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Rhein-Kreis: Erinnerungskunst in den Kommunen

Gedenken im Rhein-Kreis : Kunst belebt die Erinnerung

Kaum eine Kommune gibt es im Rhein-Kreis, die nicht über Kunstwerke oder auch Tafeln die Erinnerung an Menschen aus ihren Mauern wach hält. Wir stellen einige vor.

Mahnmal zur Erinnerung an ermordete Juden Als Standort für das 1995 errichtete Mahnmal wurde ganz bewusst die Nähe zur ehemaligen Synagoge gewählt, die von 1867 bis zur Reichspogromnacht am 9.11.1938, als SA-Männer sie zerstörten, an der Promenadenstraße gestanden hat. Der international berühmte Bildhauer Ulrich Rückriem wurde mit der Arbeit beauftragt. Er wählte einen Granitstein, der 2,70 Meter hoch und 30 Tonnen schwer ist und  schuf daraus ein Gehäuse mit drei offenen Seiten. Die Öffnungen geben den Blick frei auf polierte dunkle Tafeln, auf denen die Namen der 208 ermordeten und deportierten Neusser Juden verzeichnet sind. Der 1938 geborene Rückriem ist in Neuss-Helpenstein aufgewachsen und arbeitete nach seiner Steinmetzlehre unter anderem an der Dombauhütte in Köln. Er begann später als freier Künstler aktiv zu werden.

Standort: Promenade, Wierstraetweg, (an der Bushaltestelle Zolltor), Neuss

Das Kardinal-Frings-Denkmal Am 12. August 2000 wurde in Neuss das von der Kardinal-Frings-Gesellschaft errichtete Denkmal von Elmar Hillebrand durch den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner geweiht. Die Statue steht an der Quirinus-Basilika, zwischen Krämerstraße und Freithof, und zeigt den Kardinal bei der Segnung einer Kirche, wie er mit dem Bischofsstab ein Alpha und Omega in den Sand zeichnet – als Symbol für Jesus Christus als den Anfang und das Ende der Welt. Die Kohlebriketts zu Füßen des Denkmals erinnern an seine berühmte Silvesterpredigt 1946. Frings wurde mit dem Wort „fringsen“ für „Mundraub begehen“ in der deutschen Sprache verewigt. Der Begriff geht zurück auf seine am 31. Dezember 1946 in der Kirche St. Engelbert in Köln-Riehl gehaltene Silvesterpredigt, in der er mit Bezug auf die Plünderungen von Kohlenzügen und die schlechte Versorgungslage ausführte. Josef Richard Frings wurde in Neuss geboren. Das Abitur legte er 1905 am Königlichen Gymnasium (heute Quirinus-Gymnasium) ab und studierte in vier Städten Katholische Theologie. Von 1942 bis 1969 war er Erzbischof von Köln.

Standort: Münsterplatz, Neuss

Die Ludwig-Soumagne-Tafel Nach dem Tod des Dichters Ludwig Soumagne ehrt ihn auch eine Erinnerungstafel – am Haupteingang des Kreishauses in Neuss. „Häer, mer danke Dech!“ sind als prägende Worte in die Tafel eingraviert, die zudem das Konterfei Soumagnes und sein Geburts- und Todesjahr zeigen. Seit der Gründung im Jahr 1989 trägt das Internationale Mundartarchiv des Rhein-Kreises seinen Namen. Am 22. Oktober 2003 starb der Neusser Mundartdichter, dessen bekanntestes Werk die „Litanei“ ist. Die Tafel wurde von Bildhauer Günther Happekotte geschaffen.

Standort: Oberstraße 91, Neuss

Das Theodor-Schwann-Denkmal Theodor Schwann war der Sohn des Neusser Goldschmieds und Verlegers Leonard Schwann und seiner Frau Elisabeth. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Schwann besuchte in Neuss das Progymnasium und das Marzellen-Gymnasium in Köln, wo er 1829 Abitur machte. Danach studierte Schwann Medizin in Bonn, Würzburg und Berlin. 1838 wurde er Professor an der Katholischen Universität Löwen, 1848 an der Universität in Lüttich. Nach ihm sind unter anderem die „Schwannsche Scheide“ in Nervenzellen und die „Schwann-Zelle“ benannt. 1836 entdeckte er das für die Verdauung notwendige Enzym Pepsin, das er erstmals aus tierischem Gewebe isolierte. Der Düsseldorfer Bildhauer Joseph Hammerschmidt schuf eine Sitzstatue von Schwann, die heute vor dem Kulturforum Alte Post steht. Das Kunstwerk soll bereits im Jahr 1909 entstanden sein

Standort: Neustraße 28, Neuss

Die trauernde Frau Künstler Josef Neuhaus hat mit dem Ehrenmal in Reuschenberg, das nicht nur an die Toten aller Kriege und Fronten, sondern auch an die Opfer der Hitlerdiktatur und des Bombenkrieges erinnert, einen Wettbewerb gewonnen. Er schuf 1957 eine Frauenfigur mit einer emotionsgeladenen Haltung – mit „einer Gebärde des entsetzten Verstummens vor dem Leid der Opfer des Krieges und der NS-Diktatur“. Der Künstler Neuhaus lebte von 1923 bis 1999 und studierte von 1945 bis 1950 an der staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Anschließend arbeitete er als freischaffender Bildhauer in Neuss.

 Standort: Tulpenstraße 44-46, Neuss

Kanzlerdenkmal Direkt an der Erft erinnert in der Grevenbroicher Innenstadt ein Denkmal an zwei große deutsche Staatsmänner: Konrad Adenauer und Willy Brandt. Die Politik Konrad Adenauers und die Politik Willy Brandts haben entscheidend zur Sicherung des Friedens in Deutschland allgemein, zur Einbindung Deutschlands in das westliche Bündnis und zur Aussöhnung mit Osteuropa beigetragen. Bundeskanzler Konrad Adenauer repräsentiert den Eintritt Deutschlands in das westliche Bündnis unmittelbar nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949. Jahre später arbeitete Bundeskanzler Willy Brandt für die Aussöhnung mit dem Osten. Die schrittweise Näherung an den Osten und die Einflussnahme auf die östlichen Diktaturen führten schließlich zur Aussöhnung mit dem Osten. Mit dem Denkmal des St. Petersburger Künstlers Grigori D. Yastrebenetskiy, das die beiden Kanzler im Portrait zeigt und dessen Hintergrund die Symbole des Westens und des Ostens darstellt, mit der durch das Denkmal laufenden Mauer mit dem Brandenburger Tor in Berlin (Symbol für Teilung und Einheit), werden die ersten 40 Jahre der Bundesrepublik Deutschland von ihrer Gründung unmittelbar nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, der daraus folgenden Trennung bis hin zu seiner glücklichen Vereinigung im Jahre 1990 charakterisiert.

Standort: Karl-Oberbach-Straße, Höhe Hausnummer 7, Grevenbroich

Das Holocaust-Mahnmal Sie wurden verfolgt, deportiert, misshandelt und ermordet: Der Rassenwahn zur Zeit des Nationalsozialismus machte auch vor den Orten Gustorf und Gindorf keinen Halt. Die Liste der Opfer ist lang, lange Zeit erinnerte auf dem Friedhof an der Kirche St. Maria Himmelfahrt ein Mahnmal lediglich an die gefallenen und vermissten Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie an die getöteten Zivilpersonen – nichts aber an die verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger. Diese Lücke wurde mit der Eröffnung einer neuen jüdischen Gedenkstätte auf dem Friedhof geschlossen. Gedenkplatten aus Granit erinnern  an insgesamt zwölf Familien, die bis zu den Gräueltaten im Nationalsozialismus in den beiden Dörfern ihre Heimat hatten. Die ursprüngliche Idee für die Gedenkstätte stammt von dem gebürtigen Gustorfer und Landschaftsarchitekten Bernd Franzen.

Standort: Friedhof am Marienplatz, Grevenbroich

Stolpersteine mit Hinweis-Stele Neben dem Historischen Rathaus zeigt seit 15. Oktober 2013 eine Gedenktafel in der Innenstadt die genauen Standorte der Stolpersteine für alle bekannten Dormagener NS-Opfer, ihre Namen sowie auch die letzten Wohnorte an. Mit Hilfe des Partnerschaftsvereins Dormagen–Kiryat Ono war Geld für die sogenannten Stolpersteine in Dormagen gesammelt worden, mit dem Restbetrag wurde die Stele finanziert.

Standort: Paul-Wierich-Platz, Dormagen

Schweinebrunnen Der „Schweinebrunnen“ in Zons wurde 1959 nach einem Entwurf des Düsseldorfer Bildhauers Bernhard Lohf errichtet und erinnert an den Raub einer Schweine-Herde. Die fünf Bronzeschweine von Herbert Labusga sind 1987 ergänzend aufgestellt worden. Der Brunnen erinnert an die Zonser „Schweinefehde“, den Raub der Zonser Schweineherde durch Soldaten des Kölner Erzbischofs Salentin von Isenburg 1577 im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit dem Kölner Domkapitel, dem Zons verpfändet war. Nicht die Schweine erhielten die siegreichen Zonser zurück, sondern den Gegenwert in Geld.

Standort: Hubertusstraße, Dormagen

(cka/hbm)