Notfallseelsorge im Rhein-Kreis Neuss gründet Förderverein

178 Einsätze im Rhein-Kreis Neuss in 2018: Notfallseelsorge gründet Förderverein

Die Notfallseelsorge Neuss feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen. Sie ist im gesamten Rhein-Kreis unterwegs, hat pro Jahr zwischen 170 und 180 Einsätze. Ein Förderverein soll die Arbeit unterstützen. Er wird am Donnerstag gegründet.

Notfallseelsorge ist „Erste Hilfe an der Seele“. Die Mitarbeiter, alle ehrenamtlich im Einsatz, begleiten Menschen, die durch einen Unfall, ein traumatisches Erlebnis oder den plötzlichen Tod eines Angehörigen oder Freundes plötzlich in ihrer Lebenssituation erschüttert sind. Obwohl schon 1999 von der evangelischen Pfarrerin Angelika Ludwig gegründet, wurde die Seelsorge erst richtig bekannt, als die Mitarbeiter 2012 nach dem tödlichen Messerangriff auf eine Mitarbeiterin des Neusser Jobcenters gerufen wurden, und dort über viele Wochen die zum Teil schwer traumatisierten Mitarbeiter betreuten, so dass die langsam wieder zu einem „normalen“ Arbeitsalltag finden konnten.

Im vergangenen Jahr waren es die beiden Badeunfälle am Kaarster See, wo ein vier Jahre alter Junge und ein 19-jähriger Mann ertranken. Auch bei dem Massenunfall auf der A57 bei Dormagen vor einigen Jahren waren die Mitarbeiter der Notfallseelsorge im Einsatz. 178 Einsätze waren es im vergangenen Jahr, insgesamt 432 Stunden. Informiert werden die Kräfte in der Regel von der Kreisleitstelle. Rund um die Uhr hat ein Notfallseelsorge-Assistent Bereitschaft. „Wenn er angerufen wird, dann holt er den Notfallseelsorger ab“, sagt Angelika Ludewig. Sie erklärt den sogenannten Neusser Weg, nämlich das Ausrücken von zwei Personen. „Nur so kann sich der Seelsorger ausschließlich um die Betroffenen kümmern und muss vor Ort nichts organisieren. Das erledigt der Assistent, der in der Regel aus den Reihen der Feuerwehr oder anderer Hilfsorganisationen kommt.“ Aktuell sind es zwölf Assistenten, wobei gerade 16 eine Ausbildung (180 Stunden) machen. Die Notfallseelsorger sind Geistliche beider Konfessionen und speziell ausgebildete Ehrenamtler.

Träger der Seelsorge sind der evangelische Kirchenkreis Gladbach-Neuss sowie der Verband der Katholischen Kirchengemeinden des Kölner Erzbistums im Rhein-Kreis. 10.000 Euro stehen pro Jahr zu Verfügung. Erst im vergangenen Jahr musste ein neues Einsatzfahrzeug gekauft werden, Kosten: 42.000 Euro. „Da es immer wieder Menschen gibt, die uns Geld spenden, haben wir uns jetzt entschlossen, einen Förderverein zu gründen“, sagt Ludwig. Und das aus ganz pragmatischen Gründen: Denn jede Spende werde als Einnahme verbucht und auf die 10.000 Euro Budget angerechnet, erklärt sie. Ein gemeinnütziger Verein könne außerdem Spendenquittungen ausstellen. „Und wir können von Institutionen Geld bekommen, die nicht direkt an Kirchen spenden“, fährt die Pfarrerin fort. Gründungsversammlung des neuen Vereins ist am Donnerstag, 18 Uhr in den Räumen der Johanniter-Unfall-Hilfe an der Hellersbergstraße 7. Kommen kann jeder, auch wenn er sich zunächst einmal nur informieren möchte. Gewählt wird der Vorstand.

Die Schirmherrschaft über den Verein übernimmt der Dormagener Bürgermeister Erik Lierenfeld. „Erik Lierenfeld hat bei dem Einsatz im Jobcenter 2012 unsere Arbeit hautnah miterlebt, weil er damals noch dort gearbeitet hat“, so Angelika Ludwig. Stimmt die Gründerversammlung zu, dann zahlen Erwachsene künftig 24 Euro Beitrag pro Jahr, Schüler, Studenten, Azubis, Rentner und Schwerbehinderte zwölf Euro und juristische Personen 150 Euro – mindestens, denn wer mehr geben möchte, der wird daran sicher nicht gehindert.

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