Neuss: So hält man im Alter Geist und Körper fit

Rhein-Kreis Neuss: So hält man im Alter Geist und Körper fit

Auch im Alter gilt es, Geist und Körper fit zu halten. Wie das gelingen kann und welche Rolle das gesellschaftliche Leben dabei spielt, verraten fünf Neusser.

Die Zahl der älteren Menschen wächst stetig. Derzeit ist etwas über ein Viertel der Neusser 60 Jahre und älter. Laut der Bevölkerungsprognose für Neuss bis 2050 werden die heute höchstbesetzten Jahrgänge der 40- bis 55-Jährigen 2050 deutlich geschrumpft sein. Ebenso wird es Einbußen bei den jüngeren Jahrgängen geben. Menschen ab 77 Jahren wird es in wesentlich größerer Zahl geben. Im Zuge dieses Wandels rücken die Bedürfnisse der Älteren stärker in den Blickpunkt. Für Senioren bedeutet das aber nicht, ihre Zeit mit Tanztee oder Kartenspielen zu verbringen.

Holte das Globe einst nach Neuss: Rudolf Küppers (87). Foto: Woitschützke Andreas

Hans-Peter Heinen mischt mit seinen 80 Jahren noch immer aktiv in der TG Neuss mit und hat im Februar erst die Sportehrengabe der Stadt bekommen. 1956 trat der Leichtathlet in die wiedergegründete DJK Novesia ein und ist seit 1957 Übungsleiter. 1986 wechselte er zur TG Neuss, in der er seit 28 Jahren Abteilungsleiter ist.

Hans-Peter Heinen (80) ist noch immer aktiv in der TG Neuss. Foto: Georg Salzburg

Katharina Hall (78) trifft man im Rheinischen Schützenmuseum, bei den Heimatfreunden, im Eifelverein, sieht sie auf YouTube oder hört ihre Stimme am Mundarttelefon.

Friedhelm Krause (87) steht Sohn und Neffe beratend zur Seite. Foto: Woitschützke Andreas

Architekt Rudolf Küppers (87) hat das Globe nach Neuss geholt, das Haus Rottels umgebaut und für seine Umgestaltung des alten Wasserwerks an der Weingartstraße den Deutschen Bauherrenpreis gewonnen. Friedhelm Krause hat 1957 "Karosserie Krause" gegründet. Mittlerweile hat er lange den Goldenen Meisterbrief und sein Unternehmen wird von seinem Sohn und seinem Neffen geführt. Dem 87-Jährigen ist es gelungen, seinen Erfahrungsschatz an die nächsten Generationen zu übergeben.

Aktiv und heimatverbunden: Katharina Hall (78). Foto: Woitschützke Andreas

Wenn man mit Erwin Bergs (82) spricht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er gerade aus den Bergen kommt: entweder vom Skifahren oder Wandern. 1955 knackte er bei den Deutschen Meisterschaften für die TG Neuss die Sieben-Meter-Marke im Weitsprung.

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Hans-Peter Heinen "Mein ehrenamtliches Engagement kommt einmal daher, dass ich mein Wissen weitergeben und andere zu dem anleiten möchte, was ich selbst für richtig halte. Deshalb bin ich auch Sportlehrer gewesen. Zum anderen ist das eine Grundeinstellung, die man hat. Ich engagiere mich seit über 50 Jahren für den Sport, weil man viel Freude mit den Menschen über ihre Erfolge teilen kann. Dass ältere Menschen ein aktiver Teil der Gesellschaft sein sollten, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich gebe knapp zehn Stunden Training in der Woche im Laufen und Schwimmen für den Triathlon. Da gibt es auch ein, zwei, die 80 Jahre und älter sind. Es liegt auch im Interesse der Sportvereine, Senioren ein breites Angebot zu bieten."

Katharina Hall "Ich bin in Bettikum, das damals noch aus 16 Häusern bestand, so groß geworden, dass man in der Gemeinschaft zum Wohl aller beiträgt. Mein Vater hat immer gesagt, wer sich nur in den Sessel setzt, Geist und Körper nicht mehr bewegt, der stirbt. Die jungen Leute müssen heutzutage viel arbeiten, deswegen müssen wir Oldies uns selbst mobilisieren. Ich mache zum Beispiel Filme für den YouTube-Kanal "Neusser Schützekall". Das Nüsser Platt ist für mich wichtiger Ausdruck des Heimatgefühls. Mit einem kanadischen Holzhaus in der bayerischen Rhön habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt. Aber ich musste wieder nach Hause nach Neuss ziehen, nur da bin glücklich und zufrieden. Das Umfeld spielt eine wichtige Rolle, damit man nicht vereinsamt."

Rudolf Küppers "Ich hatte immer den Eindruck, dass ich auch als einzelner das Kulturleben in der Stadt mitbeeinflussen konnte. Das kann ich doch nicht einfach fahren lassen, nur weil ich älter werde. Jede Generation hat ihre Ideen, das muss im Sinn der Weiterentwicklung so sein. Aber alles muss man nicht hinnehmen. Ich finde es sinnvoll, wenn ältere Generationen ihre Erfahrung einbringen können. Allerdings muss es konstruktiv sein. Entscheidend ist, wie wach man sich noch mit Dingen auseinandersetzt und bereit zur Konfrontation ist."

Friedhelm Krause "Für mich ist es wichtig, dass die Älteren ihre Erkenntnisse, seien es berufliche oder gesellschaftliche, an die Jugend weitergeben. Aktiv bin ich lange aus dem Beruf ausgeschiedenen, aber wenn Bedarf ist, stehe ich meinem Sohn und meinem Neffen gerne zur Seite. Anfangs fiel es mir schwer, aber ich habe mich konsequent rausgehalten, denn ich möchte die Jungs machen lassen, was sie für richtig halten. Ich habe meinen Kindern mitgegeben, dass die Qualität ihrer Arbeit zählt und Verständnis für andere wichtig ist. Ich bin gebürtiger Schlesier und habe beispielsweise bei den Rotariern einen Vortrag über die schlesische Geschichte gehalten. Heute sind wir alle Europäer und müssen zusammenhalten."

Erwin Bergs "Mein sportlicher Ehrgeiz ist noch voll da. Ich will gesund bleiben und noch ein gewisses Alter erreichen, dafür muss man sich fit halten. Meine Orthopäden haben mir wegen zweier künstlicher Kniegelenke den Sport verboten, aber ich kann nicht ohne. Im Winter fahre ich Ski, im Sommer spiele ich Tennis und gehe regelmäßig zum Krafttraining. Nach Düsseldorf würde ich niemals mit dem Auto oder der Bahn fahren, ausschließlich mit dem Rad. Ich habe lange Vorstandsarbeit in Sportvereinen geleistet, den Skiclub Neuss gegründet und war 40 Jahre lang Lehrer beim Westdeutschen Skiverband. In Kanada war ich zum Heli-Skiing, ich stand in Argentinien und Chile auf Skiern und war beruflich weltweit unterwegs."

(NGZ)