Nostalgie zum Schützenfest

Stadtjubiläum und Schützenfest: Für den Werbering Grevenbroich und Sponsor NGZ zwei Anlässe für eine ungewöhnliche Ausstellung. Mit historischen Fotos und Begleittexten ist eine "Zeitreise" in 33 Geschäften möglich. Sie sollen zum Vergleich zwischen "Damals" und "Heute" einladen.

Grevenbroich Die Vergangenheit von Grevenbroich entdecken – dazu lädt die Ausstellung "Zeitreise" mit historischen Fotos und begleitenden Texten auf Fahnen und Postern ein. Zu sehen ist sie in 33 Geschäften in der Innenstadt. "Dass wir die Schau auch während des Schützenfestes in der Stadtmitte zeigen, war eine bewusste Entscheidung", sagt Fred Schlangen, Vorsitzender des organisierenden Werberings. Denn gerade in diesem Zeitraum, so Schlangen, würden viele Menschen die Stadt besuchen und die Schaufenster besonders intensiv betrachten – und genau dort können sie fotografische Schätzchen aus mehr als acht Jahrzehnten entdecken.

Ein Blick von der Hausnummer 19 (links) in die Kölner Straße, damals Sitz eines Schreibwaren- und Buchhandels ("Mathias Istas"). Foto: K.N.

Fotos, die erstaunen

Dieses historische Foto: Ein Blick von oben auf die alte Kölner Straße.

Staunen inklusive, denn miterlebt haben wohl nur die wenigstens, dass die Breite Straße um 1910 noch eine belebte Durchgangsstraße war, über die sich der Grevenbroicher nach Köln bemühte. Mitten auf dem Marktplatz (heute Teil der 1972 eingeführten Fußgängerzone) stand eine Litfaßsäule – damals wichtige Informationsquelle für die Grevenbroicher. Unverkennbar: das Gebäude des ehemaligen Kaufhauses "Friedrich Hömberg", heute Standort von "Esprit"- und "Cecil"-Damenmode. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts konnte man dort unter dem Schild "Friedr. Hömberg" Einkäufe "en gros" und "en detail" tätigen.

Der Blick in einst aktuelle Schaufenster, die Betrachtung verschwundener Sortimente, die Teilhabe an längst vergangenen Arbeitstagen – das ist es, was Stadtarchivar Thomas Wolff an dieser "Zeitreise" so begeistert. "Zwar haben wir im Archiv die Entwicklung der Innenstadt detailliert dokumentiert. Aber durch diese Ausstellung haben wir neue Einblicke erhalten, etwa in die Schaufenster-Dekoration oder auch in das Innere von Geschäftsräumen."

Neue Erkenntnisse gewonnen

Wo die historischen Dokumente gefunden wurden: bei vielen Grevenbroichern auf Dachböden, in Kellern oder in vergilbten Alben. "Wir haben Unmengen von Material gesichtet", erinnert sich Thomas Wiedenhöfer, der die Ausstellung für den Werbering redaktionell betreute. Noch interessanter als die Fotografien selbst seien die Gespräche mit oft älteren Grevenbroichern gewesen: "Ein Senior schrieb für mich seine Erlebnisse in einer Bombennacht des Zweiten Weltkriegs auf – ein überaus bewegendes Dokument", erinnert sich Wiedenhöfer an die Vorbereitung der Ausstellung.

Fotos als Impuls zum Gespräch – dies ist auch Motiv der Ausstellung: "Die Bilder sollen die Menschen zu Gesprächen anregen, zum Schwelgen in Erinnerungen, zur Suche nach dem ,Heute' auf alten Fotos", beschreibt Fred Schlangen – eine Erfahrung, die die Ausstellungsmacher mehr als einmal selbst gemacht haben.

Wie historische Fotos ein "Klick" auslösen, erlebte als eine der ersten Bürgermeisterin Ursula Kwasny. Sie erinnerte sich lebhaft an die 1950er Jahr, als im damaligen Lichtspielhaus "Corso" die Spielfilme über die Leinwand flimmerten. Heute können dort an der Bahnstraße Design-Möbel gekauft oder Bankgeschäfte getätigt werden. Und wer sich auf eine längere Zeitreise an dieser Stelle wagt, stößt auf den "Rheinischer Hof" – damals der Treffpunkt für Schützen und alle, die feiern wollten. Tanzveranstaltungen in riesigen Sälen und auch so manches Paar, das dort erstmals seine Zuneigung füreinander entdeckte – davon wissen die älteren Grevenbroicher zu erzählen.

Info Ausstellung "Zeitreise des Grevenbroicher Handels" zu sehen bis Samstag, 17. September, in 33 Geschäften in der Innenstadt.

(NGZ)