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Rhein-Kreis Neuss: Professorin bewahrt das rheinische Platt

Rhein-Kreis Neuss : Professorin bewahrt das rheinische Platt

Zum zwölften Mal wurde die Franz-Peter-Kürten-Auszeichnung für besondere Verdienste um die rheinische Mundartliteratur und das rheinische Brauchtum verliehen. Preisträgerin ist die 78-jährige Viersenerin Helena Siemes.

Seit mehr als 40 Jahren hat sie zahlreiche Fabeln, Verse, Redensarten, Volks- und Kinderlieder gesammelt und Brauchtumsberichte aufgezeichnet. Anfang der 1980er Jahre gründete sie den Kulturkreis Mundart im Heimatverein Viersen. Jetzt wurde Professorin Helena Siemes im Kreismuseum Zons mit dem Franz-Peter-Kürten-Preis für besondere Verdienste um die rheinische Mundartliteratur und das rheinische Brauchtum geehrt.

"Der Kulturkreis Mundart sollte dazu beitragen, dass die rheinische Sprache und das rheinische Brauchtum nicht in Vergessenheit geraten", sagt die 78-Jährige. Sie recherchierte die Arbeitskultur und Sprache und fand viele Personen, die aus ihrer Vergangenheit berichteten. Meistens waren es Leute aus der Handwerkerschicht, die ihr in rheinischer Mundart von ihrem Leben und ihren Bräuchen erzählten. "Ich komme selber aus einem Handwerkerhaus und bin mit Platt aufgewachsen. Daher kam auch mein Interesse an der Sprache", erzählt sie. Ihre Eltern, die eine Bäckerei führten, sprachen fast ausschließlich Platt.

So wuchs Helena Siemes mit dem Dialekt auf und begeisterte sich schon früh für Sprachen. Aus diesem Grund studierte sie auch Germanistik und befasste sich während und nach ihrem Studium mit Volkssprachen und Dialekten. "Ich habe in Freiburg und München Germanistik, aber auch Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte studiert", berichtete sie. Gerne wäre sie in Freiburg geblieben, aber durch die Krankheit ihrer Mutter kam sie nach Viersen zurück. "1971 wurde ich Professorin für Ästhetik und Kommunikation an der katholischen Hochschule in Aachen", erzählt Helena Siemes. In dieser Zeit hat sie ihren Studenten die rheinische Volkssprache näher gebracht und mit ihnen Texte auf Platt verfasst. Auch ging sie oft in Schulen, um den Schülern die rheinische Sprache näher zu bringen. Sie gründete einen Vorlesewettbewerb für Mundart, bei dem Schüler Texte vorlesen, die in rheinischem Dialekt verfasst sind. "Die meisten Lehrer kennen die Dialekte gar nicht mehr, und so habe ich mit den Schülern die Texte eingeübt. Daraus entstand ein Vorlesewettbewerb, der sehr erfolgreich wurde. Beim letzten Mal hatten wir fast 400 Anmeldungen", sagt sie stolz.

Seit 1999 ist Siemes im Ruhestand und hat Zeit für ihre Hobbies. "Ich spiele gerne Klavier und treffe mich häufig mit einer Freundin, die Cello spielt. Dann musizieren wir zusammen", sagt Helena Siemes. Verheiratet ist sie nicht, aber das findet sie nicht weiter tragisch. "Ich habe zu Hause ja meine zwei Vögel, das reicht mir", scherzt sie.

Nun, da sie viel Freizeit hat, kommt sie auch endlich zum Schreiben. "Ich habe drei Bücher veröffentlicht und sammele gerade wieder Schriften für ein weiteres Buch", sagt sie. Und ihre Bände "Durch das Jahr — Feste und Bräuche am Niederrhein", "Kindheit am Niederrhein" und "Nachbarschaft und Geselligkeit am Niederrhein" wurden bereits nach der Veröffentlichung zu Standardwerken. "Es ist wichtig, unser rheinisches Kulturgut zu bewahren und für die folgenden Generationen zu dokumentieren", erzählt sie. Und ist froh, einen Teil zum Erhalt der Sprache beizutragen. "Leider ging in den letzten Jahren der gesprochene Dialekt immer weiter verloren. Ich freue mich, mit meiner Arbeit die rheinische Sprache ein Stück weit erhalten zu können", unterstreicht Siemes. Auf die Auszeichnung ist sie stolz.

(sall)