Absage der Veranstaltung kam überraschend: „Ohne jede Umschweife“

Absage der Veranstaltung kam überraschend : „Ohne jede Umschweife“

Von Helga Bittner Nach der Absage der Verleihung der "Club of Budapest-Awards", die auch "Nobelpreise der Menschlichkeit" genannt werden, geht der auf der Raketenstation ansässige Club in die Offensive und wird am Sonntag in einer Vorstandssitzung beschließen, welche rechtlichen Schritte unternommen werden.

Von Helga Bittner Nach der Absage der Verleihung der "Club of Budapest-Awards", die auch "Nobelpreise der Menschlichkeit" genannt werden, geht der auf der Raketenstation ansässige Club in die Offensive und wird am Sonntag in einer Vorstandssitzung beschließen, welche rechtlichen Schritte unternommen werden.

Die Absage der Veranstaltung kam für den Verursacher derselben nicht nur überraschend, sondern auch erst spät bei ihm an: Der Hannoveraner Journalist Hans-Ulrich Felmberg, dessen kritischer Artikel bei Spiegel-Online über den Club of Budapest dazu beigetragen hat, dass dieser die für Samstag geplante Verleihung seiner Awards abgesagt hat, wurde erst durch einen Anruf der NGZ am Freitag Morgen darüber informiert. "Ich stehe zu dem, was ich geschrieben habe", sagte er unumwunden, "der Artikel ist genau recherchiert und auch von den Justitiaren des Spiegel geprüft worden".

Von etwaigen rechtlichen Schritten gegen ihn oder Spiegel-Online sei ihm auch nichts bekannt. "Allerdings waren uns die schon im Sommer angekündigt worden", ergänzte Felmberg. Das wurde auch vom zuständigen Spiegel-Online-Ressortleiter Jochen Leffers bestätigt: "Aber wir haben damals nur eine Stellungnahme bekommen." Der am 23. Juli veröffentlichte Artikel hatte vermutlich schon für das am 28./29. Juli stattgefundene Festival "Young & Free" in Höchstadt/Aisch Turbulenzen verursacht. Zumindest war die Distanzierung der Stadt von dem Plan, den Club of Budapest am pädagogischen Rahmenprogramm zu beteiligen, mit kritischen Presseberichten begründet worden.

Nach Beratungen mit Medienanwälten habe man im Sommer von rechtlichen Schritten Abstand genommen, erklärte dazu Peter Spiegel, Geschäftsführer des Club of Budapest, stattdessen die Sache lieber "lokal gehalten" und eine Stellungnahme etwa an die Mitglieder verschickt. Nachdem Felmberg jetzt aber im Vorfeld der Preisverleihung einen privaten Brief mit Beschuldigungen gegen den Club an einige der Preisträger und Laudatoren geschickt habe, sei jedoch eine Abmahnung erwirkt worden. Über weitere rechtliche Schritte wird laut Spiegel auf einer morgigen Vorstandssitzung des Clubs entschieden, doch die gingen dann "weit über Unterlassungserklärungen" hinaus.

In seiner Veröffentlichung bei Spiegel-Online hatte Felmberg unter anderem den Club of Budapest als "elitär-esoterisches Sammelbecken" und deren "Planet Life University" als "interstellare Pseudo-Uni ohne rechtliche Basis" bezeichnet. Dass die Bildungsinstitution den Titel "University" nicht führen darf, wurde von Peter Spiegel auch gar nicht bestritten: Man habe "sofort nach dem Hinweis des Wissenschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen" und "ohne jede Umschweife" die Rechtslage akzeptiert und sich auf die neue Bezeichnung "Planet Life Academy" geeinigt. Der 51-Jährige verwahrte sich jedoch dagegen, dass Felmberg die 2003 gegründete Bildungseinrichtung mit der Mitte der 90er Jahre ins Leben gerufenen Friedensuniversität Potsdam in einen Topf wirft: "Fakt ist, dass diese Friedensuniversität weder ein Projekt des Club of Budapest war noch irgendeine Art von Vorläufereinrichtung der Planet Life University".

Für die 1995 beabsichtigte, dann jedoch nicht erfolgte Einrichtung einer "Internationalen Friedensuniversität Potsdam" war in Berlin eine Fördergemeinschaft gegründet worden, deren "wissenschaftlicher Leiter" laut Medien der Club of Budapest-Initiator Ervin Laszlo war. Der Vorsitzende der Gemeinschaft war Uwe Morawetz, der demnach vormals der esoterischen Szene Berlins zugerechnet wurde. Der damals 30-Jährige hatte etliche Nobelpreisträger und bekannte Persönlichkeiten wie Rita Süssmuth, den Dalai Lama oder den russischen Ex-Diplomaten Valentin Falin als Unterstützer präsentiert. Doch das Gebilde fiel zusammen, noch bevor es den Betrieb aufnehmen konnte: Es durfte weder den Titel Universität führen noch blieben die Prominenten bei der Stange. Letztere distanzierten sich in vielen Fällen, nachdem sich kritische Berichte auch über die Nähe von einigen Referenten und Förderern zu Organisationen wie der Mun-Sekte gehäuft hatten.

Ein weiterer Vorwurf Felmbergs richtet sich gegen Ervin Laszlo, welchen er auch in seinem Artikel in der eigenen Hannoverschen Wirtschaftszeitung über dessen Vortrag auf einem "Internationalen Hellinger-Kongress" in Verbindung mit dem stark umstrittenen ehemaligen Jesuitenpater und inzwischen als "Psycho-Guru" geltenden Bert Hellinger bringt, dem auch rechtes Gedankengut nachgesagt wird. Laszlo bekomme jedes Jahr etwa hundert Einladungen für Vorträge, habe kein Wort mit ihm gesprochen und kenne auch die Diskussion über ihn in Deutschland nicht, erklärte Peter Spiegel, der indes auch persönlich von Felmberg angegriffen wird. Peter Spiegel hat in seinem "Horizonte"-Verlag Anfang der 90er Jahre ein Buch von Sigrid Hunke verlegt, die laut Felmberg eine "Schlüsselfigur der Neuen Rechten" ist.

Dass Hunkes "Allah ist ganz anders" bei ihm erschienen ist, stritt Spiegel auch gar nicht ab: "Das Buch war ein Bestseller wie auch ihr Vorgänger ,Allahs Sonne über dem Abendland'", sagte der 51-Jährige gegenüber der NGZ, "aber in beiden Werken ging es ihr darum, aufzuzeigen, was wir dem Morgenland zu verdanken haben." Erst als Hunke sich später mit "germanischer Kultur" beschäftigt habe, seien auch rechtslastige Tendenzen und Verbindungen bei ihr aufgetaucht. Spiegel hält sich zu Gute, darauf sofort reagiert zu haben: "Wir haben Sigrid Hunke sofort aus unserem Programm genommen - anders als die großen Verlage wie S. Fischer, DVA oder Goldmann."

(NGZ)
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