Knechtsteden ein Programm.

Anders als viele andere Veranstalter hatte das Festival Alte Musik Knechtsteden mit seinem angestammten Programmplatz Mitte September immerhin etwas mehr Planungsvorlauf, um auf die aktuelle Situation reagieren zu können. Dazu kommt das Privileg, dass in der Alten Musik die kleinen Besetzungen ohnehin immer eine zentrale Rolle spielen. „Einige unserer Konzerte werden auch digital verfügbar sein: Das liebevoll illustrierte und erzählte #Beethoven-Lab ist jetzt schon online“, sagt Sprecherin Nicola Oberlinger.

Bei all den Neuplanungen stand im Vordergrund, „möglichst wenigen Künstlern abzusagen“, erzählt sie und ergänzt: „Getroffen hat es vor allem die großen Ensembles.“ Allerdings sind die schon für die 30. Auflage des  Festivals in 2021 verpflichtet worden.  Alle anderen aber, so sagt es die Sprecherin, habe man wenigstens einen Termin geben können.

Geiger Tino Ming wird sich Beethoven virtuell widmen. Foto: Jan Voth

Der Auftakt des Festivals dürfte für Nicola Oberlinger ein besonderer sein. „Denn zum ersten Mal überhaupt ist meine Schwester dabei“, sagt sie lachend. Immerhin ist diese die renommierte Blockflötistin Dorothee Oberlinger.

Wie aktuell das Beethovens Chorfantasie entlehnte Thema „Nacht und Stürme werden Licht“ auch die verwandelte Festivalplanung überschreibt, war nicht absehbar. Und nun ist die Idee eines Silberstreifs am Horizont nach schweren Zeiten ein äußerst passender Ideenkompass für das Festival. Im Programm rücken nun die kleineren Formate in den Vordergrund, die dem Impulsgeber Beethoven in Musiken von Bach über Luchesi, Ries und anderen Vorbildern und Nacheiferern in Leidenschaften von höchster Dramatik bis zartester Innigkeit huldigen.

Das Duo Kiveli und Danae Dörken am Klavier wird sich mit Salonmusik beschäftigen. Foto: Amanda Holmes

Eröffnet wird das Festival am 19. September von Dorothee Oberlinger mit einem Quartettprogramm voller Verrücktheiten und lärmender Lustbarkeiten der Barockmusik. Oberlingers Gegenspieler in der Basilika ist dabei Dmitry Sinkovsky, Geiger und Counter in Personalunion. Der Festivalauftakt wird live im Internet gestreamt.

Am Sonntag, 20. September, geht es mit einem von Regisseur Tobias Winter inszenierten Programm „Mad Songs“ bei der traditionellen Knechtstedener Landpartie in der Theaterscheune weiter. Die im England des 17. Jahrhunderts beliebten Wahn-Gesänge von Henry Purcell und seinen Zeitgenossen werden in der Tradition galanter Gesellschaftsausflüge in das berüchtigten Londoner Irrenhaus Bethlam von Sängern der Rheinischen Kantorei und dem Ensemble Schirokko in Szene gesetzt.

In Beethovens Nachfolge sind die Rheinischen Musiksalons entstanden. An diese Blüte der Salonmusik erinnert ein Konzert mit Musiken von Schumann, Meyerbeer, Chopin, Mendelssohn und Brahms – darunter seine „Liebeslieder-Walzer“, besetzt mit dem Klavierduo Danae und Kiveli Dörken samt hochkarätigem Solistenquartett am 20. September live aus dem Kammermusiksaal des Deutschlandfunks.

An die scheue Verehrung des jungen Franz Schubert für den übermächtigen Beethoven knüpft ein Liederabend mit Schuberts „Winterreise“ an. Der Liederzyklus  wird am 21. September im Bullenstall Knechtsteden mit Veronika Winter und Klaus Heidemann am Klavier zu erleben sein.

Daneben wird der Liederzyklus als Audio-Walk während der Festivalzeit durch Stationen auf dem Klostergelände führen und für alle Neugierigen kostenlos angeboten. Höhepunkt des Festivals wird die Lange Beethoven-Nacht in der Knechtstedener Basilika am Mittwoch, 22. September. Das Format spürt Beethovens Vorbildern wie J.S. Bach und J.G. Albrechtsberger, aber auch von Zeitgenossen wie Haydn, Ries, Salieri oder Hummel in einem Pasticcio nach. Vokalformationen der Rheinischen Kantorei führen das Programm mit Instrumentalisten des Kleinen Konzerts und Solisten auf mehreren Bühnen in der Basilika auf.

Die Basilika ist auch Schauplatz der Gregorianischen Nacht mit dem Frauen-Vokalensemble Tiburtina am 24. September. Das Ensemble aus Prag war bereits im letzten Jahr ein Höhepunkt des Festivals und beschließt mit seinem Programm die diesjährige Ausgabe.