1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis

Rhein-Kreis: Der Ernährungsrat will Food Hubs installieren

Versorgung im Rhein-Kreis Neuss : Einsatz für Essen aus der Nachbarschaft

In der Region sollen wieder mehr lokale und nachhaltig erzeugte Lebensmittel angeboten werden. Dafür will sich der Ernährungsrat einsetzen – und dabei auch die Politik mit ins Boot holen. Eine Rolle könnten „Food Hubs“ spielen.

Die Ernährung gesund, regional und nachhaltig gestalten – das hat sich der 2019 gegründete Ernährungsrat im Rhein-Kreis auf die Fahne geschrieben. „Nur ein Bruchteil dessen, was wir essen, kommt auch aus der Region“, sagt Agnes Groschke-Faruß, die Initiatorin des Ernährungsrats. Mittlerweile, ergänzt sie, hätten sich um die 70 Personen, aber auch Vereine, die Neusser Stadtwerke sowie die Verbraucherzentrale Neuss und die Stadt Neuss angeschlossen. Der Ernährungsrat selbst sei kein Verein, so Groschke-Faruß weiter, inzwischen aber Mitglied des Vereins Neuss Agenda 21.

Fünf Themen sind es, denen sich der Rat in Arbeitsgruppen widmet: Trinkwasser, Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung, essbare Stadt, regionale Ernährungswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit. Und es geht immer um eine bessere Versorgung aus der Region heraus, denn das Thema Ernährung, sagt die Initiatorin, sei immer noch ein weißer Fleck. „Wir wollen ein Versorgungssystem aus der Region aufbauen“, äußert sich Groschke-Faruß.

Und das sei ein Thema, das längst auch in der Politik angekommen ist und auch vom großen Thema der kommenden Jahre, dem Strukturwandel, nicht losgelöst betrachtet werden könne. „So hat die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser angeregt, dass im Strukturprogramm 1.0 der Zukunftsagentur Rheinisches Revier auch der ökologische Landbau berücksichtigt werden soll“, informiert Groschke-Faruß. Und dafür Valentin Thurn, mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer und Journalist, der 2016 in Köln den ersten Ernährungsrat Deutschlands gegründet hat, ins Boot geholt. Der wiederum sprach die Ernährungsräte „rund ums Baggerloch“, wie Groschke-Faruß sagt, an. So schlossen sich die Räte aus Köln, Bonn, Aachen, Düsseldorf und dem Rhein-Kreis sowie dem BUND Rhein-Erft-Kreis und der Landesvereinigung ökologischer Landbauern zum sogenannten „Grünen Revier“ zusammen.

Wie kann man es erreichen, dass ein Großteil der Ernährung wieder aus der Nachbarschaft kommt? Eine Frage, die auch für den Ernährungsrat im Rhein-Kreis Neuss im Vordergrund steht. Und der liefert auch gleich eine Idee dazu: die Einrichtung von sogenannten Food Hubs. „Das muss man sich wie eine Art Markthalle vorstellen“, erklärt Groschke-Faruß. Allerdings nicht nur so, dass dort Landwirte aus der Region, aber auch Metzgereien und Bäckereien ihre Waren verkaufen können, spricht sie weiter, sondern dort gebe es ein Büro, dass auch mit Restaurants oder Köchen in Verbindung stehe, um die Ware zu vermarkten.

Zusätzlich fänden an diesem besonderen Ort Bildungsmaßnahmen statt, stünde man in Kontakt mit Schulen und Kindertagesstätten, so dass auch dort wieder frisch gekocht werde. Wesentlicher Faktor: Das ganze Projekt müsse von der Politik unterstützt werden. „Wichtig ist, dass die Bauern und Höfe in der Region die Gewähr haben, dass ihre Produkte auch abgenommen werden“, so Groschke-Faruß. Lange Transportwege würden so vermieden und zusätzlich weitere Arbeitsplätze geschafft. Für Schulen und Kitas könnte sich der Ernährungsrat auch vorstellen, dass die, die keinen Platz für einen Schulgarten gaben, einen in Kleingärtenanlagen bekämen, unterstützt von Ehrenamtlern, weil sie die Arbeit dort nicht allein bewältigen könnten. „Es gibt viele Ideen, eine nachhaltige gesunde Ernährung umzusetzen und es ist möglich, damit in kleinerem Rahmen anzufangen, wenn die Politik es unterstützt“, ist Agnes Groschke-Faruß überzeugt.