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Rhein-Kreis Neuss: "OKD" Salomon wird 80 Jahre

Rhein-Kreis Neuss : "OKD" Salomon wird 80 Jahre

Er war der Prototyp des Oberkreisdirektors. Er gab dem Kreis Neuss Profil, Stimme und Gesicht. 15 Jahre nach seinem Abschied zieht der "OKD" heute noch einmal alle Aufmerksamkeit auf sich: Klaus-Dieter Salomon wird 80.

Obwohl er schon 15 Jahre als Pensionär spazieren geht, sprechen die Menschen immer noch respektvoll vom "OKD" — und jeder weiß, wer gemeint ist: Klaus-Dieter Salomon, 13 Jahre Oberkreisdirektor des Kreises Neuss. Heute wird er 80 Jahre alt und sagt mit kräftiger Stimme: "Mir geht es relativ gut." Derzeit ordnet er seine gesammelten Unterlagen. Zu den Lieblingsbeschäftigungen gehört die Korrespondenz: "Ich versuche immer, persönlich zu antworten."

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, der als Dezernent noch einige Jahre mit Salomon zusammengearbeitet hat, würdigt ihn als "Gestalter" des heutigen Rhein-Kreises: "Das Amt des Oberkreisdirektors war ihm auf den Leib geschnitten." Dieter Welsink, Chef der CDU-Kreistagsfraktion, war zu Salomons OKD-Zeiten noch nicht aktiv. Ihm sei Salomon aber als "ideenreicher Begleiter und Ratgeber der Politik", beschrieben worden. Heinz Günther Hüsch, Altmeister der Neusser Politik, kennt Salomon noch aus gemeinsamen Landtags-Tagen. Über 40 Jahre ist das her. Sein Urteil heute: "Salomon war ein guter OKD."

Klaus-Dieter Salomon, in Berlin-Neukölln geboren, kam nach dem Krieg über Westfalen ins Rheinland, wo er heimisch. Dafür sorgte schon die Heirat mit einer Kölnerin. Er studierte Jura, wurde Staatsanwalt, wechselte zur CDU-Landtagsfraktion und stieg zu deren Justitiar auf. 1970 ging er als Beigeordneter nach Neuss, warf 1983 seinen Hut in den Ring, als ein neuer Oberkreisdirektor gesucht wurde. Als Außenseiter kurz vor Bewerbungsschluss gestartet, wurde er zum Nachfolger von Paul Edelmann gewählt. Er setzte sich gegen den erklärten Favoriten der CDU-Mehrheitsfraktion, Rolf Wiese, durch. Der unterlag — wenn auch knapp — mit 37:38 Stimmen. Pikant: Beide Bewerber gehörten dem Beigeordneten-Kollegium der Stadt Neuss an.

Der Name Salomon steht bis heute für eine tiefe Analyse, klar formulierte Ziele und großes Durchsetzungsvermögen — für Erfolg eben. Er war der Architekt der Fusion von Kreissparkasse Grevenbroich und Stadtsparkasse Neuss, er ordnete kreisweit die berufliche Bildung neu, förderte die Kultur, baute nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Brücken ins brandenburgische Perleberg und ins polnische Mikolow. Und Salomon verstand eine Menge von Personal. Er erkannte früh das Talent Dieter Patt, das er aus dem Neusser Rathaus in die Kreisverwaltung holte. Für Patt machte er 1996 den Weg frei. Salomon trat zurück, ermöglichte so die Wahl seines Ziehsohnes zum ersten hauptamtlichen Landrat im Rhein-Kreis.

Salomon sieht bis heute die latente Gefahr, dass der Rhein-Kreis zerschlagen werden könnte; er sah aber auch stets die Befindlichkeit der 2000 Jahre alten Stadt Neuss, die 1975 ihre Kreisfreiheit verlor. Sein strategischer Ansatz: Er stellte den steten Konflikt zwischen Kreis und Stadt in einen größeren Kontext. Salomon warb dafür, den Kreis mit 450 000 Einwohnern im Spannungsfeld der Oberzentren Düsseldorf, Köln, Mönchengladbach und Krefeld "wie eine Großstadt" zu führen — unter Führung der starken Stadt Neuss, nicht aber unter deren Diktat. Salomon war vor 15 Jahren schon klüger als es viele seiner Nachfolger heute sind.

(NGZ)